Forschung sieht Trend zu mehr Unabhängigkeit – Touristen-Info hilft bei sehr persönlichen Fragen
Wuppertal · Forschung sieht Trend zu mehr Unabhängigkeit – Touristen-Info hilft bei sehr persönlichen Fragen
Für einen Wochenend-Trip oder eine Geschäftsreise nach Wuppertal wird eine Ferienwohnung gesucht? Eine steigende Zahl von Besuchern nutzt dafür die Internet-Portale Airbnb, Booking.com und Expedia. Fast 170 000 Übernachtungen in Wuppertal wurden 2025 auf diesem Weg gebucht. 2021 waren es erst knapp 31 000, seither hat sich die Zahl also mehr als verfünffacht.
Das sind Zahlen des Landesamts für Statistik, das Zahlen des Statistischen Amts der EU auswertet. Das hat sich seit 2018 die Zahlen der drei Plattformen (bis 2024 auch von Tripadvisor) zu Ferienwohnungen und Ferienhäusern liefern lassen.
Die Internetportale bieten viele Informationen über mögliche Unterkünfte wie Ferienwohnungen und -häuser, aber auch Hotels und Pensionen: Größe, Ausstattung, Extras, Preise und Verfügbarkeit, dazu viele Fotos. Wer will, kann direkt im Internet buchen. Daher scheinen die Zahlen einerseits einfach eine Folge davon, dass immer mehr Menschen die Möglichkeiten des Internets nutzen.
Die steigenden Zahlen weisen aber auch auf einen Trend zu Ferienwohnungen und Ferienhäusern hin, der damit zusammenhängt. So spricht etwa das Fachmedium hotelier.de vom „Wachstumsmarkt Ferienwohnungen“. Und erklärt: „Der Wunsch nach mehr Privatsphäre, individueller Einrichtung und flexibler Nutzung hat die Nachfrage erheblich gesteigert. Darüber hinaus hat die Digitalisierung die Buchbarkeit von Ferienwohnungen stark vereinfacht.“ Mithilfe der Buchungsplattformen könnten auch kleine private Vermieter ihre Ferienwohnungen sichtbar machen.
Unterschiedliche Arten
Ob der Trend den Hotels die Gäste wegnimmt, ist nicht direkt feststellbar. Denn untersucht wurden nur die größten Portale. In der klassischen Tourismusstatistik des Landesamts stieg die Zahl der Hotelübernachtungen in Wuppertal von knapp 140 000 im Jahr 2021 auf 303 000 im Jahr 2025, blieb dabei aber in den letzten drei Jahren auf annähernd gleichem Niveau (2023: 292 000, 2024: 289 000).
„Selbstverständlich sind Ferienwohnungen Konkurrenz für die Hotels“, sagt Isa Fiedler, stellvertretende Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Regierungsbezirk Düsseldorf und für das Bergische Städtedreieck zuständig. Aber diese Unterkünfte würden auch von „unterschiedlichen Arten von Feriengästen“ besucht: Wer eine Ferienwohnung buche, sei unabhängiger, wolle sich vielleicht abends selbst etwas kochen, morgens länger schlafen. Wer dagegen für ein Wochenende kommt, um etwa eine Kunstausstellung im Museum zu besuchen, buche eher den Service mit Frühstück.
Auch Hotels „kommen inzwischen nicht mehr daran vorbei“, auf Plattformen wie Booking.com vertreten zu sein, sagt Isa Fiedler. Dabei macht sie darauf aufmerksam, dass die Plattformen für jede Buchung Provision erhalten: „Das muss am Ende der Gast zahlen.“ Inzwischen dürfe Booking.com aber nicht mehr verlangen, dass auf dem Portal der niedrigste Preis veröffentlicht wird. Daher könne es sich lohnen, auch auf der Internetseite des Hotels zu schauen und dort vielleicht ein besseres Angebot zu finden.
Arnt Vesper, Inhaber des Postboutique-Hotels in der Elberfelder Innenstadt und des Golfhotels „Das Vesper“ an der Stadtgrenze zu Sprockhövel, sagt auf die Frage nach der Konkurrenz, das sei schwierig zu sagen, die Zahlen müsse man sich differenzierter ansehen – ob es sich um Geschäftsreisende in der Woche oder Touristen am Wochenende handle. Er berichtet jedenfalls von reger Nachfrage in seinen Häusern, auch von Touristen, etwa aus den Benelux-Ländern und Österreich. Er vermarktet seine Hotels nicht nur im Internet, sondern auch über Agenturen und direkte Kontakte zu Unternehmenskunden.
Wer ohne die Portale eine Unterkunft in Wuppertal sucht, kann sich ganz klassisch an die Touristen-Information, also Wuppertal Marketing wenden. Dort wird eine Hotelliste mit insgesamt 33 Häusern in Wuppertal geführt und vollständig gehalten, sie ist auch im Internet abrufbar. Sie enthält zudem 16 Adressen von Ferienwohnungen – auf den Portalen finden sich allerdings viele mehr. Auf der Website der „Bergischen Drei“, dem Tourismus-Marketing-Verein des Städtedreiecks, gibt es 15 Ferienwohnungen. Dabei muss der potenzielle Besucher jeweils noch Kontakt aufnehmen.
Direkt bei Wuppertal-Marketing bucht kaum noch jemand. Aber Nachfragen werden viele beantwortet, berichtet Geschäftsführer Martin Bang. Etwa, wie weit der Fußweg vom Hotel zu einer Sehenswürdigkeit ist, welche Busverbindung es gibt oder ob sich die Lage für Besucher mit Rollator eignet. „Der Trend ist, dass die Menschen bei uns fragen und dann selbst buchen“, sagt er.
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