Union Berlins Frauen wollen in die Top fünf und mittelfristig international spielen.
Unions neue Trainerin Marie-Louise Eta (35/l.) mit Top-Zugang Lisanne Gräwe (23)
Dieses Auftaktspiel knallt richtig: Am 21. August eröffnet Meister Bayern beim 1. FC Union Berlin die Saison. Die Berlinerinnen sind das aufstrebende Team der Frauenfußball-Bundesliga. Kein anderer Verein ist so zielstrebig auf Erfolg und Entwicklung ausgerichtet. Das ärgert viele Konkurrenten. SPORT BILD zeigt die Pläne der Köpernickerinnen.
Union-Ziel sind die Top fünfFür diese Saison gibt Geschäftsführerin Jennifer Zietz (42) die „Top 5“ als Saisonziel aus – im zweiten Jahr nach dem Aufstieg. Im Gespräch mit SPORT BILD sagt sie: „Unser Ziel ist, weiter nach oben zu kommen. Wir wollen in die Spitze. Unser Engagement und Investment zielen darauf ab, dass wir international spielen.“
Dafür hat Union einen starken Kader zusammengestellt. Im Sommer kamen mit Lisanne Gräwe (23) und Jella Veit (21) zwei Nationalspielerinnen aus Frankfurt. Dazu die belgische Nationalspielerin Jill Janssens (22/aus Hoffenheim) und die schweizerische Auswahlspielerin Leela Egli (19/Freiburg). „Ich möchte, dass möglichst viele Spielerinnen erleben können, an der Alten Försterei zu spielen und unter Top-Bedingungen zu trainieren“, sagt Zietz. Und: „Ich möchte, dass die Liga gute Fußballerinnen behält. Deshalb schrecken wir auch vor Namen nicht zurück.“
Union kontaktiert prominentere Spielerinnen, kassiert dabei Absagen, weil der Verein noch nicht in der Champions League spielt. „Viele Spielerinnen, die wir ansprechen, möchten sich sportlich verbessern. Sie wollen Erfolg. Spielerinnen möchten nicht fünf Jahre lang auf demselben Tabellenplatz hängenbleiben“, sagt Zietz. „Wir geben ihnen eine Perspektive, Schritte zu gehen. Wir müssen auf dem Platz liefern, um dann weitere gute Spielerinnen ansprechen zu können.“ Dabei muss sich die ehrgeizige Managerin selbst bremsen. „Es braucht Zeit, aber wir sind sehr ungeduldig“, sagt sie.
Unions Frauenfußball-Chefin Jennifer Zietz (42) und Präsident Dirk Zingler (61)
Seitdem Zietz vor drei Jahren zu Union kam, hat der Frauenfußball dort Riesenschritte gemacht. Sie erinnert sich: „Damals wurde mir gesagt, dass Union den Frauenfußball professionalisieren und irgendwann auch international spielen möchte.“ Die Ansage wurde immer wieder mit Taten untermauert. Schon in der Regionalliga machte Union die Spielerinnen zu Profis, hatte festangestellte Trainer und Physiotherapeuten, ließ die Frauen mit ins Nachwuchsleistungszentrum einziehen. „Es gab einige Abteilungen, die dadurch zurückstecken mussten. Und dennoch haben uns alle unterstützt“, sagt Zietz und sieht das exemplarisch für den Geist im Klub: „Man spürt in diesem Verein, dass es alle gut finden, dass Frauen die gleiche Bühne bekommen wie Männer.“
Daher spielten die Frauen bald auch im Stadion An der Alten Försterei. Inzwischen haben sie dort den besten Zuschauerschnitt der Liga (8200). Ende des Jahres ziehen die Frauen in ein neues Profi-Leistungszentrum, das ein Sinnbild für gleiche Bedingungen ist. Denn die Trakte der Profi-Frauen und ‑Männer sind komplett gleich aufgebaut. „Wir haben sehr gute Rahmenbedingungen. Es gibt viele Spielerinnen, die zu uns kommen und sagen: Das habe ich in meinem Bundesliga-Verein nicht so“, sagt Zietz.
Auch eine wichtige Entscheidung: Marie-Louise Eta (35) ist neue Cheftrainerin. „Sie hat selbst gespielt, hat bei den Männern ausgeholfen. Wie wichtig sie für den Verein ist, welchen Stellenwert sie bei den Fans hat, sieht jeder“, sagt Zietz. „Sie ist stark in die Kaderplanung eingebunden, sie spricht mit potenziellen neuen Spielerinnen. Es gibt Spielerinnen, die sich für uns entschieden haben, weil sie mit ihr arbeiten wollen.“
Das neue Funktionsgebäude der Frauen- und Männer-Profis von Union
All diese Schritte kosten Geld, das der Frauenfußball selbst noch nicht einspielen kann. „Das Geld kommt vom Verein“, sagt Zietz, die im Präsidium sitzt. Bei Union fließt mehr in den Frauenfußball als anderswo, was in der Liga auch auf Kritik stößt. Der Vorwurf: Union mache die Preise kaputt.
Zietz wehrt sich vehement. „Ich finde es schwierig, dass es immer heißt, Spielerinnen kommen zu Union, weil sie hier mehr Geld bekommen. Das stimmt nicht. Sie kommen wegen des Gesamtkonzepts und der Wertschätzung in allen Bereichen“, sagt Zietz – und fragt: „Warum dürfen wir Frauen nicht fair bezahlen? Fragen wir doch lieber mal die Vereine, die ihre Spielerinnen nicht fair bezahlen, die sie nicht versichern, obwohl sie jeden Tag auf dem Platz stehen. Fragen wir diejenigen, die ihre Frauen 40 Stunden arbeiten lassen, davon 20 Stunden im Leistungssport. Ich gehe ins Büro und arbeite am Computer. Aber die Spielerinnen müssen bei jedem Wetter mental und körperlich fit sein.“
Union ist auch das Thema „Wertschätzung“ wichtig. Ein Beispiel dafür: Bei der Vertragsunterzeichnung von Gräwe kam Präsident Dirk Zingler (61) dazu. „Das ist nicht überall so. Er nimmt sich gern die Zeit, die Spielerinnen kennenzulernen, und möchte, dass wir noch mutiger sind. Er sagt, wir sollen lauter sein und uns nicht kleinmachen“, so die Managerin, die ergänzt: „Ich sehe uns in vielen Belangen als Vorreiter und hoffe, dass wir andere mitziehen.“
Bei der Saisoneröffnung am 9. August gegen Inter Mailand (0:1) kam Zingler extra aus dem Trainingslager der Herren-Profi-Mannschaft in Irdning (Österreich) angereist.
Zingler widerspricht, dass die Frauen lediglich von den Einnahmen der Profi-Herren-Abteilung leben würden: „Das ist nicht unsere Denkweise und sie ist vollkommen falsch. Ich habe als Klub Gesamteinnahmen. Und die teilen wir auf für verschiedene Projekte. Für die Infrastruktur, den Nachwuchs, die Frauen und die Männer sowie für die Sportförderung. Es geht um die Gesamtentwicklung des Vereins. Unser Ökosystem heißt 1. FC Union Berlin.“
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