Zum 65. Geburtstag nimmt sich George Clooney selbst aufs Korn – ihm werde Werbung für Seniorenwindeln angezeigt. Doch hinter dem Humor steckt eine ernste Botschaft.
George Clooney kommt zur AFI Fest-Premiere des Films «Jay Kelly» im TCL Chinese Theatre (Archivbild).
Foto: Chris Pizzello/Invision/dpa/Chris PizzelloWashington · Zum 65. Geburtstag nimmt sich George Clooney selbst aufs Korn – ihm werde Werbung für Seniorenwindeln angezeigt. Doch hinter dem Humor steckt eine ernste Botschaft.
Mit Selbstironie blickt George Clooney auf seinen 65. Geburtstag am Mittwoch. „Es ist erstaunlich“, sagt der Hollywoodstar - ihm werde inzwischen Online-Werbung für Seniorenwindeln angezeigt. Mit zunehmendem Alter nähmen die Wehwehchen eben zu, spottete Clooney, als er vor einigen Tagen den Chaplin-Preis für sein Lebenswerk in New York entgegennahm. Jeder Nieser sei „eine Art Glücksspiel“.
Dabei dürfte kaum jemand behaupten, der zweifache „Sexiest Man Alive“ sei schlecht gealtert: Wenige tragen das graue Haar so selbstbewusst wie der Hollywoodstar. Der mit der Krankenhausserie „Emergency Room“ bekannt gewordene Schauspieler hat sich über die Zeit zu einem angesehenen, politisch engagierten Künstler entwickelt. Er steht auch hinter der Kamera, schreibt Drehbücher und produziert Filme.
Geboren wurde Clooney am 6. Mai 1961 in Lexington im US-Südstaat Kentucky als Sohn eines Fernsehmoderators und einer Schönheitskönigin. Der Erfolg als Schauspieler ließ zunächst auf sich warten. Zehn Jahre lang schlug er sich mit kleinen Rollen durch, bevor ihm 1994 als Arzt Doug Ross in „Emergency Room“ der Durchbruch gelang. Er wurde zum Serienstar und Sexsymbol und bald auch im Kino erfolgreich.
Für seine erste große Leinwandrolle als Fledermausheld in „Batman & Robin“ erntete Clooney 1997 noch schlechte Kritiken. Viel Lob gab es dagegen im folgenden Jahr, als er einen charmanten Bankräuber in „Out of Sight“ an der Seite von Jennifer Lopez verkörperte. Zum Superstar wurde Clooney 2001 mit der Gangsterkomödie „Ocean's Eleven“, in der er zum Inbegriff amerikanischer Coolness wurde.
Im Laufe seiner Karriere legte Clooney sich ein breites Repertoire zu. Neben dem unwiderstehlichen Charmeur spielte er Klamauk-Figuren wie in der Komödie „Männer, die auf Ziegen starren“, aber auch moralisch zwiespältige Charaktere wie in dem Polit-Thriller „The Ides of March - Tage des Verrats“. Für die Verkörperung eines desillusionierten CIA-Agenten in dem Nahost-Thriller „Syriana“ gewann er 2006 einen Oscar als bester Nebendarsteller. Einen weiteren Oscar heimste er 2012 als Produzent für „Argo“ ein, der von der US-Geiselkrise im Iran 1979 handelt und als Bester Film ausgezeichnet wurde.
Sein Regie-Debüt gelang Clooney 2002 mit dem Drama „Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind“. Für den Schwarz-Weiß-Film „Good Night, and Good Luck“ (2005) über die Verfolgung von Kommunisten in der McCarthy-Ära der 1950er-Jahre wurde er für den Regie-Oscar und den Drehbuch-Oscar nominiert. Mit der Bühnenversion feierte Clooney bis vergangenen Sommer am Broadway Erfolge.
Viele von Clooneys Filmen sind politisch, er engagiert sich daneben aber auch privat. So unterstützt er die Demokratische Partei in den USA und sammelt Geld für wohltätige Zwecke. Wegen seines Engagements für die sudanesische Krisenregion Darfur wurde er 2008 zum UN-Friedensbotschafter ernannt.
Da passt es, dass Clooney - lange Zeit der begehrteste Junggeselle Hollywoods - 2014 die bekannte Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin heiratete. Im Jahr 2017 brachte Amal Clooney die Zwillinge Alexander und Ella zur Welt. Die Familie hat einen Wohnsitz auf einem früheren Weingut in Südfrankreich, an Silvester 2025 erhielten die Clooneys die französische Staatsbürgerschaft. Das veranlasste US-Präsident Donald Trump zu scharfer Kritik an der angeblich „katastrophalen Einwanderungspolitik“ Frankreichs.
Mit Trump kreuzt Clooney immer wieder verbal die Klinge. Erst im April warf der Schauspieler dem Präsidenten bei einer Veranstaltung seiner Clooney Foundation for Justice (Stiftung für Gerechtigkeit) vor, er plane ein „Kriegsverbrechen“ im Iran, nachdem Trump dem Land mit dem Auslöschen seiner Zivilisation gedroht hatte.
Ohne Trumps Namen zu nennen, richtete Clooney nun bei der Verleihung des Chaplin-Preises in Manhattan einen Appell an seine Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die USA müssten den Kampf „gegen Hass, Korruption, Grausamkeit und Gewalt“ gewinnen, sagte er. Wenn alle über Parteigrenzen hinweg zusammenhielten, könnten sie „die Wunden heilen und damit beginnen, Amerika wieder großartig zu machen“.