Boeing baute ein geheimes Tarnkappenflugzeug für 67 Millionen Dollar. Die YF-118G Bird of Prey flog 38-mal und lieferte Technik für spätere Kampfjets.
Boeing finanzierte ein geheimes Tarnkappenflugzeug mit 67 Millionen Dollar aus eigener Tasche. Mit ungewöhnlichen Spartricks entwickelte der Konzern eine neue Technik für spätere Kampfjets.
Boeing und Rheinmetall wollen Deutschland den Weg zu einer neuen Generation von Kampfdrohnen ebnen. Bei der geplanten Beschaffung geht es um Hunderte Jagdbomberdrohnen und einen möglichen Auftrag im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich für Rheinmetall. Die Einführung der unbemannten Kampfflugzeuge ist für 2029 vorgesehen
Ein Blick zurück zeigt, wie der US-Konzern Boeing schon vor Jahrzehnten mit ungewöhnlichen Entwicklungsprojekten neue Militärtechnik erprobte. In den 1990er-Jahren finanzierte Boeing ein geheimes Tarnkappenflugzeug, die YF-118G Bird of Prey, mit rund 67 Millionen Dollar aus eigener Tasche.
Eine hohe Summe für ein Flugzeug, das gerade einmal 38-mal flog: Die Bilanz klingt zunächst nach einem teuren Fehlschlag, wie das auf Verteidigungsthemen spezialisierte US-Portal „19FortyFive“ berichtet.
Das Wichtigste in Kürze
Doch hinter dem ungewöhnlichen Flugzeug steckte ein ehrgeiziges Ziel: neue Tarnkappen- und Fertigungstechniken zu testen, ohne die Kosten großer Rüstungsprogramme zu tragen. Das Unternehmen finanzierte das Projekt selbst. Und anders als bei vielen großen Militärprogrammen stammte das Geld demnach nicht aus einem Auftrag des US-Verteidigungsministeriums.
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Die Investition war für Boeing ein Wagnis. Sollte das Flugzeug seine technischen Ziele erreichen, konnte der Konzern die Erkenntnisse später in andere Projekte einfließen lassen. Boeing wollte keinen neuen Serienjäger bauen, sondern herausfinden, wie sich Tarnkappentechnik schneller und günstiger entwickeln lässt. Die Bird of Prey wurde damit zu einer Art fliegendem Versuchslabor.
Die Summe wirkt zunächst gewaltig. In der Welt der Militärluftfahrt ist sie jedoch eine vergleichsweise kleine Entwicklungsinvestition.
Zum Vergleich: Die Kosten lagen laut dem Bericht unter dem Preis eines einzelnen F-35-Tarnkappenjägers. Außerdem sollen zwei neue Boeing-737-Flugzeuge zu jener Zeit mehr gekostet haben.
Um das Budget im Rahmen zu halten, griffen die Entwickler auf vorhandene Bauteile zurück. Das klingt unspektakulär, war für ein streng geheimes Tarnkappenprojekt aber ein bemerkenswerter Ansatz.
Die Bird of Prey erhielt unter anderem:
Ein Testpilot soll sogar gescherzt haben, die Uhr im Cockpit stamme aus einem üblichen Uhrenladen. Das Sparprinzip war einfach: Boeing wollte seine Ressourcen auf die wirklich neue Technik konzentrieren – und nicht auf Komponenten, die bereits auf dem Markt waren.
Die Bird of Prey sah aus wie ein Raumschiff aus einem Science-Fiction-Film. Ihr Name geht auf den „Bird of Prey“, das Raumschiff der Klingonen aus Star Trek, zurück.
Technisch war sie allerdings kein Hochleistungsjäger. Das Flugzeug erreichte eine Reisegeschwindigkeit von rund 483 km/h und eine maximale Flughöhe von etwa 6100 Metern. Damit war es langsamer als eine C-130 Hercules, ein militärisches Transportflugzeug.
Das war kein Konstruktionsfehler, sondern Teil des Konzepts. Die Entwickler wollten vor allem herausfinden, wie sich ein Flugzeug so gestalten lässt, dass es von Radar und mit bloßem Auge möglichst schwer erkannt wird. Geschwindigkeit und Flughöhe standen deshalb nicht im Mittelpunkt.
Die Konstruktion setzte auf einen fließenden Übergang zwischen Rumpf und Tragflächen, einen abgeschirmten Triebwerkseinlass und möglichst wenige sichtbare Kanten und Fugen. Der Rumpf wurde aus einer großformatigen Verbundstruktur gefertigt.
Das Projekt lief zwischen 1992 und 1999 unter strenger Geheimhaltung. Der Erstflug fand 1996 statt. Insgesamt absolvierte die Bird of Prey nur 38 Testflüge. Die Tests fanden auf der Area 51 statt, dem bekannten US-Testgelände in Nevada. Dass die Maschine dort entwickelt und erprobt wurde, half Boeing und der US-Luftwaffe, das Projekt lange vor der Öffentlichkeit abzuschirmen.
Erst 2002 bestätigte das Pentagon offiziell die Existenz des Flugzeugs. Zu diesem Zeitpunkt waren wichtige Erkenntnisse bereits in andere Entwicklungsprogramme eingeflossen. Die US-Luftwaffe hob später hervor, dass die Tests nicht nur der Tarnkappentechnik dienten.
Erprobt wurden auch neue Methoden für:
Das Ziel war also nicht nur ein möglichst schwer erkennbares Flugzeug. Boeing wollte auch zeigen, dass sich ein komplexes Luftfahrzeug mit neuen Methoden schneller vom Entwurf zum fliegenden Prototypen bringen lässt.
Ein direkter Vergleich mit deutschen Rüstungsprojekten ist schwierig. Die Bird of Prey war ein US-amerikanisches Eigenfinanzierungsprojekt aus den 1990er-Jahren. Deutsche Vorhaben werden heute in Euro kalkuliert, häufig über Jahre oder Jahrzehnte finanziert und verfolgen meist andere Ziele.
In Deutschland müssen Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr mit einem Volumen von mehr als 25 Millionen Euro grundsätzlich dem Haushaltsausschuss des Bundestages zur Zustimmung vorgelegt werden. Die sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlage dient der parlamentarischen Kontrolle größerer Rüstungsinvestitionen.
Die 67 Millionen Dollar der Boeing-Investition hätten damit – je nach Wechselkurs – deutlich über dieser Schwelle gelegen. Das ist allerdings kein direkter Kostenvergleich: Die deutsche Grenze ist eine haushaltsrechtliche Zustimmungsschwelle und kein Budget für ein bestimmtes Flugzeug.
Der Auftrag liegt laut den Unternehmen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Er umfasst nicht nur den Laser selbst, sondern ein vollständiges System für den maritimen Einsatz – von der Aufklärung und Zielverfolgung bis zur Bekämpfung. Die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen.
Das zeigt den Unterschied zur Bird of Prey: Boeing gab rund 67 Millionen Dollar aus, um neue Technologien in einem einzelnen Flugzeug zu erproben. Beim deutschen Laserprojekt geht es bereits um ein vollständiges militärisches System, das später eingesetzt werden soll.
Auch dieser Vergleich macht deutlich: 67 Millionen Dollar sind für ein geheimes Technologielabor viel Geld – im Verhältnis zu heutigen Großprogrammen der Verteidigungsindustrie aber eine kleine Summe.
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