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Prunksucht des Barons hinterließ Spuren: Stephanuskirche Alfdorf wird 250 Jahre

Дата публикации: 23-08-2026 06:00:00

Die Stephanuskirche in Alfdorf feiert Jubiläum. Was verbirgt sich hinter ihrer Baugeschichte und dem berühmten Wandgemälde? Von Franziska Lemoine

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Stand: 23.08.2026, 08:00 Uhr

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Die Stephanuskirche in Alfdorf feiert ihr 250-jähriges Jubiläum. Pfarrer Patrick Steinbacher freut sich über die Aufmerksamkeit für diese besondere Kirche im Welzheimer Wald.

Die Stephanuskirche in Alfdorf feiert ihr 250-jähriges Jubiläum. Pfarrer Patrick Steinbacher freut sich über die Aufmerksamkeit für diese besondere Kirche im Welzheimer Wald. © Sofiia Shahaievska

Die Stephanuskirche in Alfdorf feiert Jubiläum. Was verbirgt sich hinter ihrer Baugeschichte und dem berühmten Wandgemälde? Von Franziska Lemoine

Alfdorf. Sie ist etwas Besonderes, die Stephanuskirche mitten in Alfdorf. Etwas versteckt und sehr idyllisch steht sie hinter dem Oberen Schloss – dem heutigen Rathaus. Ihren 250. Geburtstag feiert die ungewöhnliche Kirche im Oktober mit einem Festwochenende (siehe Infokasten). Die Geheimnisse ihrer Entstehung und die Besonderheiten des Kirchenbaus verrät Kirchenführerin Barbara Hörsch im Gespräch.

Barbara Hörsch kennt die Stephanuskirche gut. Sie ging hier zur Jungschar, zur Konformation, heiratete hier ihren Mann. Im Ruhestand suchte sie dann eine neue Aufgabe. Der damalige Pfarrer Friedmar Probst bot ihr die Tätigkeit als Kirchenführerin an und Barbara Hörsch beschäftigte sich intensiv mit der Stephanuskirche.

Wie kommt Alfdorf zu dieser besonderen Kirche?

Seit 18 Jahren ist sie bereits als Kirchenführerin tätig. Grundsätzlich seien zwei Fragen auf den Führungen zentral, so Hörsch: „Wie kommt Alfdorf zu dieser besonders schönen Kirche?“ Und: „Was hat es mit dem Bild auf sich?“ – dem großen Wandgemälde, das die Kanzel umrahmt.

Natürlich erzähle sie meist auch ein wenig über die Ortsgeschichte vor Eintreffen derer vom Holtz, „aber die magische Zahl ist das Jahr 1628. Da tauchte Georg Friedrich vom Holtz auf“. Der kaufte die Hälfte von Alfdorf auf, die andere Hälfte bekam er entlehnt. „Ab da hatte Alfdorf evangelisch zu sein!“

Die Predigtsaalkirche war von Anfang an offen, hoch und hell gebaut.

Die Predigtsaalkirche war von Anfang an offen, hoch und hell gebaut. © Sofiia Shahaievska

„Der Ur-Ur-Enkel von ihm war ein Gottfried. Ein Verschwender, hat’s geheißen.“ Er setzte es sich in den Kopf, aus der kleinen Kirche, die in die Jahre gekommen war, etwas Besonderes zu machen. „Gottfried war der Meinung, er braucht was Größeres und hat bis auf den Turm alles abreißen lassen“, erklärt Barbara Hörsch. Er habe sich dann einen Architekten gesucht, der ihm eine Predigtsaalkirche baut – eine Bauform, die sich auf die Kanzel ausrichtet.

Gottfried vom Holtz gab den Auftrag zum Bau

Gottfried vom Holtz fand den Architekten Johann Michael Keller, der bereits die Stadtkirche in Aalen gebaut hatte, erklärt Barbara Hörsch. „Ich sag immer, da hat er geübt, das war sein Gesellenstück“, schmunzelt sie. 1774 erhielt Keller den Auftrag, nur eineinhalb Jahre später stand die Stephanuskirche. Dass der Architekt der evangelischen Kirche selbst tiefkatholisch war, war offenbar kein Hinderungsgrund.

So entstand ein heller, freundlicher, hoher Kirchenraum mit zwei Emporen. „Als ich das erste Mal hergekommen bin, da hab ich gedacht: Oh, das ist eine große Kirche – ob ich dem gerecht werde?“, erzählt Pfarrer Patrick Steinbacher. Der Bau habe ihn nachhaltig beeindruckt. Er liebt es inzwischen, hier zu sein. Wöchentlich komme er zum Beten her, suche sich dafür gerne eine Bank mit Blick aufs Kreuz. „Wir Evangelen wissen, wir können überall zu Gott beten, aber der Ort, der Raum und das Kreuz“, das sei halt doch besonders.

Dieses Kreuz aus Lias-Kalk und Marmor ist aus der alten Kirche übernommen worden, erzählt Barbara Hörsch. Auch einige Grabstätten überstanden den Umbau. Auf der Empore gegenüber der Kanzel wurde als Besonderheit der sogenannte Herrschaftsstand gebaut. Ein geschlossener Balkon mit eigenem Heizofen, der der Familie vom Holtz vorbehalten blieb und der – vielleicht nicht ganz zufällig – auch etwas höher thront als die Kanzel.

Schnell war die Kirche gebaut – aber teuer wurde sie

Der Bau der Kirche war – hier kam die verschwenderische Ader des Gottfried vom Holtz voll zum Tragen – sehr kostspielig. „Alles musste man herschaffen, nur das Holz kam von hier“, schildert die Kirchenführerin den Aufwand. „Die Baronie musste Kredite aufnehmen“, 100 Jahre habe es gedauert, diese abzuzahlen.

