Die Zahlen sinken, das Risiko nicht: Im Saarland gibt es deutlich weniger Herzinfarkte als noch 2017. Trotzdem bleiben Herzkrankheiten die häufigste Todesursache – und Frauen trifft eine späte Diagnose besonders hart.
Saarbrücken · Die Zahlen sinken, das Risiko nicht: Im Saarland gibt es deutlich weniger Herzinfarkte als noch 2017. Trotzdem bleiben Herzkrankheiten die häufigste Todesursache – und Frauen trifft eine späte Diagnose besonders hart.
15.05.2026 , 19:55 Uhr
Eine ältere Frau misst ihren Blutdruck. Bluthochdruck gilt als einer der Risikofaktoren für Herzinfarkte. Auch wenn die Zahlen im Saarland zurückgehen: Viel mehr Männer als Frauen werden mit einem Herzinfarkt diagnostiziert – ein potenziell tödlicher Unterschied.
Foto: IMAGO/Zoonar/IMAGO/Zoonar.com/Natalia XimichRund 2.500 Menschen im Saarland wurden 2024 mit einem Herzinfarkt in saarländische Kliniken eingeliefert. Nach aktuellen Daten der Krankenkasse AOK ist das ein klar positiver Trend: Seit 2017 sank die Zahl der Fälle um mehr als ein Viertel (von damals rund 3.400). Dieser Trend gilt ist deutschlandweit zu beobachten. Die Zahl der Menschen, die durch einen Infarkt sterben, hat sich in Deutschland seit der Jahrtausendwende halbiert, sagt beispielsweise das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung – und trotzdem bleiben Herzkrankheiten die häufigste Todesursache. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen bleibt ebenfalls auffällig hoch.
Im Saarland erlitten im Jahr 2024 350 von 100.000 Einwohnern einen Herzinfarkt, das zeigt die Auswertung für den Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Das Saarland belegt damit im Bundesvergleich Platz vier. Herzkrankheiten zählen laut dem aktuellsten Deutschen Herzbericht weiterhin zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die Daten erfassen Menschen ab dem 30. Lebensjahr, besonders Ältere sind von der Erkrankung betroffen. Im Saarland erleiden die Männer am häufigsten im Alter zwischen 85 und 89 Jahren einen Infarkt, Frauen sind ab 90 Jahren am meisten gefährdet.
Die Gründe für den massiven Rückgang sind nicht eins zu eins auszumachen. Die Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Martina Niemeyer, führt den positiven Trend auf Lebensstilveränderungen zurück, immer weniger Menschen rauchen beispielsweise. Auch die verbesserte medizinische Behandlung spiele eine Rolle, sind sich Experten in aktuellen Auswertungen einig. Der Deutsche Herzbericht deutet zudem auf eine höhere Versorgungsqualität hin: 2023 gab es im Saarland einen Herzchirurgen mehr als 2019. Nur in Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt ist die Dichte mit Herzchirurgen höher. Die Kardiologenzahl ist dagegen rückläufig.
Zwar seien die sinkenden Infarktzahlen ein erfreulicher Trend. „Allerdings besorgt uns die im Vergleich zu 2017 leicht negative Entwicklung bei Erkrankungen, die wichtige Risikofaktoren für das Auftreten von Herzinfarkten sind. So zeigt der Gesundheitsatlas einen Anstieg bei den Diabetes-Erkrankungen und bei Bluthochdruck“, sagt die AOK-Vorstandschefin. Den verantwortlichen Akteuren vor Ort, die an Maßnahmen zur Prävention dieser Erkrankungen arbeiten, biete der Gesundheitsatlas eine verlässliche Datenbasis bis auf die Ebene der Kreise, so Niemeyer.
Vergleicht man die Landkreise im Saarland, so wurden 2024 die meisten Herzinfarkte im Landkreis Neunkirchen registriert (460 je 100.000 Menschen). Auf Rang zwei lag der Kreis St. Wendel (390 je 100.000), Rang drei Merzig-Wadern (370), Rang vier der Saarpfalz-Kreis und der Regionalverband Saarbrücken (320). Die wenigsten Infarkte wurden nach der AOK-Auswertung im Kreis Saarlouis gezählt (300 je 100.000 Menschen).
Die Statistiken zeigen auch: Immer weniger Infarkte werden in den Kliniken erfasst und stationär versorgt. Es ist jedoch nur von einer geringen Dunkelziffer an Menschen auszugehen, die einen Infarkt erleiden, der weder in den Daten der AOK, noch des saarländischen Gesundheitsministeriums auftaucht, deren Zahlen im Übrigen zur neuesten Auswertung der AOK passen. Die Gründe laut Gesundheitsministerium: Herzinfarkte seien diagnostisch meist eindeutig, und selbst reanimierte Patientinnen und Patienten würden in der Statistik erfasst.
Trotz allgemeinem Postivtrend warnt die AOK: Besonders bei Frauen werde ein Herzinfarkt oft nicht als solcher erkannt. Laut dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung haben Frauen deshalb ein 1,5-mal höheres Risiko als Männer, an den Folgen zu sterben. Die Geschlechterunterschiede sind auch im Saarland deutlich: 2024 wurden 1.600 Infarkte bei Männern und 910 bei Frauen dokumentiert – obwohl es im Saarland mehr Frauen als Männer gibt. Die AOK führt das nicht nur auf unterschiedliche Lebensstile oder biologische Faktoren zurück, sondern auch darauf, dass die Symptome unterschiedlich sind und bei Frauen seltener erkannt werden – und warnt vor Spätfolgen von unentdeckten Infarkten.
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