Europäische Kommission: Berlin (ots) - Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur Lage der Union (SOTEU) die Entschiedenheit Europas betont, seinen eigenen Weg zu gehen. Vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments beschrieb von der Leyen die ...
16.09.2026 – 12:52
Berlin (ots)
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur Lage der Union (SOTEU) die Entschiedenheit Europas betont, seinen eigenen Weg zu gehen. Vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments beschrieb von der Leyen die aktuelle Lage so: "Unsere Union ist stärker als je zuvor. Gleichzeitig kann es sich auch so anfühlen, als wäre unsere Union so gefährdet wie nie zuvor. Diese beiden Aussagen mögen widersprüchlich erscheinen. Aber sie sind beide wahr. Und sie sind ein Spiegel dieser außergewöhnlichen Zeiten. Dieses komplexen Zeitalters großer Möglichkeiten und großer Gefahren, durch die alle Länder hindurchnavigieren müssen. In dieser Welt hat sich Europa entschieden, seinen eigenen Weg zu gehen. Und nun entsteht ein stärkeres, ein unabhängigeres Europa."
Im Folgenden ein Überblick über die Rede der Kommissionspräsidentin, zusammengefasst in zehn großen Themenblöcken mit zentralen Zitaten undangekündigten Initiativen:
1. Wettbewerbsfähigkeit
Von der Leyen verwies darauf, dass die Kommission zum Amtsantritt Ende 2024 einen kühnen Plan geschmiedet habe: "Eine Wirtschaft aufzubauen, in der Innovation und Energie sich über Grenzen hinwegbewegen; in der Unternehmen europaweit im Wettbewerb stehen und wachsen und in der Ersparnisse unsere Zukunft finanzieren. Das ist die Logik des Draghi- und des Letta-Berichts. Und gemeinsam liefern wir."
2. Klimaresilienz und Umwelt
"Es waren die heißesten Sommermonate aller Zeiten - aber vielleicht die kühlsten der kommenden Jahre. Die Wissenschaft sagt uns ganz klar: Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Natürlich ist der Übergang kompliziert. Und wir werden uns auf dem Weg anpassen und lernen müssen. Es besteht jedoch kein Zweifel: Europa kann, muss und wird bei seinen Klimazielen Kurs halten."
3. Nutzung künstlicher Intelligenz
"Ich bin zuversichtlich, dass KI das Potenzial hat, der Menschheit einen Nutzen zu bringen - wenn wir es richtig angehen. Aber - wie jede leistungsstarke neue Technologie birgt KI ebenso viele Möglichkeiten wie Risiken. Ohne uns mit diesen Risiken auseinanderzusetzen, werden wir niemals in der Lage sein, die Möglichkeiten der KI zu erschließen."
4. Eine faire Union
"Heimat ist kein Privileg, Pflege ist kein Privileg, Wohnen ist kein Privileg. Das sind Rechte. [...] Die Zeiten können sich ändern, Technologien können sich ändern, aber unsere Werte nicht. In Europa stehen die Menschen immer an erster Stelle."
5. Europa in der Welt - stärkere Partnerschaften
"Partnerschaften sind eine strategische Entscheidung Europas. Sie sind aber auch die Konsequenz der Erschütterungen im internationalen regelbasierten Handel. Einige mögen Alleingänge für die richtige Antwort halten. Aber das ist keine Option für uns. Europa wird immer an vorderster Stelle dabei sein, wenn es darum geht, das regelbasierte System zu verteidigen. Aber wir können nicht länger darauf vertrauen, dass dieses System der einzige Weg ist, unsere Interessen zu sichern. Oder dass seine Regeln uns vor den komplexen Bedrohungen schützen, denen wir gegenüberstehen. In dieser neuen Welt müssen wir unsere Partnerschaften dringend neu denken. Und globale Koalitionen bilden, die unsere Widerstandsfähigkeit und unsere Demokratien schützen."
6. Sicherheit Europas
"Europas Glaube an die Zusammenarbeit ruht seit jeher im Streben nach Frieden. Er ist unsere Raison d'être. Heute ist dieser Frieden bedroht. [...] Wir sollten uns keine Illusionen darüber machen, was gerade geschieht: die hybriden Bedrohungen, mit denen Europa konfrontiert war, sind immer weniger hybrid und immer weniger bloße Bedrohungen."
7. Sicherheit der Ukraine
"Die Ukrainer kämpfen für etwas. Sie kämpfen für den Fortbestand ihres Staates, ihrer Identität und ihrer Freiheit. Und sie kämpfen auch für unsere Freiheit und unsere Selbstbestimmung. Unsere Aufgabe bleibt es, die Ukraine dabei nach besten Kräften zu unterstützen."
8. Schutz unserer Grenzen
"Schutzlose Menschen werden ausgenutzt. Von herzlosen Menschenhändlern und Schleppern. Von unseren Widersachern. Deshalb haben wir Sanktionsregelungen vorgeschlagen, um die Kriminellen dort zu treffen, wo es ihnen am meisten wehtut. [...] Wir halten uns stets an unsere Werte und an die Grundrechte. Doch beim Schutz unserer Grenzen machen wir keine Zugeständnisse. Wer in unsere Union kommt und unter welchen Umständen, das entscheiden wir in Europa. Nicht die Schlepper und Menschenhändler."
9. Soziale Medien - Schutz unserer Kinder
"Was wir erleben, ist eine umfassende Vereinnahmung unserer Kinder. Eine Vereinnahmung ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Konzentrationsfähigkeit, ihres Verstandes. Kinder werden so ihrer Kindheit beraubt. Was unsere Kinder brauchen, ist Zeit, um sich selbst zu finden, mit anderen aufzuwachsen. Sich mit all den Gefühlen und Entscheidungen auseinanderzusetzen, aus denen das reale Leben besteht. Sie brauchen sogar Zeit, sich zu langweilen. Denn dann müssen sie ihre Vorstellungskraft einsetzen."
10. Eine stärkere Union
"Europa wird seinen Werten stets treu bleiben. Unsere Union wurde als Friedensprojekt gegründet. Auf dass unsere tragische Vergangenheit einer gemeinsamen Zukunft für die Europäerinnen und Europäer weiche. Jahrzehnte später ist Europa immer noch eine Verheißung für Millionen von Menschen, die manchmal so weit entfernt leben wie in Kanada. Und doch vergessen wir oft, welche Kraft immer noch von dieser Verheißung ausgeht."
Europa, unser gemeinsames Haus
Ursula von der Leyen schloss ihre Rede vor den Abgeordneten im Europäischen Parlament mit dem Appell, Europa müsse ein weiteres Mal seine Zukunft in die Hand nehmen:
"Vergessen wir niemals, wie unsere Union entstand. Völker, die sich so lange bekriegten, schlossen sich zusammen, um gemeinsam ihr Schicksal zu gestalten. Ein Schicksal in Frieden und Wohlstand, in Demokratie und Freiheit. Niemals haben sie festgeschrieben, bis zu welchem Punkt uns dieses Schicksal letztlich führen soll. Aber jede Generation hat auf dem Erbe der vorherigen aufgebaut. Schritt für Schritt. Stein für Stein. Natürlich bestehen unsere Unvollkommenheiten, unsere Vielfalt und unsere Unterschiede auch weiterhin. Aber genau das macht Europa zu unserem Europa. Zu unserem gemeinsamen Haus."
Den genauen Wortlaut der Rede finden Sie in der vollständigen Pressemitteilung.
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Pressekontakt: Birgit Schmeitzner, Tel.: +49 (30) 2280-2300.
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