Würden Sie sich trauen, sich auf eine Bank zu setzen und einen Fremden um eine Mitfahrt zu bitten?
Bernaus Bürgermeister André Stahl (Die Linke) hat es selbst ausprobiert. Er setzte sich auf eine der neuen Mitfahrbänke seiner Stadt, stellte ein Schild neben sich und wartete darauf, dass ihn ein Autofahrer einsammelt. Es hielt niemand.
Drei Bänke, 700 Einwohner, ein BusDie Idee ist simpel: Wer keinen eigenen Wagen hat, setzt sich auf die Bank, zeigt mit einem Schild an, wohin er möchte, und wartet auf einen Autofahrer, der ihn mitnimmt. Genau dort, wo Bus und Bahn Lücken lassen.
In Bernau stehen dafür drei Bänke, angeschafft für rund 3800 Euro. Eine davon im Ortsteil Börnicke, der gerade einmal 700 Einwohner hat und über die Buslinie 908 mit dem Zentrum und der Nachbarstadt Werneuchen verbunden ist.

So soll es theoretisch aussehen: Wartende auf der Bank. Aber in der Realität floppt das Projekt bisher.Stadt Bernau
Ziel sei ein alternatives Angebot gerade in den Randzeiten, erklärt Stahl. Vor allem für die Menschen, die aus den Ortsteilen in die Stadt und wieder zurück wollen.
„Bis zum heutigen Tag“ hat der Ortsvorsteher niemanden gesehenIn Börnicke sieht man das nüchterner. Ortsvorsteher Matthias Jitschin berichtet, die Skepsis sei schon nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr aufgekommen. Bis heute würden die Bänke in seinem Ortsteil nicht nachgefragt. Er hat nach eigenen Worten niemanden auf der Bank sitzen, niemanden anhalten und niemanden jemand mitnehmen gesehen.
In Werneuchen läuft es seit Jahren genausoMan könnte meinen, das sei ein Anlaufproblem. Der Blick in die Nachbarstadt spricht dagegen: Werneuchen hat schon seit einigen Jahren Mitfahrbänke in seinen Ortsteilen, etwa in Weesow. Auch dort ist die Nachfrage überschaubar.

Auch in Werneuchen finden die Mitfahrbänke wenig Anklang.Steinach/Imago
Der Werneuchener Stadtverordnete Sebastian Gellert (Grüne) hält die Bänke trotzdem für ein gutes Zeichen. Wer in ein Dorf hineinfahre und eine Mitfahrbank sehe, dem werde etwas signalisiert: Hier leben Leute, die Mobilität solidarisch verstehen, und zwar auch für Fremde.
Pro: Was für die Mitfahrbank spricht
Contra: Was gegen die Mitfahrbank spricht
Stahl selbst nimmt den Fehlschlag sportlich. Das Prinzip müsse sich in der Stadt erst herumsprechen, sagt er, und den Versuch sei es allemal wert.

André Stahl, Bürgermeister von Bernau, findet die geringe Nachfrage nach den Mitfahrbänken halb so wild.dts Nachrichtenagentur/Imago
Und falls sich auf Dauer zeigen sollte, dass niemand das Angebot nutzt? Dann könne man die Mitfahrbänke eben einfach als Bänke nutzen. „Das wäre dann auch nicht so schlimm.“
Wie ist Ihre Meinung zu den Mitfahrbänken? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.
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