Frühes Training, Turniere und große Ziele: Die 14-jährige Eva Maria lebt für den Reitsport und nimmt dafür einiges in Kauf. Von Mathias Ellwanger
Stand: 22.08.2026, 18:04 Uhr

Frühes Training, Turniere und große Ziele: Die 14-jährige Eva Maria lebt für den Reitsport und nimmt dafür einiges in Kauf. Von Mathias Ellwanger
Lorch. Wenn es um das Glück dieser Erde geht, dann ist es für Familie Holzer auf jeden Fall auf dem Rücken der Pferde zu finden. Besonders für Eva Maria, die sich im Westernreiten gerade bundesweit einen Namen macht. Wir haben die 14-Jährige und ihr Pferd auf dem Hof in Welzheim besucht. Was treibt sie an?
Mit vier Jahren zum ersten Mal auf einem PferdDie Erfolge, sie kommen nicht von ungefähr. Saß die Welzheimerin doch bereits mit vier Jahren zum ersten Mal auf einem Pferd. Und seitdem hat sie die Leidenschaft nie wieder losgelassen. Noch bevor sie morgens Richtung Welzheim in die Kastell-Realschule aufbricht, verbringt die 14-Jährige Zeit bei Quarterhorse Kitty, Painthorse Missy und Shetland-Pony Lumpi. Gibt ihnen Futter, macht den Stall, geht mit ihnen spazieren oder reitet sie aus. Und nach der Schule führt sie ihr Weg meist wieder direkt zu ihnen. Zwei bis zweieinhalb Stunden pro Tag verbringt die Jugendliche auf jeden Fall mit ihnen – Reittraining noch nicht eingerechnet.
Erste große Erfolge des 14-jährigen NachwuchstalentsWenn es auf Turniere zugeht, dann nimmt auch das einen großen Teil ihrer Zeit ein. Und Turniere hatte Eva Maria Holzer zuletzt häufiger, wie die beachtliche Anzahl an Medaillen beweist, die sie bereits angehäuft hat. Zuletzt wurde sie etwa mit ihrem Painthorse Missy Bayerische Meisterin im „Youth Hunter under Saddle“ und errang den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in der Disziplin „Novice Youth Huntseat Equitation“.
Wer sich bei diesen Bezeichnungen nun fragend am Kopf kratzt: Dabei handelt es sich um Disziplinen im Westernreiten. Bei Ersterem bewegen sich die Pferde flach, flüssig und in Dehnungshaltung, während bei Letzterem Können, Sitz und Hilfengebung der Reiterin im Mittelpunkt stehen.
Die Leidenschaft fürs Westernreiten liegt in der Familie
Das Westernreiten hat es der 14-Jährigen angetan. Hier steigert sie ihre Fähigkeiten Jahr für Jahr. Und ihre ganze Familie zieht dabei mit. Was wenig verwunderlich ist, denn auch ihre Mutter Melanie ist bereits als Kind dieser Sportart verfallen. In Urbach aufgewachsen, kam sie mit zehn Jahren zur „Bearcreek Farm“ in Plüderhausen – und entdeckte dort ihre Leidenschaft für diese etwas im Schatten der Voltigierer und Dressurreiter stehende Reit-Disziplin. Sprich: „Das war in der Familie“, sagt Eva Maria Holzer und lacht.
Was Westernreiten so besonders machtDoch was macht den Unterschied aus beim Westernreiten? Es geht weniger um die akrobatische Leistung der Reiterin wie beim Voltigieren oder Ausdauer und Kraft des Tiers wie bei der Dressur. Hier zählen vor allem Haltung, Eleganz und das harmonische Zusammenspiel beider. „Die Pferde laufen langsamer, lässiger und entspannter“, sagt die 14-Jährige, die Zügel werden entsprechend lose gehalten. Ganz so wie bei den Cowboys in den Staaten, da kommt diese Disziplin schließlich auch her. Doch was so lässig aussieht, erfordert viel Arbeit und Einfühlungsvermögen von Reiterin und Pferd, weiß Mutter Melanie: „Das extrem Feine ist nämlich gar nicht so einfach zu schaffen“.
