Eine neuartige UV-LED-basierte Fluoreszenzsonde, die das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen mit Industriepartnern und Anwendern erprobt, eröffnet neue Möglichkeiten für eine kontinuierliche Überwachung von Wasseraufbereitungsprozessen in Kläranlagen. Das 2D-Fluoreszenzmessverfahren generiert direkt vor Ort spektroskopische Daten im Klärbecken. Diese sind in Verbindung mit einer intelligenten Auswertesoftware der Schlüssel zu einer energie- und ressourceneffizienten Wasseraufbereitung. Auf der Münchener Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft IFAT 2026 wird diese neuartige Lichtquelle zusammen mit der Tauchsonde für die Inline-Wasseranalytik, erstmals öffentlich präsentiert.
Um Wasseraufbereitungsprozesse in Kläranlagen zu überwachen, setzen deren Betreiber bisher auf 24-Stunden-Mischproben. Diese werden über den Tagesverlauf kontinuierlich gesammelt und anschließend im Labor auf Summenparameter hin analysiert; wie z.B. die Gesamtmenge enthaltener organischer Kohlenstoffe (Total Organic Carbon; TOC), gelöste organische Kohlenstoffe (Dissolved Organic Carbon; DOC) oder die Menge an Sauerstoff, die der biologische aerobe Abbau organischer Inhaltsstoffe) verbraucht (Biological Oxygen Demand; BOD). Die Analyse der 24-Stunden-Mischproben erfolgt in der Regel in einem externen Analyselabor mittels nasschemischer Verfahren. Eine kontinuierliche Überwachung der Summenparameter wäre nicht nur im Hinblick auf die Qualität aufbereiteter Abwässer wünschenswert. Der laufende Aufbereitungsprozess könnte in Echtzeit kontrolliert und nachvollzogen werden, und der Anlagenbetreiber hätte die Möglichkeit, die Daten für Steuerungs- und Regelungsaufgaben nutzen. Damit ließen sich Einsparungen bei energieintensiven Schritten wie z.B. einer bedarfsgerechten Ozonierung realisieren.
© Fraunhofer ILT, AachenMulti-UV-LED-Lichtquelle mit 15 verschiedenen UV-LEDs zwischen 230 und 430 nm, angeschlossen an eine Fluoreszenz-Tauchsonde.
Neben der Transmissionsspektroskopie ist die Fluoreszenzspektroskopie ein analytisches Verfahren, das in Echtzeit Rückschlüsse auf die Abwasserzusammensetzung erlaubt. Es konnte gezeigt werden, dass die 2D-Fluoreszenzspektroskopie ein geeignetes Verfahren darstellt, um aus spektroskopischen Messwerten Rückschlüsse auf wichtige Summenparameter zu ziehen. Üblicherweise werden in kommerziellen Fluoreszenzspektrometern Xenon-Plasmalampen als Anregungslichtquelle eingesetzt. Diese haben eine typische Lebensdauer von nur 1500 – 2000 Stunden. Eine kontinuierliche Überwachung im Dauereinsatz ist für diese Art der Analytik daher bislang nicht etabliert. Ein Forschungsteam des Fraunhofer ILT legt aktuell das technologische Fundament, um eine kontinuierliche Abwasserüberwachung mittels 2D-Fluoreszenzspektoskopie real werden zu lassen. Das Herzstück hierfür ist eine neuartige UV-LED-basierte Lichtquelle, welche die begrenzte Lebensdauer der herkömmlichen Xenon-Plasmalampen umgeht. Bild 1 zeigt die neue Lichtquelle und eine über einen Lichtleiter angeschlossene Fluoreszenz-Tauchsonde, Bild 2 zeigt die Tauchsonde.
Die Entwicklung neuartiger UV-LEDs bis in den Spektralbereich unterhalb von 300 nm ist in den letzten Jahren schnell vorangeschritten; heute sind LEDs mit einer Emissionswellenlänge um 230 nm kommerziell verfügbar. Indem mehrere UV-LEDs zwischen 230 nm und 430 nm kombiniert werden, kann eine fast lückenlose Anregungsemission in diesem Spektralbereich realisiert werden. Durch Aktivierung jeweils nur einer LED ist die Anregungswellenlänge damit wähl- und veränderbar. Die hohen Lebensdauern der LEDs ermöglichen erstmals eine kontinuierliche Überwachung der Abwasserqualität in einem Inline-Messverfahren.
© Fraunhofer ILT, AachenDie am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen entwickelte 2D Fluoreszenzsonde für ein Inline Wasser- und Abwassermonitoring.
