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Vorsitzender der Bischofskonferenz: „Ich bin da nicht naiv“ – Bischof Wilmer befürchtet antikirchliche Maßnahmen der AfD

Дата публикации: 10-09-2026 05:33:00




Die AfD und die Kirchen sind seit Langem auf Konfrontationskurs. Im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt hält der Chef der Bischofskonferenz sogar eine antikirchliche Politik für möglich.



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Vorsitzender der Bischofskonferenz „Ich bin da nicht naiv“ – Bischof Wilmer befürchtet antikirchliche Maßnahmen der AfD

10.09.2026 · 07:33 Uhr

Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, bleibt bei der ablehnenden Haltung der katholischen Kirche gegenüber der AfD.

Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, bleibt bei der ablehnenden Haltung der katholischen Kirche gegenüber der AfD.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin · Die AfD und die Kirchen sind seit Langem auf Konfrontationskurs. Im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt hält der Chef der Bischofskonferenz sogar eine antikirchliche Politik für möglich.

Auch angesichts des jüngsten Erfolgs der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bleibt die katholische Kirche bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Partei. „Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die AfD möchte ein anderes Deutschland im Blick auf unsere Grundwerte und auf unsere Demokratie. Das ist mit uns nicht nur nicht zu machen, sondern da positionieren wir uns klar dagegen und stellen dem Menschenwürde, Nächstenliebe und Demokratie entgegen.“

Wilmer hält es für denkbar, dass die AfD im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt konkrete Maßnahmen gegen die Kirchen ergreift. „Ich bin da nicht naiv“, sagte er. Die AfD will unter anderem den Kirchensteuereinzug beenden und auch das Kirchenasyl nicht mehr dulden. Darunter versteht man, dass ein Mensch, der zum Beispiel von Abschiebung bedroht ist, vorübergehend Schutz in einer Kirche erhält. 

In Sachsen-Anhalt leben rund 300.000 evangelische und katholische Christinnen und Christen - 235.000 sind evangelisch, 66.000 katholisch.

Die Bischöfe sind sich lang nicht immer einig - hier aber schon

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte 2024 die Erklärung „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ veröffentlicht. Diese habe weiterhin Gültigkeit, sagte Wilmer. Unter den Bischöfen - die sonst nicht immer einer Meinung seien - herrsche hier vollkommene Einigkeit. Die Erklärung sei vor zwei Jahren einstimmig von allen gut 60 katholischen Bischöfen in Deutschland angenommen worden. „Wenn es um die Würde eines jeden Menschen geht - und das schließt insbesondere Menschen mit Flüchtlingserfahrungen oder einer anderen Herkunft selbstverständlich ein -, halten wir zusammen.“

Wilmer betonte, dass die Kirche mit den Menschen, die AfD wählen, im Gespräch bleiben müsse. „Gleichzeitig haben wir Treue gegenüber dem Evangelium gelobt und gegenüber der christlich-jüdischen Tradition.“ Diese habe als zentrales Element, dass alle Menschen die gleiche Würde haben, unabhängig von ihrer Herkunft, sozialen Schicht, Gesundheit, Alter, Religion. „Diese Grundhaltung ist für uns nicht verhandelbar“, unterstrich Wilmer. „Und wir können uns auch nicht nur auf die eigene Gruppe, die eigene Nation oder dergleichen beschränken. Als Christen haben wir einen klaren Auftrag für die ganze Welt. Wir sind eine Menschheitsfamilie. Wir gehören alle zusammen.“

„Antisemitismus ist Sünde“ 

Wilmer regte mehr interreligiöse Gesprächsformate an, um das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen zu fördern. „Das wäre zum Beispiel auch wichtig, weil der Antisemitismus bei uns ja stark auf dem Vormarsch ist, was ich erschütternd finde. Antisemitismus ist Sünde“, betonte er. Man werde den Scheinwerfer weiten müssen auf den Islam und auf die muslimischen Gruppen in Deutschland. „Die Blickrichtung muss sein: Wie geht gemeinsame Verantwortung für das Land, in dem wir zusammenleben?“

Wilmer war seit 2018 zunächst Bischof von Hildesheim. Am 24. Februar dieses Jahres wurde er als Nachfolger von Georg Bätzing zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Im März ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Bischof von Münster. Damit steht er nun an der Spitze des mitgliederstärksten katholischen Bistums in Deutschland.

© dpa-infocom, dpa:260910-930-662237/1

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