Nicht alle Pferde sind für das Westernreiten geeignetAuch die Kommunikation mit dem Pferd sei „sehr fein“, ergänzt Eva Maria. Und betont: „Das Pferd ist dabei viel wichtiger als die Reiterin“. Nicht jede Rasse sei dafür geeignet. Speziell für die Anforderungen gezüchtet werden etwa Quarter- und Painthorses. Sie haben das passende „Gehäuse“, wie der Körperbau der Tiere auch genannt wird. Das heißt: Sie sind eher flach angelegt und nicht allzu groß. Auch müssen die Pferde eine große Ruhe ausstrahlen, um dem Stress unter Wettbewerbsbedingungen gewachsen zu sein. „Dann tun sie sich damit leichter“.
Fünf Tage Training pro Woche, vor Turnieren sogar täglichVor Turnieren trainiert die 14-Jährige jeden Tag, manchmal bereits vor Schulbeginn. In normalen Wochen erhält sie fünf Mal pro Woche Unterricht, jeweils für eine Stunde. Vor Wettbewerben werden dann vor allem die Patterns eingeübt. Damit sind konkrete Bewegungsabläufe gemeint, die vom langsamen Trab über Galopp bis zum Seitwärtsgehen oder Schlangenlinien reichen. Bei Wettbewerben müssen diese Patterns sitzen, um sich gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können.
Nur Arbeit? Ach iwo: „Es geht dabei auch um das Genießen“
Das gelang der 14-Jährigen zuletzt offensichtlich gut. Es erfordert aber auch viel Zeit und Geduld. Zeit, die für andere Aktivitäten dann fehlt. Doch Eva Maria sieht das entspannt: „Es geht dabei auch um das Genießen“. Klar soll das schön aussehen, aber „es muss auch Spaß machen“. Und den hat die junge Welzheimerin mit Missy, die als Sechsjährige zu der Familie kam und inzwischen 17 Jahre alt ist, zweifellos.
Um mithalten zu können, muss die 14-Jährige auch verzichtenAllerdings muss die Jugendliche dafür auf manches verzichten. Ins Schullandheim etwa wäre sie mit ihrer Klasse an der Kastell-Realschule gerne mitgegangen, aber das überschnitt sich mit einem wichtigen Turnier. Auch darüber hinaus muss sie sich immer wieder entschuldigen lassen. Sie findet: „Ich habe sehr viel Glück, dass sie mich da so unterstützt“. Und ihre Mutter schiebt nach: „Zum Glück ist sie gut in der Schule“.
Auch Familienurlaube sind seit geraumer Zeit nicht mehr drin. Denn die Urlaubstage gehen meist für die Turniere drauf. Die ja inklusive Anfahrt, Übernachtung und Startgeld obendrein auch recht kostspielig sind. Doch die reitbegeisterte Familie (auch ihre große Schwester Zoe ist lange geritten) steht voll hinter ihr. Zumal Eva Maria immer besser wird, wie Mutter Melanie nicht ohne Stolz berichtet.
Der große Traum: Einmal bei den World Games in Texas dabei seinMit der Deutschen Meisterschaft soll übrigens noch lange nicht Schluss sein für Eva Maria Holzer. Ein großes Ziel hat die 14-Jährige noch vor Augen: die US World Games im Westernreiten. Die finden, wie könnte es auch anders sein, in Texas statt. Und klar: „Die Amis sind nach wie vor führend“. Einmal die Weltelite des Sports zu sehen, vielleicht sogar daran teilzunehmen, das wäre für sie eine Herzensangelegenheit.
Westernreiten als Beruf: Wäre das eine Option für Eva Maria?Dass sie einmal ihr Geld mit dem Westernreiten verdient, ist indes keine allzu realistische Option. Denn der Aufwand dafür sei zu groß und die Preisgelder dann doch eher bescheiden, wie Mutter Melanie berichtet. Selbst die Allerbesten können alleine von den Wettbewerben nicht leben. Einen Beruf, der sich mit Tieren beschäftigt, würde Eva Maria aber schon gerne ausüben. Tierärztin, das könnte sich die 14-Jährige gut vorstellen.
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