In der 2D-Fluoreszenzspektroskopie werden die untersuchten Stoffe mit UV-Licht angeregt und emittieren anschließend charakteristische Fluoreszenzstrahlung, die spektroskopisch analysiert wird. Indem die Anregungsstrahlung durchgestimmt wird, können verschiedene Fluoreszenzspektren erzeugt werden. Die Gesamtheit der verschiedenen Fluoreszenzspektren wird in einer zweidimensionalen Matrix mit der Anregungswellenlänge auf der x-Achse und der Fluoreszenzemission auf der y-Achse dargestellt. So entstehen 2D-Karten, welche die gesamten Fluoreszenzinformationen enthalten. Diese Anregungs-Emissions-Matrizen (Excitation-Emission-Matrices; EEM) visualisieren die detektierten Fluoreszenzintensitäten dabei durch eine Farbcodierung.
Verschiedene Inhaltsstoffe des Abwassers können so voneinander unterschieden werden. Dabei zeigen Proteine durch die enthaltenen aromatischen Aminosäuren Phenylalanin (PHE), Tyrosin (TYR) und Tryptophan (TRP) typischerweise Fluoreszenzemission bei Anregung zwischen 230 nm und 275 nm während Huminstoffe sich durch UV-Licht oberhalb von 300 nm anregen lassen. Bild 3 und Bild 4 geben die Fluoreszenzmessungen an zwei verschiedenen Wasserproben mit unterschiedlichem Aminosäure- / Huminstoffgehalt wieder.
© Fraunhofer ILT, AachenAnregungs-Emissions-Matrix einer Wasserprobe mit Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan. Gezeigt sind unkorrigierte Rohdaten.
© Fraunhofer ILT, AachenProbe des Ablaufs der Kläranlage Aachen-Soers mit Huminstoffen und langwelliger Fluoreszenz. Gezeigt sind unkorrigierte Rohdaten.
Mit Hilfe von multivariaten statistischen Verfahren wie zum Beispiel der Parallel Faktor Analyse (PARFAC) können die spektroskopischen EEM-Daten mit den gesuchten Summenparametern korreliert und ausgewertet werden. Dafür werden unterschiedliche Proben sowohl nasschemisch als auch spektroskopisch analysiert. Dadurch wird ein Datensatz für die Erstellung des mathematischen Modells zur Auswertung der 2D-Fluoreszenzspektren erzeugt. Mit diesem Ansatz könnten die für Steuerungs- und Regelungsaufgaben im Klärwerk wichtigen Summenparameter in Zukunft in Echtzeit und ohne die aufwändige nasschemische Analyse bereitgestellt werden. Durch das Zusammenspiel von Inline-Sensorik und multivariater Analyse wäre es trotz schwankender Abwasserzusammensetzungen dann möglich, Energie und aufwändig herzustellende Betriebsstoffe wie Ozon nur in dem Maße einzusetzen, wie es zum Einhalten der gesetzlichen Grenzwerte tatsächlich erforderlich ist. Auch die Unterscheidung verschiedener organischer Abwasserkomponenten wie Proteine oder Huminstoffe wäre möglich.
Es gibt bereits mathematische Modelle, die aus diesen Korrelationen auf die Werte der Summenparameter schließen. Wenn diese Modelle fortlaufend erhobene Inline-Messdaten verarbeiten, die die Tauchsonden liefern, wird die Analysegenauigkeit perspektivisch immer weiter zunehmen. Betreiber bekämen so Inline-Zugriff auf den Status ihrer Wasseraufbereitungsprozesse und könnten die Betriebsstrategien entsprechend anpassen.
Interessierte sind herzlich eingeladen, sich auf der IFAT 2026 am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft (Halle B2, Stand 115) eingehend über das neue 2D Fluoreszenzmessverfahren und dessen Einsatzpotenzial zu informieren.
In zwei laufenden Forschungsprojekten mit Partnern aus Industrie und Forschung werden die beschriebenen Technologien am ILT entwickelt:
Im Projekt SAHEP (Ausschreibung des Landes NRW: GreenEconomy.IN.NRW, EFRE/JZF) wird gemeinsam mit der Firma Bühler Technologies die neuartige UV-Lichtquelle entwickelt.
Im BMFTR-Förderprojekt AIX-Watch (RUBIN-Netzwerkprojekt AIX-Net-Wastewater Reuse and Recycling) wird die 2D Fluoreszenz-Messmethodik weiterentwickelt und unter Realbedingungen zu erprobt. Mehrere Partner aus Industrie und Forschung im Raum Aachen sind hieran beteiligt. Das mittelfristige Ziel ist es, die Steuerung und Regelung von Kläranlagen auf Basis der fortlaufenden Inline-Messungen zu optimieren.