Muslimische AfD-Wähler sorgen sich teils um Kriminalität, Schulen und Kontrollverlust. Andere wählen aus Protest oder grenzen sich von Islamisten und Neuankömmlingen ab.
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Unglück in der Eifel: Militärflugzeug an US-Airbase Spangdahlem abgestürzt Gott und die Welt Warum Muslime AfD wählen04.09.2026 · 13:00 Uhr
Die AfD wird auch von Muslimen gewählt – aus höchst unterschiedlicher Motivation heraus.
Foto: Daniel Karmann/dpa/Daniel KarmannKolumne | Münster · Muslimische AfD-Wähler sorgen sich teils um Kriminalität, Schulen und Kontrollverlust. Andere wählen aus Protest oder grenzen sich von Islamisten und Neuankömmlingen ab.
Sechs bis elf Prozent der muslimischen Wahlberechtigten wählen laut Umfragen die AfD. Eine Partei, die erklärt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Man darf das absurd finden. Unerklärlich ist es nicht. Zur Ehrlichkeit gehört: Die Stichproben sind klein, die Zahlen wackelig. Und der Satz lässt sich umdrehen. 89 bis 94 Prozent wählen sie nicht. Unter Muslimen ist die AfD schwächer als im Rest der Bevölkerung. Bleibt die Frage nach dem Rest. Die Antwort zerstört eine lieb gewonnene Annahme: Muslime wählen nicht als Muslime. Sie wählen als Handwerker, Selbstständige, Vorstadtbewohner, als Väter mit Sorgen um die Schule ihrer Kinder. Wer ein einheitliches muslimisches Wahlverhalten erwartet, hat Muslime nie als Bürger gedacht, sondern immer nur als Gläubige.
Manche teilen konservative Positionen zu Familie und Geschlecht und finden sie ausgerechnet dort wieder. Andere fürchten Kriminalität und Kontrollverlust. Wieder andere sind selbst vor Islamisten geflohen und hören zum ersten Mal jemanden hart darüber sprechen. Und viele leben seit dreißig Jahren hier, halten sich für angekommen und ziehen eine scharfe Linie zwischen sich und den Neuen. Es ist dieselbe Linie, die andere zwischen ihnen und sich ziehen. Dazu kommt der Protest. Wer sich von niemandem vertreten fühlt, wählt den Denkzettel. Und wer jahrelang gehört hat, seine Religion sei ein Sicherheitsproblem, hat wenig Grund, denen die Treue zu halten, die es freundlicher formuliert haben. Soziale Medien belohnen den Rest mit Reichweite.
Viele muslimische AfD-Wähler gehen davon aus, die Ablehnung gelte nicht ihnen, sondern den Islamisten, den Unintegrierten, den anderen. Sie unterschätzen, wie schnell aus Islamismuskritik die Abwertung von Muslimen wird. Und wie wenig dann noch zählt, wer wie lange hier lebt.
Muslime wählen die AfD selten wegen ihrer Haltung zum Islam. Sie wählen sie trotzdem. Das ist erklärbar. Das macht ihre Entscheidung erklärbar, aber nicht weniger widersprüchlich.
Unser Autor ist Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. Er wechselt sich hier mit der katholischen Theologin Dorothea Sattler, der evangelischen Religionslehrerin Anne Schneider und dem Rabbi Alexander Grodensky ab
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