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Gleichberechtigung braucht aktive Solidarität von Männern: Was ihnen dabei hilft und was sie daran hindert

Дата публикации: 29-06-2026 12:29:15

In einer aktuellen Studie hat Prof. Dr. Claudia Buengeler untersucht, mit welcher Ambivalenz Männer zu kämpfen haben und welche Bewältigungsformen es gibt.

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Der Fortschritt um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern stagniert. Um neuen Schwung rein zu bringen, reicht es nicht, dass Frauen sich noch mehr anstrengen. Vielmehr müssen Männer anfangen, sich aktiv für Gleichberechtigung einzusetzen. „Männer halten in den meisten Organisationen die einflussreichen Positionen – und wenn sie sich engagieren, hat das nachweislich größere Wirkung“, erklärt Prof. Dr. Claudia Buengeler, Inhaberin der Professur für Personal und Organisation am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In einer aktuellen Studie hat sie zusammen mit Ronit Kark, Professorin für Leadership and Organizational Psychology an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan, untersucht, mit welcher Ambivalenz Männer zu kämpfen haben und welche Bewältigungsformen es gibt. Anhand der Ergebnisse lässt sich erklären, warum Allyship mal ausbleibt, mal gut gemeint schadet und mal tatsächlich wirkt.

Um ein Muster herauszuarbeiten, haben Buengeler und Kark 110 Arbeiten und weitere Quellen dazu ausgewertet, wie Männer sich mit Gleichberechtigung im beruflichen Kontext solidarisieren. Dabei haben sie herausgearbeitet: Männer stehen Allyship – also aktiver Solidarität – mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits befürworten viele Gleichstellung, andererseits fürchten sie negative Reaktionen und fühlen sich in ihrem Status oder Selbstbild bedroht. Entscheidend ist demnach aber, wie Männer mit dieser Ambivalenz umgehen. Die vier Bewältigungsstile sind Vermeidung, aktive Distanzierung, Domination und Holismus.

Im vermeidenden Stil gehen Männer Situationen, in denen Solidarität gefragt wäre, aus dem Weg. Das ist laut Buengeler und Kark eine der häufigsten Formen, mit Ambivalenz umzugehen. In manchen Fällen werden einzelne Frauen gezielt unterstützt, gleichzeitig wird die Unterstützung aller Frauen pauschal abgelehnt. Dadurch, dass Männer mit dieser Strategie angespannten Situationen aus dem Weg gehen, gehen sie gleichzeitig der Ambivalenz aus dem Weg und behindern sich selbst darin, dazuzulernen und problemlösende Prozesse anzustoßen.

Bei der aktiven Distanzierung sehen die Männer die Ambivalenz von Allyship, also die positiven und negativen Effekte der Solidarität – sie halten oft egalitäre Einstellungen, distanzieren sich aber bewusst vom aktiven Engagement. Sie befürchten, als schwach zu gelten oder dass ihnen Eigeninteresse unterstellt wird, wenn sie sich für Gleichheit einsetzen, und zweifeln an ihrer Legitimität. Statt sichtbar zu handeln, beschränken sie sich auf private Signale – etwa Zustimmung im Vier-Augen-Gespräch.

Domination bedeutet, dass Allyship aus einer dominierenden Position heraus geschieht. Sie bietet „abhängig machende“ Hilfe an oder unterstützt nur einen bestimmten Frauentyp – beispielsweise besonders feminine Frauen. In der Domination befürwortet ein Mann beispielsweise lange Mutterschutzzeiten, lehnt aber ausgedehnte Väterzeiten ab. Das wirke unterstützend, zementiere aber vielmehr Abhängigkeit und Stereotype, so Buengeler.

Holismus steht für einen engagierten und zugleich reflektierten Umgang mit den ambivalenten Gefühlen hinsichtlich Allyship. Denn auch engagierte Allies handeln mitunter unbeabsichtigt bevormundend oder finden Allyship beschwerlich. Aber anstatt sich der Verantwortung zu entziehen, begegnen diese Männer den Herausforderungen mit Flexibilität und Engagement. Langfristig überwiegen laut der Analyse bei diesem Bewältigungsstil die Vorteile für Frauen, Organisationen und die Männer selbst.

Buengeler und Kark arbeiten interne und externe Impulse heraus, die Allyship fördern, genauso wie interne und externe Hindernisse, die Allyship entgegenwirken. „Allyship ist weder per se gut noch schlecht“, stellt Buengeler klar. Erst wer die Ambivalenz dahinter ernst nehme, verstehe, wann sie Gleichstellung voranbringt – und wann sie sie unterläuft. Die Bewältigungsstile sind ebenso wenig zementiert, sondern können sich verändern, auch abhängig davon, welche Reaktion auf welche Aktion oder Nicht-Aktion kommt.

Die Untersuchungen zeigen außerdem: Es ist wichtig, dass Männer sich ihrer Rolle in Sachen Gleichberechtigung bewusst werden. Denn: „Nicht-Handeln ist nicht neutral. Schweigen und Inaktivität stabilisieren bestehende Ungleichheit – gerade in Organisationen, in denen sie täglich reproduziert wird“, stellt Buengeler fest. Dieses Bewusstsein helfe auch Organisationen, hebt Buengeler hervor: Wer die Herausforderungen verstehe, vor denen Männer dabei stehen, könne Allyship gezielter ermöglichen – beispielsweise durch Trainings, positiven Kontakt, Vorbilder in Führungspositionen und ein inklusives Klima. Denn Allyship sollte nicht nur individualisiert werden. „Wenn der Blick nur darauf liegt, was einzelne Männer tun sollten, geraten die Strukturen aus dem Fokus, die Ungleichheit überhaupt erst erzeugen – Organisationskulturen, Belohnungssysteme, institutionalisierte Machtverhältnisse. Beides muss zusammen gedacht werden.“ Organisationen sind nicht nur Orte, wo sich Geschlechter-Ungleichheit deutlich zeigt und reproduziert wird, sondern auch Orte, wo sie effektiv angegangen werden kann.

Text: Lisa Pandelaki

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Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 8.95. Источник: www.uni-kiel.de.