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Klage gegen Lieferdienste in Frankreich: 63 Stunden die Woche für 900 Euro

Дата публикации: 24-04-2026 14:05:00

Eine französische NGO verklagt die Lieferdienste Uber Eats und Deliveroo wegen der illegalen Ausbeutung ihrer schutzlosen Lieferfahrer. mehr...

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Eine französische NGO verklagt die Lieferdienste Uber Eats und Deliveroo wegen der illegalen Ausbeutung ihrer schutzlosen Lieferfahrer.

Ein Lieferfahrer auf einer Straße „Ausbeutung der prekären Arbeitskraft“. Ein Fahrer des Lieferdienstes Uber Eats in Paris

Foto: Sarah Meyssonnier/reuters

Vier sozial engagierte Hilfsorganisationen haben in Paris wegen „moderner Sklaverei“ und „Menschenhandel“ Strafanzeigen gegen die Lieferdienste Uber Eats und Deliveroo eingereicht. Die von diesen beschäftigten Lieferanten, die meist mit Mieträdern von Fastfood-Buden oder Restaurants Essen und andere bestellte Dinge ins Haus bringen, sind nicht reguläre Arbeitnehmer mit allen Rechten und dem in Frankreich üblichen sozialen Schutz. Ihr Status ist in der Grauzone eines frei Erwerbstätigen, der aber dennoch völlig abhängig von einem einzigen Auftraggeber ist. Ist das legal? Für die klagenden NGOs ist das ebenso unklar wie die Realität der vertraglichen Rechte der Lieferanten.

Das Wirtschaftsmodell der US-amerikanischen Plattform Uber Eats und des britischen Konkurrenten Deliveroo „beruht auf einer Ausbeutung der prekären Arbeitskraft von zumeist Immigrierten mit unwürdigen Bedingungen und Einkommen“, erklärte Thibault Laforcade, der Anwalt der klagenden Organisationen, der Agentur AFP. Nur dank dieser skandalösen Arbeitsbedingungen für die schutzlosen Lieferanten könnten die Internetplattformen ihre „sehr bedeutenden Gewinne erzielen“. Die Zahl der von ihnen Beschäftigen wird in Frankreich auf annähernd 100.000 geschätzt.

Dass es nicht übertrieben sei, von einer Form von Sklaverei und von Menschenhandel zu reden, belegt eine Studie des humanitären Hilfswerks Médecins du Monde (MdM). Derzufolge sind die Lieferanten im Durchschnitt 63 Stunden pro Woche im Einsatz. Die meisten verdienen damit weniger als 900 Euro im Monat, nur wenige erzielen mehr als 1.500 Euro. Vom gesetzlichen Mindestlohn in Frankreich (1.443 Euro netto pro Monat bei der 35-Stunden-Woche) können sie nur träumen.

Bei einer polizeilichen Kontrolle droht vielen von ihnen die Abschiebung. Da rund zwei Drittel von ihnen keine Papiere (Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung) haben und auch noch einen Account eines Bekannten „mieten“ müssen, sind sie besonders schutzlos und ausgebeutet. Und auch besonders allen möglichen Risiken ausgesetzt: 6 von 10 der von MdM Befragten hatten schon Unfälle, 3 von 4 wurden dabei verletzt.

Zwar sieht zum Beispiel Uber eine kostenlose Versicherung für medizinische Pflege vor, doch ohne gültige Papiere werden diese „Sozialleistungen“ theoretisch. Zudem ist nach Darstellung der Klagenden das System der Erteilung der Aufträge und deren Bezahlung „undurchsichtig“. Sie erheben den Verdacht einer „Diskriminierung“.

Diesen Alltag hatte der 2024 gedrehte französische Spielfilm „Souleymans Geschichte“ dargestellt. Der Film war im Kino ein Publikumserfolg. Wer hätte gedacht, dass ein solches Sozialdrama mit seiner Anklage der kapitalistischen Ausbeutung auch bei der Filmkritik und beim mondänen Festival in Cannes ankommen würde und sogar das Herz der Staatsführung erweichen könnte?

Der aus Guinea illegal eingereiste und in Cannes preisgekrönte Hauptdarsteller Abou Sangaré hat dank seines Filmruhms 2025 seine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Doch die Lage aller wirklichen „Souleymans“ hat sich nicht geändert. Daran soll die Klage der NGO erinnern.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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