Schwankende Ölpreise verunsichern die Dax-Anleger, der deutsche Leitindex gibt merklich nach. An der Wall Street geht es ebenfalls abwärts.
Die steigenden Ölpreise haben den Dax am Donnerstag weitere Punkte gekostet. Gute Konjunkturnachrichten aus Deutschland konnten die Verluste nur zeitweise begrenzen. Die hiesige Wirtschaft zieht aus Sicht führender Forschungsinstitute an und das vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima hat sich im September stärker als erwartet verbessert.
Als die Ölpreise im späten Handel weiter anzogen, sackte der Dax wieder deutlicher mit 0,6 Prozent ins Minus. Der Schlusskurs von 25.266 Punkten lag in der Mitte der Tagesspanne, die von einem einprozentigen Abschlag bis an die Gewinnschwelle reichte. Durch seinen Fall unter die 100-Tage-Durchschnittslinie sendete der Leitindex längerfristig kein gutes Chartsignal. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Unternehmen verlor am Ende sogar 1,4 Prozent auf 30.782 Zähler.
„Die Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten, die den Rückgang des Ölpreises Mitte September getragen hatten, sind vorerst verflogen“, heißt es in einer Einschätzung der Dekabank zum Ölmarkt. Vielmehr könnte die geopolitische Lage im Nahen Osten weiter eskalieren und auf andere Regionen übergreifen, wie aus Aussagen der Islamischen Revolutionsgarde hervorgeht, die von der iranischen Nachrichtenagentur Fars verbreitet wurden.
Im Fokus stand am Donnerstag das Treffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump (80) und Chinas Staatschef Xi Jinping (73). Die bis November ausgesetzten zusätzlichen Zölle auf Importe chinesischer Waren werden unterdessen laut US-Finanzminister Scott Bessent (64) um weitere zwei Monate aufgeschoben.
MTU im AufwindUnter den besten Werten im Dax stiegen die Papiere von MTU um gut ein Prozent. Die US-Bank Citigroup hatte ihre Verkaufsempfehlung für die Anteilsscheine aufgegeben und rät nun zum Kauf. Der deutliche Bewertungsabschlag gegenüber dem Wettbewerber Safran habe den schlechteren Barmittelumschlag des Triebwerkherstellers bisher angemessen wiedergegeben, schrieb der neu zuständige Analyst Conor Dwyer. Der Barmittelumschlag ist ein Maß dafür, wie lange das Kapital im operativen Geschäft gebunden ist. Der Experte erwartet nun eine Veränderung der Gemengelage mit deutlicher Besserung beim Cashflow bis 2030.
Als Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax sackten die Aktien von Verbio um mehr als 6 Prozent ab. Das Gewinnziel des Biokraftstoffherstellers hatte enttäuscht.
Schneider Electric will bulgarischen Rivalen übernehmenAn der Index-Spitze gewannen die Akten der Shelly Group 4,5 Prozent auf 67,30 Euro. Der Technologiekonzern und Siemens-Konkurrent Schneider Electric steht vor der Übernahme des Herstellers von intelligenten Elektro-Geräten (smart devices). Die Franzosen unterbreiteten ein Übernahmeangebot von 70 Euro je Aktie. Siemens zog um 0,5 Prozent an.
Die Aktien von Henkel sind am Donnerstag mit bis zu 1,6 Prozent Kursplus nochmals an ihre 50-Tage-Linie gestiegen. Hier war die jüngste Erholung der Papiere der Düsseldorfer bereits am Dienstag abgeebbt. Für frischen Wind sorgten die Geschäftszahlen des US-Branchenrivalen H.B.Fuller, dessen Papiere nachbörslich gut ein halbes Prozent zulegten.
Die US-Aktienmärkte haben am Donnerstag an ihre Vortagesverluste angeknüpft. Der Dow Jones Industrial sank im frühen Handel um 0,2 Prozent auf 51.409 Punkte. Der marktbreite S&P 500 büßte ebenfalls 0,2 Prozent auf 7691 Zähler ein. Für den Nasdaq 100 ging es um 0,5 Prozent auf 30.312 Punkte abwärts, nachdem er am Dienstag noch ein Rekordhoch verbucht hatte.
Die Aktienkurse leiden unter einem erneuten Anstieg der Ölpreise, der eine weitere Verkaufswelle am Anleihemarkt auslöste. Die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen wurden davon auf den höchsten Stand seit 2004 getrieben. Laut Simon Wiersma von der ING Bank entwickelt sich dies jetzt wieder zu einem „spürbaren Gegenwind für Aktien“.
Außerdem rückt die Sorge vor einer höheren Inflation wieder in den Mittelpunkt. Die Warnung eines iranischen Vertreters, dass die geopolitische Lage im Nahen Osten weiter eskalieren und auf noch mehr Regionen übergreifen könnte, hatte die Ölpreise zuletzt wieder in die Höhe getrieben. Zudem erwägt die US-Regierung einen Diesel-Exportstopp.
Ölpreise weiter über 100-Dollar-MarkeNeue Hoffnungen auf diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Iran-Kriegs haben den Ölpreis am Donnerstag gedrückt. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich in der Spitze um jeweils rund ein Prozent auf 101,83 beziehungsweise 91,23 Dollar je Fass.
Am Mittwoch war der Brent-Preis zeitweise um mehr als 4 Prozent gestiegen. Iran und die USA sind weiterhin uneins darüber, wie ihr Krieg beendet werden kann, aber die Diplomatie müsse fortgesetzt werden, sagte ein hochrangiger iranischer Beamter gegenüber Reuters. „Der Ölpreis fällt, weil der Markt einen Teil seiner geopolitischen Risikoprämie abbaut, da sich das Angebot aus dem Golf erholt und die Erwartung eines diplomatischen Durchbruchs zwischen den USA und dem Iran wächst,“ erläuterte Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktanalysen bei Phillip Nova.
Im Fokus steht vor allem die für den Öltransport wichtige Straße von Hormus, die seit Ausbruch des Krieges Ende Februar kaum noch befahrbar ist. Eine dauerhafte Wiederaufnahme der Öllieferungen durch die Meerenge würde erheblich dazu beitragen, die Ölpreise zu senken und damit die Inflation in Schach zu halten. Am Mittwoch hatte der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei (72), erklärt, die Straße von Hormus werde nicht wieder geöffnet, solange die Bedingungen des Irans nicht erfüllt seien.