Noch vor wenigen Jahren rannten Investoren Mobilitäts-Start-ups die Bude ein. Die Zeiten sind vorbei, die Zahl der Finanzierungsrunden ist 2024 auf ein Rekordtief gefallen. Doch wer Geldgeber heute noch überzeugt, profitiert womöglich stärker als früher.
Noch vor wenigen Jahren rannten Investoren Mobilitäts-Start-ups die Bude ein. Die Zeiten sind vorbei, die Zahl der Finanzierungsrunden ist 2024 auf ein Rekordtief gefallen. Doch wer Geldgeber heute noch überzeugt, profitiert womöglich stärker als früher.
06.02.2025, 17.07 Uhr
Gefragt, gejagt: Technik für automatisiertes Fahren zog 2024 viel Geld an
Foto: JasonDoiy / Getty ImagesMobilitäts-Start-ups haben immer größere Probleme, Investoren zu finden. Die Zahl der Finanzierungsrunden war 2024 laut einer Analyse der Beratung Oliver Wyman, die dem manager magazin vorab vorliegt, auf dem niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Wer Geldgeber mit Mobilitätskonzepten überzeugt, kann auf größere Finanzspritzen denn je hoffen.
„Es ist extrem schwierig geworden, einfach nur eine Idee zu verkaufen“, sagt Oliver-Wyman-Experte Andreas Nienhaus. „Dafür ist Geld aktuell zu teuer.“
Das war vor wenigen Jahren noch ganz anders: 2021 erreichte die Mobilitäts-Hausse ihren Höhepunkt mit 1367 Finanzierungsrunden. Seitdem wurde es Jahr für Jahr weniger, 2024 waren es mit 696 Runden beinahe nur noch halb so viele. „Bei den Investoren ist deutlich mehr Realismus eingekehrt“, sagt Steffen Rilling, der bei Oliver Wyman ebenfalls auf Mobilitätsthemen spezialisiert ist. „Wer Profitabilität nicht zumindest in Aussicht stellen kann, wird ausgeklammert.“
Zu schlecht waren wohl die Erfahrungen mit reinen Wetten auf Mobilitätsfirmen. Manche endeten im Desaster, auch aus deutscher Sicht: E-Scooter-Verleiher Tier Mobility zum Beispiel, der 2021 noch 200 Millionen Dollar eingesammelt hatte, verschwand 2024 als Marke, vorhergegangen war eine Notfusion mit dem Konkurrenten Dott. Oder das Flugtaxi-Start-up Volocopter, Anfang 2022 nach einer 150-Millionen-Euro Runde noch mit 1,5 Milliarden Euro gewertet, rutschte kurz vor dem jüngsten Jahreswechsel in die Insolvenz.
„Investoren haben ihre Portfolios mit teilweise maßlos überbewerteten Mobilitätsplayern aufgeräumt“, sagt Nienhaus. Dadurch stehe aber auch wieder Geld zur Verfügung. Mit 54 Milliarden US-Dollar steckten Investoren zwar immer noch deutlich weniger in Mobilitäts-Start-ups als im Rekordjahr 2021 (88 Milliarden Dollar). Mit Blick auf die zurückliegenden Jahre reichte die Summe aber für Platz zwei.
Betrachtet man die Größe der einzelnen Finanzierungsrunden, war das Jahr 2024 sogar bislang unübertroffen: 78 Millionen US-Dollar wurden der Studie zufolge im Schnitt investiert. Den Geldgebern sei klar geworden: „Man muss immense Summen investieren, um im Mobilitätssektor ein ordentliches Geschäft aufzubauen“, so Nienhaus.
Hoch im Kurs standen bei Investoren im vergangenen Jahr vernetztes und autonomes Fahren. Mit 18,2 Milliarden Dollar floss der Analyse zufolge mehr als doppelt so viel Geld in entsprechende Projekte wie noch 2023 (+103 Prozent). Auch dabei kehre immer mehr Realismus ein, sagt Wyman-Berater Rilling: „Es muss nicht gleich das vollautonome Robotaxi sein. Auf dem Weg dorthin gibt es viele Anwendungsfälle, die auch für Investoren interessant sind.“
Autonomes Fahren ist gefragt, Europa kaumWeniger Geld als noch im Vorjahr gaben Investoren dagegen für „Nachhaltige Mobilität“ aus, worunter beispielsweise die Elektromobilität fällt. Mit 19,6 Milliarden Dollar ging die Finanzierung in jenem Bereich im Vergleich zu 2023 um mehr als ein Fünftel zurück. Mehrere asiatische Hersteller hätten im Jahr zuvor größere Summen eingesammelt, in Nordamerika und Europa bereite derweil die stockende Entwicklung bei den Verkaufszahlen von Elektroautos Sorgen, begründen die Studienautoren den Rückgang.
Aus regionaler Sicht waren US-Mobilitätsfirmen die klaren Gewinner des vergangenen Jahres. Mit 30,1 Milliarden Dollar sammelten sie mehr als die Hälfte des globalen Wagniskapitals in dem Sektor ein und 10 Milliarden Dollar mehr als 2023. In Asien sanken die Investitionen dagegen um 5 Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar. Europa konnte mit 6,9 Milliarden Dollar gegenüber dem Jahr zuvor zwar leicht zulegen (+5 Prozent), bleibt in absoluten Zahlen aber weit hinter der globalen Konkurrenz zurück.
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