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Selbst der Bürgermeister fand keinen Fahrer an seinen neuen Mitfahrbänken

Дата публикации: 18-08-2026 07:16:12

Würden Sie sich trauen, sich auf eine Bank zu setzen und einen Fremden um eine Mitfahrt zu bitten?

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Bernaus Bürgermeister André Stahl (Die Linke) hat es selbst ausprobiert. Er setzte sich auf eine der neuen Mitfahrbänke seiner Stadt, stellte ein Schild neben sich und wartete darauf, dass ihn ein Autofahrer einsammelt. Es hielt niemand.

Drei Bänke, 700 Einwohner, ein Bus

Die Idee ist simpel: Wer keinen eigenen Wagen hat, setzt sich auf die Bank, zeigt mit einem Schild an, wohin er möchte, und wartet auf einen Autofahrer, der ihn mitnimmt. Genau dort, wo Bus und Bahn Lücken lassen.

In Bernau stehen dafür drei Bänke, angeschafft für rund 3800 Euro. Eine davon im Ortsteil Börnicke, der gerade einmal 700 Einwohner hat und über die Buslinie 908 mit dem Zentrum und der Nachbarstadt Werneuchen verbunden ist.

So soll es theoretisch aussehen: Wartende auf der Bank. Aber in der Realität floppt das Projekt bisher.

So soll es theoretisch aussehen: Wartende auf der Bank. Aber in der Realität floppt das Projekt bisher.Stadt Bernau

Ziel sei ein alternatives Angebot gerade in den Randzeiten, erklärt Stahl. Vor allem für die Menschen, die aus den Ortsteilen in die Stadt und wieder zurück wollen.

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„Bis zum heutigen Tag“ hat der Ortsvorsteher niemanden gesehen

In Börnicke sieht man das nüchterner. Ortsvorsteher Matthias Jitschin berichtet, die Skepsis sei schon nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr aufgekommen. Bis heute würden die Bänke in seinem Ortsteil nicht nachgefragt. Er hat nach eigenen Worten niemanden auf der Bank sitzen, niemanden anhalten und niemanden jemand mitnehmen gesehen.

In Werneuchen läuft es seit Jahren genauso

Man könnte meinen, das sei ein Anlaufproblem. Der Blick in die Nachbarstadt spricht dagegen: Werneuchen hat schon seit einigen Jahren Mitfahrbänke in seinen Ortsteilen, etwa in Weesow. Auch dort ist die Nachfrage überschaubar.

Auch in Werneuchen finden die Mitfahrbänke wenig Anklang.

Auch in Werneuchen finden die Mitfahrbänke wenig Anklang.Steinach/Imago

Der Werneuchener Stadtverordnete Sebastian Gellert (Grüne) hält die Bänke trotzdem für ein gutes Zeichen. Wer in ein Dorf hineinfahre und eine Mitfahrbank sehe, dem werde etwas signalisiert: Hier leben Leute, die Mobilität solidarisch verstehen, und zwar auch für Fremde.

Pro: Was für die Mitfahrbank spricht

  • Es kostet nichts. Kein Ticket, keine App, kein Konto.
  • Es funktioniert ohne Smartphone. Für Ältere ein echtes Argument.
  • Es schließt Lücken genau dort, wo abends und am Wochenende nichts mehr fährt.
  • Das Auto fährt ohnehin. Jeder Mitfahrer spart eine zusätzliche Fahrt.

Contra: Was gegen die Mitfahrbank spricht

  • Man steigt zu jemandem ins Auto, den man nicht kennt. Für viele ist genau das die Hürde.
  • Es gibt keine Garantie, dass jemand hält. Wer einen Termin hat, kann darauf nicht bauen.
  • Das System funktioniert nur, wenn genug Autofahrer mitmachen. In Börnicke tun sie es bisher nicht.
  • Bei Regen, Kälte oder Dunkelheit wird das Warten schnell ungemütlich.
Der Bürgermeister bleibt gelassen

Stahl selbst nimmt den Fehlschlag sportlich. Das Prinzip müsse sich in der Stadt erst herumsprechen, sagt er, und den Versuch sei es allemal wert.

André Stahl, Bürgermeister von Bernau, findet die geringe Nachfrage nach den Mitfahrbänken halb so wild.

André Stahl, Bürgermeister von Bernau, findet die geringe Nachfrage nach den Mitfahrbänken halb so wild.dts Nachrichtenagentur/Imago

Und falls sich auf Dauer zeigen sollte, dass niemand das Angebot nutzt? Dann könne man die Mitfahrbänke eben einfach als Bänke nutzen. „Das wäre dann auch nicht so schlimm.“

Wie ist Ihre Meinung zu den Mitfahrbänken? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.

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