Mini-Jobber sind in vielen Gastronomiebetrieben unverzichtbar. Die Rentenkommission will diese nun weitgehend abschaffen. Wie Betreiber im Kreis Saarlouis auf die Pläne blicken.
Kreis Saarlouis · Mini-Jobber sind in vielen Gastronomiebetrieben unverzichtbar. Die Rentenkommission will diese nun weitgehend abschaffen. Wie Betreiber im Kreis Saarlouis auf die Pläne blicken.
01.08.2026 , 11:33 Uhr
Bruno Laurenza (links), Inhaber der Trattoria Da Bruno in Lebach, mit Servicechef Sulaeman Asse.
Foto: Oliver MorguetDie Rentenkommission will die Rente reformieren und schlägt vor, Mini-Jobs weitgehend abzuschaffen. Die Beschäftigten sollen künftig auch Sozialabgaben zahlen. Das war bislang nicht so – und würde vor allem Bereiche wie die Gastronomie treffen, in der viele Mini-Jobber tätig sind. Wir haben Gastronomen im Kreis Saarlouis gefragt, was sie von den Plänen halten.
„Unsere Mitarbeiter sind zu einem großen Teil sozialversicherungspflichtig beschäftigt, aber auch wir sind auf Mini-Jobber angewiesen, um krankheits- oder urlaubsbedingte Ausfälle auszugleichen“, sagt Patrick Otto, der mit seiner Frau Nadine das Saarlouiser Park-Hotel mit Restaurant führt. „Aktuell fällt in unserem Betrieb eine Mitarbeiterin aus. Ohne Mini-Jobber, die flexibel sind und kurzfristig bei Bedarf einspringen können, stünden wir auf verlorenem Posten.“ Neueinstellungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten würden die Kosten für den Betrieb erhöhen, sodass auch die Preise angehoben werden müssten. Seine Befürchtung ist, dass dann die Schwarzarbeit in der Branche zunehmen wird.
„Die entscheidende Frage ist, wer die höheren Kosten trägt“, meint Ralf Steuer, der zusammen mit seiner Frau Maria Steuer-Baptista das Restaurant „Hamm’s“ in Saarwellingen betreibt. Er schätzt die zusätzlichen Kosten durch den Wegfall der Mini-Jobs in ihrer bisherigen Form auf etwa 20 Prozent. Allerdings arbeiteten er und seine Frau weniger mit Aushilfen, sondern beschäftigten stattdessen mehr Auszubildende. „Wir sind auf Aushilfen und Teilzeitkräfte angewiesen“, erklärt Bruno Laurenza, Inhaber der Trattoria Da Bruno neben dem Lebacher Hallenbad. „In der Gastronomie läuft der Betrieb nie konstant. Mini-Jobber helfen, flexibel auf den Personalbedarf zu reagieren.“
Ralf Steuer betreibt mit seiner Frau Maria Steuer-Baptista das Restaurant „Hamm’s“ in Saarwellingen.
Foto: Oliver Morguet„Wir versuchen, weitgehend ohne Mini-Jobber auszukommen, aber das gelingt nicht immer. Großveranstaltungen wie die sommerlichen Barbecues sind ohne Aushilfen nicht möglich“, betont Stefan Burbach, der mit seiner Frau Tamara das Hotel-Restaurant Niedmühle in Eimersdorf (Gemeinde Rehlingen-Siersburg) führt. „Eine Restaurantküche muss gut organisiert sein. Hier muss ein Rädchen ins andere greifen. Wenn nur ein Spüler ausfällt, führt das zu erheblichen Problemen, weil die anderen Mitarbeiter ja ihre eigenen Aufgaben haben und nicht einfach seine Arbeit übernehmen können“, macht er die Notwendigkeit von Aushilfen an einem Beispiel deutlich.
Stefan Burbach und seine Frau Tamara führen das Hotel-Restaurant Niedmühle in Eimersdorf.
Foto: Oliver Morguet„Man muss mal schauen, wie die Neuregelung im Detail aussieht, deshalb lassen wir erst mal alles auf uns zukommen“, bleibt Marc Pink, Inhaber und Küchenchef des gleichnamigen Restaurants im Haus für Kultur und Sport in Hülzweiler, derzeit noch entspannt. Nur die wenigsten Aushilfen übten ausschließlich eine solche geringfügige Beschäftigung aus. Vielmehr hätten die meisten noch sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, in denen sie aber nur wenig verdienen und auf eine Aufstockung angewiesen seien, wie zum Beispiel die alleinerziehende Mutter, die sich und ihrem Kind mal ab und zu was Besonderes leisten möchte. Ebenso wie die Hotellerie und Gastronomie sind nach Pinks Meinung von der geplanten Neuregelung auch Branchen wie die Logistikdienstleister und Reinigungsunternehmen betroffen.
„Der Wegfall der Minijobs würde aus einem unkomplizierten Nebenverdienst ein deutlich anderes Modell mit neuen Abgaben und weniger Nettoverdienst machen“, kritisiert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Saarland in einer Pressemitteilung die Pläne. „Nebenjobber sind in Hotels, Restaurants und Cafés ein fester und unverzichtbarer Teil der Personalplanung. Bundesweit arbeiten im Gastgewerbe rund 1,1 Millionen Menschen auf Minijob-Basis. Im Saarland ist diese Beschäftigungsform ebenfalls fest im Alltag der Betriebe verankert. Rund die Hälfte des Personals arbeitet geringfügig. Und das hat gute Gründe – sowohl auf der Arbeitgeber- als auch auf der Arbeitnehmerseite. Ein Minijob ist kein Notnagel, sondern eine bewusst gewählte Form des Zuverdienstes“, schreibt der Verband.
Studierende, Rentnerinnen und Rentner, Beschäftigte mit Hauptberuf oder Menschen mit Familienaufgaben würden ihn nutzen, weil er unkompliziert sei und sich ohne große steuerliche Nachteile in den Alltag einfügen lasse, so der Dehoga. „Wird nun dieses Erfolgsmodell gestrichen, entsteht eine Lücke. Dann braucht es eine Alternative, die den Nebenjob weiterhin attraktiv hält. Wer neben seinem Hauptberuf zusätzlich arbeitet oder zwei Teilzeitjobs kombiniert, darf dafür nicht bestraft werden. Eine steuerlich faire Behandlung von Mehrarbeit wäre deshalb ein zentraler Hebel und Teil jeder echten Lösung.“
Denn Fleiß müsse sich lohnen. Sonst sagten sich viele: „Dann lasse ich es lieber.“ Ein solcher Gegenentwurf sei derzeit jedoch weder angedacht noch erkennbar. „Minijobs sind für die Betriebe kein hübsches Extra, sondern ein unverzichtbares Beschäftigungsinstrument. Und wer dieses Modell abschaffen will, muss benennen können, wie Menschen künftig ohne steuerliche Nachteile einem Nebenjob nachgehen können. Einfach streichen und keine Lösung anbieten, das ist keine Reform“, sagt Michael Buchna, Präsident des Dehoga Saarland, in einer Mitteilung des Verbands. (ceh/sil)
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