In Brandenburg entstehen immer mehr Rechenzentren. Sie sollen Daten sicher speichern und Deutschlands KI-Kompetenz stärken. Naturschutzverbände warnen vor Umweltbelastungen und fordern umweltverträgliche Bauweisen.
Rechenzentren in Brandenburg Der Kampf um Platz und Wasser
Von Ronja Bachofer
15 Rechenzentren allein in Brandenburg zeigt die interaktive Karte [www.heisseluft.de], die auf Initiative mehrerer Akteure entstanden ist. "Wir bauen hier die Infrastruktur unserer digitalen Zukunft", sagt Max Schulze. Er arbeitet bei Leitmotiv, wo man sich Gedanken über eine alternative digitale Wirtschaft macht, und hat an der Karte mitgewirkt. Gemeinsam mit anderen hat er zusammengetragen, wo in Deutschland überall Rechenzentren geplant sind, wer dahintersteckt und ob dagegen protestiert wird. Die Bilanz für Brandenburg: Sieben Rechenzentren in Planung, fünf bereits im Aufbau und bei dreien pausieren die Arbeiten momentan.
Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) hofft, dass sich viele Rechenzentren im Land ansiedeln. "Nicht nur, weil wir digital souverän werden und unsere Daten nicht mehr ins Ausland transferieren wollen, sondern weil es auch ein Wirtschaftsfaktor ist für die örtliche Industrie im Aufbau", so die Ministerin. Deutschland will die Kapazität von Rechenzentren innerhalb von fünf Jahren bis 2030 verdoppeln. Sie sollen die Grundlage dafür bilden, "KI-gestützte Lösungen und Anwendungen zu entwickeln" und dadurch "die digitale Leistungsfähigkeit Deutschlands und Europas auf ein neues Niveau zu heben". So steht es auf der Webseite der Bundesregierung.
Dieses Ziel sei eigentlich schon erreicht, sagt Max Schulze mit Blick auf die geplanten und im Bau befindlichen Rechenzentren auf der Karte. "Die Frage ist sowieso: Brauchen wir überhaupt so viele? Wir haben zwar sehr viele Hypes, KI, Digitalisierung, Souveränität, aber den konkreten Bezug, wie viel Rechenzentren wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen, der fehlt uns immer noch." In Brandenburg beispielsweise gehöre ein Großteil der Rechenzentren seiner Recherche nach ausländischen Investoren. Wie viel Geld und Souveränität das tatsächlich bringe, sei daher fraglich.
Auf der interaktiven Karte wird auch der sogenannte Grundwasserstress angezeigt. Das bedeutet, dass eine Region mehr Grundwasser verbraucht als durch Regen wieder aufwachsen kann. Auf Dauer sinken die Grundwasserspiegel. Die meisten Brandenburger Landkreise sind gelb, orange oder rot eingefärbt: struktureller oder akuter Grundwasserstress - oder sogar beides gleichzeitig. Ein Problem für Rechenzentren, die vor allem im Sommer häufig ebenfalls Wasser benötigen, um herunterzukühlen.
Genau das ist die Sorge verschiedener Umweltverbände. Bei einer gemeinsamen Landespressekonferenz von BUND, Grüner Liga und Bündnis 90/Die Grünen haben sie am Montag in Potsdam auf das Thema aufmerksam gemacht. Das Ziel sei nicht, Rechenzentren zu verhindern, stellt die Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen) gleich zu Beginn klar. Deutschland brauche eigene Rechenzentren für seine digitale Souveränität. "Raus aus den Aktenordnern, rein in digitale Speichermedien", so Andrea Lübcke. Es gehe vielmehr darum, dass sie am richtigen Ort gebaut würden und bestimmte Kriterien erfüllten: "Unser Vorschlag ist, dass Rechenzentren, die besonders hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit und den ressourcenschonenden Umgang erfüllen, schneller genehmigt werden können und damit auch einen Wettbewerbsvorteil bekommen."
Neben dem hohen Wasserverbrauch von Rechenzentren sei es aus ihrer Sicht auch nötig, die Abwärme zu nutzen, um die Kommunen oder auch Betriebe mit Wärme zu versorgen. Ein negatives Beispiel sei das Rechenzentrum in Freyenstein in der Prignitz. "Da entsteht so viel Wärme, dass ich Potsdam mehrmals beheizen könnte. Aber Potsdam ist weit weg und die 800 Menschen, die dort leben, brauchen niemals so viel Wärme. Das ist eine Verschwendung von Energie." Sie fordert, Rechenzentren nur dort zu bauen, wo auch die Wärme genutzt werden kann.
Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) sieht den Bau von Rechenzentren als Chance. Brandenburg solle deutschlandweit Vorreiter werden, doch Klement merke auch, dass insbesondere kleine Kommunen hier vor großen Herausforderungen stehen: "Es wird viel Platz benötigt, es wird viel Strom benötigt, es sind große Investitionen im Raum. Gleichzeitig entstehen vergleichsweise wenig Arbeitsplätze und bislang auch wenig Gewerbesteuern", so die Ministerin. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung hat das Ministerium einen Leitfaden entwickelt. Dieser soll Kommunen bei der Investition in Rechenzentren unterstützen.
Aus Sicht von Max Schulze brauche es bei der Diskussion um Rechenzentren mehr Informationen und Transparenz. Das gelte sowohl für den Wasser- und Stromverbrauch als auch für geschaffene Arbeitsplätze oder Einnahmen über die Gewerbesteuer. Seiner Erfahrung nach basierten die Entscheidungen von Kommunen immer wieder auch auf falschen Aussagen von Investoren. "Ich habe schon Bürgermeister gehört, die davon ausgegangen sind, dass sie eine neue Schule bauen können mit den Gewerbesteuereinnahmen. Dann war das Rechenzentrum fertig und es stellte sich heraus: Da kam gar nichts."
Im Bundesrat liegt aktuell ein neuer Gesetzentwurf vor, der hier helfen soll. Künftig soll die Gewerbesteuer bei Rechenzentren zum allergrößten Teil nach der Anschlussleistung oder dem tatsächlichen Stromverbrauch berechnet werden. 90 Prozent der Gewerbesteuer würden dann in der Kommune verbleiben.
Sendung: rbb|24, 15.09.2026, 08:00 Uhr
Audio: rbb|24, 15.09.2026, Torsten Sydow