Gottfried selbst konnte seine Kirche übrigens nur ein Jahr lang genießen – er starb im Jahr 1777. „Auf diese Weise ist Alfdorf aber zu so einer schönen Kirche gekommen. Das ist der Baronie zu verdanken“, so Hörsch. Der liebste Platz von Barbara Hörsch ist nahe den Säulen am Eingang, „weil ich da den Blick vor hab. Da mach ich mir gerne Gedanken über das Bild.“ Das Wandgemälde, auf das sie deutet, entstand vor 75 Jahren. „Viele sagen, das passt nicht, aber ich denk, jede Zeit hat das Recht, ihre Spuren zu hinterlassen.“

Etwas versteckt hinterm Oberen Schloß – dem heutigen Rathaus – steht die Stephanuskirche.

Etwas versteckt hinterm Oberen Schloß – dem heutigen Rathaus – steht die Stephanuskirche. © Sofiia Shahaievska

Die Spuren sind in diesem Fall dem Zweiten Weltkrieg zuzuschreiben. Denn an den Wänden rechts und links der Kanzel füllten bereits die Inschriften zum Gedenken an die 139 Gefallenen des Ersten Weltkrieges die Wände. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges habe dann der Kirchengemeinderat überlegt, wo sie die Namen der Gefallenen dieses Krieges sichtbar machen können. Und hängten erst mal Fichtenkränze mit Namensschärpen auf. „Die hingen bis Jahre nach dem Krieg, das hat irgendwann dann streng gerochen“, beschreibt es Barbara Hörsch.

Ein Bild, das an die Gefallen des Zweiten Weltkriegs erinnert

Der damalige Pfarrer Duncker, der 1946 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, fragte den ihm bekannten Maler Rudolf Schäfer, ob er ein Memorialbild für die Gefallenen malen könne. Dem Kirchengemeinderat, erzählt Hörsch, sei die Entscheidung damals schwergefallen. Auch weil das Fenster, das über der Kanzel Licht in die Kirche strömen ließ, dafür zugemauert werden sollte.

1951 war es dann so weit, erinnert sich Barbara Hörsch an den Maler, der mit seinem weißen Malerkittel in die Kirche kam – aber immer auch eine Krawatte trug. „Er hat direkt mit schwarzer Kohle die Skizze auf die Wand gemalt. Wir sind als Kinder immer hin zum Zuschauen, das war schon spannend!“ Drei Monate später, am 30. September 1951, war das Bild fertig. Schäfer habe sich auch selbst darin verewigt, weist Hörsch auf die Gesichtszüge des Abraham hin. Dessen Sohn Isaak trägt die Züge des Sohnes des Malers, der im Krieg blieb.

Das Bild von Rudolf Schäfer erinnert an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs – gemalt wurde es vor 75 Jahren.

Das Bild von Rudolf Schäfer erinnert an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs – gemalt wurde es vor 75 Jahren. © Sofiia Shahaievska

Die Elemente des Bildes haben viel mit Trauer, Vergebung und Hoffnung zu tun. Die biblischen Motive, links aus dem Alten, rechts aus dem Neuen Testament, sind eingebettet in die Landschaft Alfdorfs, mit den Kaiserbergen Staufen und Rechberg im Hintergrund. Die Namen der 223 Gefallenen finden sich allerdings an anderer Stelle: Unterhalb des Bildes liegen zwei dicke Bücher aus. Hierin hat jeder Tote eine Seite. Bis zum heutigen Tag werden immer die Seiten derer aufgeschlagen, die am entsprechenden Tag Geburtstag haben.

Führungen und Festwochenende

Wer die Stephanuskirche besuchen möchte, dem steht sie von April bis Oktober täglich von 11 bis 17 Uhr offen. Führungen kann man auf Anfrage buchen. Den Kontakt und Informationen zur Kirche findet man auf der Webseite.

Am Wochenende 16. bis 18. Oktober wird das 250-jährige Jubiläum der Kirche und das 75-jährige Jubiläum des Rudolf-Schäfer-Bildes gefeiert.

Freitag, 16. Oktober:

Stephanuskirche: Bewirtete Auftaktveranstaltung um 19.30 Uhr. Das musikalische Programm gestaltet ein Projektchor, unterstützt vom Chor Online und dem Posaunenchor.

Stephanushaus: Casino-Abend um 18.30 Uhr für Teens und Jugendliche mit Spielen, Cocktails und Snacks.

Samstag, 17. Oktober:

Stephanuskirche: Weißwurstfrühstück um 9.30 Uhr, anschließend Bildbetrachtung und Musik. 11.30 Uhr Kirchenführung. Um 19.30 Uhr treten 2Flügel auf mit dem Programm „Goldzwanziger“. VVK-Tickets in den Gemeindebüros Welzheim und Alfdorf und bei Eventim: 20 Euro, an der Abendkasse: 22 Euro.

Stephanushaus: Kinderfrühstück für Kinder von 5 bis 12 Jahren, von 9.30 bis 12 Uhr. Um 14.30 Uhr zeigt ein Film die Geschichte der Stephanuskirche.

Sonntag, 18. Oktober:

Stephanuskirche: Festgottesdienst mit Pfarrer Patrick Steinbacher, Beginn 10 Uhr. Predigt: Christina Brudereck, Musik: Flötenensemble „Windkanal“, Welzheimer-Wald-Kantorei. Grußworte: Bürgermeister Ronald Krötz und Freiherr Götz vom Holtz. 13 Uhr Kirchenführung.

Stephanushaus: Mittagessen ab 11.30 Uhr, anschließend Kaffee und Kuchen. Ab 12 Uhr können Kinder Hüpfburg und Spielestraße im Garten nutzen.

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