Früher galt das Tragen einer Sonnenbrille beim Date als unhöflich. Jetzt könnte die klassische Ray-Ban wieder zum Warnsignal werden. Denn hinter den Gläsern stecken inzwischen eine Kamera, Mikrofone und KI. Und damit verändern sie unseren Umgang mit Menschen.
18.09.2026 · 18:31 Uhr
Eine Frau trägt eine Datenbrille von Ray Ban (Symbolbild).
Foto: Christoph Dernbach/dpa/Christoph DernbachKolumne | Düsseldorf · Früher galt das Tragen einer Sonnenbrille beim Date als unhöflich. Jetzt könnte die klassische Ray-Ban wieder zum Warnsignal werden. Denn hinter den Gläsern stecken inzwischen eine Kamera, Mikrofone und KI. Und damit verändern sie unseren Umgang mit Menschen.
Meta Glasses können Fotos und Videos aufnehmen und diese in Echtzeit verarbeiten. In den USA haben sie deshalb bereits den wenig schmeichelhaften Spitznamen: „Creep Glasses“. Frei übersetzt: die Stalker-Brille.
Interessant ist dabei nicht die Technik. Kameras tragen wir schließlich seit Jahren mit uns herum. Der entscheidende Unterschied ist, dass ein Smartphone sichtbar ist. Wer es hebt, signalisiert: Jetzt wird fotografiert. Man kann widersprechen oder weggehen. Smart Glasses nehmen uns die Entscheidungsfreiheit. Plötzlich genügt ein Blick ins Gesicht nicht mehr. Man fragt sich unweigerlich: Schaut mich diese Person gerade an oder zeichnet sie mich auf?
Jede neue Technologie verändert irgendwann unsere Umgangsformen. Smarte Brillen könnten unser Vertrauen im direkten Miteinander verändern. Noch sind sie in Deutschland ein Nischenprodukt. Das dürfte daran liegen, dass Datenschutz hierzulande traditionell einen höheren Stellenwert hat als in anderen Ländern. Doch wer glaubt, das Thema werde deshalb an uns vorbeiziehen, dürfte sich täuschen. Die Geräte werden günstiger, leistungsfähiger und vor allem unauffälliger. Was heute noch wie ein Gadget für Technikfans wirkt, könnte schnell so selbstverständlich sein wie kabellose Kopfhörer. Das lässt viele Fragen aufkommen: Brauchen wir eine blinkende Aufnahme-LED? Müssen Gesichter automatisch unkenntlich gemacht werden? Sollte das Filmen ohne sichtbare Kennzeichnung verboten werden? Alles berechtigt. Aber brauchen wir nicht vor allem neue Anstandsregeln? Früher verschwanden Begegnungen, sobald sie vorbei waren. Heute besteht immer die Möglichkeit, dass sie gespeichert, analysiert oder irgendwann veröffentlicht werden. Wer bringt uns bei, dass Respekt auch darin bestehen kann, jemandem die Gewissheit zu geben, dass dieser Augenblick nur ihm gehört?
Unsere Autorin ist Start-up-Gründerin und Social-Media-Expertin. Sie wechselt sich hier mit Blogger Richard Gutjahr ab.
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