Neue Hoffnungen auf eine Einigung zwischen den USA und Iran haben den Dax am Freitag gestützt. Papiere von Infineon und DHL waren besonders gefragt. Auch an den US-Börsen geht es aufwärts.
Die Anleger sind am Freitag mit Blick auf den Irankrieg optimistisch geblieben. Mit einem Anstieg um 1,2 Prozent auf 24.888 Punkte besiegelte der Dax eine sehr starke Woche, in der er sein Plus auf fast 4 Prozent ausbauen konnte. Die Hürde von 25.000 Zählern war jedoch erneut zu hoch, auch wenn der deutsche Leitindex zeitweise bis auf 56 Punkte an die runde Marke heranrückte. Der MDax der mittelgroßen Werte ging 1 Prozent höher mit 32.108 Zählern ins Wochenende.
„Offenbar glauben die Börsen nicht mehr an eine erneute Eskalation der Kampfhandlungen am Persischen Golf“, schrieb LBBW-Stratege Berndt Fernow. Es zeichne sich zwar keine nachhaltige Friedenslösung ab, aber eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen werde auch unwahrscheinlicher. Nach dem Mittag stützte auch die Aussage aus dem Iran, dass in den vergangenen 24 Stunden 35 Schiffe die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus passiert haben sollen.
Ein Thema am Gesamtmarkt blieb auch die globale Tech-Rally, die sich zuletzt etwas von der US-Börse Nasdaq auf die Märkte in Fernost und Europa verlagert hat. In Deutschland gelang den Infineon-Titeln der erste Sprung des Kurses über die 70-Euro-Marke seit dem Jahr 2000. Ein Plus von 5,3 Prozent hievte die Titel des Chipkonzerns einmal mehr an die Dax-Spitze.
Infineon auf den Fersen waren die DHL-Aktien, die von der Deutschen Bank zum Kauf empfohlen wurden. Harishankar Ramamoorthy betonte dabei die Stärke im Express-Geschäft. In einem unsicheren konjunkturellen und geopolitischen Umfeld profitiere der Logistiker von Selbsthilfemaßnahmen, einem guten Netzwerk und herausragender Preissetzungsmacht. Der Analyst sieht den Zyklus für sinkende Gewinnschätzungen vor seinem Ende.
Adidas und Puma gefragtAnziehende Kurse gab es noch im Sportartikelbereich, aus dem Adidas um 4,2 Prozent anzogen und Puma sogar um 7 Prozent. Am Markt wurde die näher rückende Fußball-WM thematisiert. Die Puma-Titel schlossen eine Kurslücke, die im März 2025 enttäuschende Zielsetzungen aufgerissen hatten. Bei dem MDax-Mitglied lobten zuletzt auch Stimmen die umfangreiche Restrukturierung.
Verluste gab es bei einigen Chemiewerten, die zuletzt von Anlegern als Profiteur der Verwerfungen im Zuge des Nahostkriegs gegolten hatten. Daraufhin mehren sich neuerdings die Abstufungen. Gleich zwei davon gab es von JPMorgan und Goldman Sachs für Lanxess. Die Aktien sackten ab, auch wenn man den Kurs um die Auszahlung einer geringfügigen Dividende bereinigt.
Mit einer fortgesetzten Kursrally machten die Anteile von Delivery Hero auf sich aufmerksam. Die Gewinnserie bei dem Essenslieferdienst dehnt sich am Freitag mit einem weiteren Anstieg um 2,3 Prozent bereits auf zehn Tage aus. Seit dem Rekordtief im März hat sich der Kurs schon mehr als verdoppelt. Getragen ist dies von der Hoffnung auf eine strategische Wende.
Die US-Börsen sind am Freitag mit weiteren Gewinnen in den letzten Handelstag vor dem langen Wochenende gestartet. Beim Leitindex Dow Jones Industrial reichte es sogar für ein Rekordhoch. Die Aktienkurse profitierten von den hartnäckigen Hoffnungen auf eine friedliche Beendigung des Irankriegs, zuletzt eher robusten Konjunkturdaten sowie der anhaltenden Euphorie mit Blick auf das Mega-Thema künstliche Intelligenz (KI).
Im frühen Handel ging es für den Leitindex Dow Jones Industrial um 0,6 Prozent auf 50.588 Punkte hoch. Der marktbreite S&P 500 legte um 0,7 Prozent auf 7493 Punkte zu, womit seine Bestmarke wieder in Reichweite kommt. Ähnlich sieht es beim technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 aus, der ebenfalls um 0,7 Prozent auf 29.573 Punkte vorrückte. Auf Wochensicht zeichnen sich für Dow und Nasdaq 100 Kursgewinne von 2,1 beziehungsweise 1,5 Prozent ab.
Die Ölpreise haben im frühen Handel zugelegt, nachdem sie zuvor stark gefallen waren. Die widersprüchlichen Signale zu den Verhandlungen über ein Ende des Nahostkriegs verunsichern die Anleger. Die Preise bleiben jedoch deutlich über dem Vorkriegsniveau. Es wird erwartet, dass sie auch bei einer Beilegung des Konflikts hoch bleiben werden.
Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 104,25 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 1,2 Prozent fester bei 97,49 Dollar.
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