Viele Autozulieferer stecken weiter tief in der Krise. Das hat viel mit China zu tun – im Ranking der größten 100 Zulieferer der Welt entert erstmals ein chinesisches Unternehmen das Treppchen. Für deutsche Lieferanten sieht es düster aus.
Die Mehrheit der 100 größten Autozulieferer der Welt ist weiter auf Schlingerkurs. Selbst steigende Produktionszahlen halfen zuletzt nicht: 2025 wurden global 92,9 Millionen Autos gebaut, 4 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Trotzdem schrumpften laut einer Analyse der Beratung Berylls by Alixpartners bei 62 der 100 Top-Lieferanten die Umsätze.
Ungünstige Wechselkurse, eine schwächere Nachfrage nach Elektroautos außerhalb Chinas, immer mehr geopolitische Spannungen, schwankende Abrufe oder verschobene Anläufe – das Umfeld, in dem sich Autozulieferer bewegen, ist weiter toxisch. Die Folgen sind Überkapazitäten und teils hohe Sonderabschreibungen. Das schlägt nicht nur auf die Umsätze, viele Zulieferer leiden auch unter miesen Renditen; die durchschnittliche Marge in der Szene sank von 5,8 Prozent im Jahr 2024 auf 5,2 Prozent.
Befeuert wird die Entwicklung durch den Aufstieg der chinesischen Autoindustrie in den vergangenen Jahren. Deutlich niedrigere Erzeugerpreise als etwa in Deutschland oder den USA verschaffen chinesischen Unternehmen drastische Kostenvorteile. Gepaart mit einem hohen Innovationstempo, etwa beim autonomen Fahren oder softwarebasierter Mobilität, setzt China die internationale Konkurrenz mehr und mehr unter Druck. „Die Dynamik der Branche wird zunehmend von chinesischen Unternehmen bestimmt“, sagt Berylls-Partner Alexander Timmer.
Beim Umsatzanteil der größten Lieferanten liegt China inzwischen gleichauf mit den USA. Während andere Zulieferer in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um knapp 6 Prozent jährlich wuchsen, legten chinesische Firmen im Schnitt um 16 Prozent zu. Mit CATL enterte im 2025 erstmals ein chinesischer Lieferant das Treppchen im Top-100-Ranking, nur Bosch und Denso fuhren höhere Umsätze ein.
Auslaufmodell DeutschlandDamit ist zwar weiter ein deutscher Autozulieferer der größte überhaupt. Insgesamt sind die Aussichten für die hiesige Branche aber düster. In den vergangenen acht Jahren seien in der deutschen Autoindustrie bereits etwa 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, sagt Berylls-Partner Jan Dannenberg. „Dieser Trend ist in den nächsten Jahren nicht aufzuhalten“, glaubt der Experte.
Standorte würden weiter aus Deutschland verlagert, „wir sprechen mittlerweile von einer Reduktion der Wertschöpfung von 20 bis 25 Prozent“, so Dannenberg. Gerade Mittelständler ohne Zugang zu internationalen Märkten leiden. Grund zur Hoffnung sieht Dannenberg kaum. Banken und Fremdkapitalgeber seien weiter zurückhaltend, zudem erhöhten die Automobilhersteller den Druck auf die Lieferanten, da sie selbst unter den vielen Krisen leiden. „Die nächsten drei bis fünf Jahre werden bitter für die deutsche Zulieferindustrie“, fürchtet der Berater.
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