Eine Besucherin erhebt wegen eines Vorfalls im Festzelt schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal. Das wiederum sieht sich zu Unrecht beschuldigt und bewertet den Vorfall gänzlich anders.
Merchweiler · Eine Besucherin erhebt wegen eines Vorfalls im Festzelt schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal. Das wiederum sieht sich zu Unrecht beschuldigt und bewertet den Vorfall gänzlich anders.
30.09.2026 , 12:09 Uhr
Die Stimmung beim Merchweiler Oktoberfest ist stets gut, wie hier im Jahr 2024. Am Samstag jedoch endet der Abend für einige Gäste mit einem Platzverweis. Foto: Andreas Engel
Foto: Andreas Engel/EngelAuch drei Tage nach ihrem Besuch des Merchweiler Oktoberfests wirkt Heike Stenger am Telefon im Gespräch mit der SZ spürbar aufgeregt. Anlass des Telefonats ist eine E-Mail an die Redaktion, in der die 49-Jährige schwere Vorwürfe gegen Teile des Sicherheitspersonals auf dem Fest erhebt. Sie spricht von einem „traumatischen Erlebnis“ und der „schlimmsten körperlichen Gewalt, die ich in meinem ganzen Leben so noch nie erfahren habe“.
Ihre Vorwürfe richten sich gegen Männer des Sicherheitsdienstes, die sie zu Boden geworfen hätten, ihr „vorher aber noch gewaltsam meinen rechten Arm verdreht haben, nach hinten Richtung Genick, Nacken, und dann mein Eintrittsbändchen mit einem Messer oder Schere gewaltsam abgeschnitten haben“. Was dazu geführt hat, dass der Sicherheitsdienst überhaupt eingegriffen hat, erwähnt Heike Stenger in der E-Mail nicht, spricht aber im Telefonat von einem Vorfall mit einer Gruppe von Männern, die sie und ihre Begleitung – ihre Schwester und deren beide erwachsene Kinder – verbal provoziert hätten.
„Es ging damit los, dass mein Neffe gesungen hat und jemand aus der Gruppe meinte, er würde ihm aufs Maul hauen, wenn er nicht die Fresse hält“, so Heike Stenger. Daraufhin hätte ihre Schwester diesen Mann zur Rede gestellt und sich „verbal zur Wehr gesetzt“. Die Diskussion sei noch eine Weile so weitergegangen, sie selbst hätte sich dabei zurückgehalten, dann sei die Gruppe verschwunden und mit Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes zurückgekehrt. „Ich bin 1,60 Meter groß und wiege 60 Kilo und plötzlich stand ich zwischen zwei riesigen Männern, fühlte mich bedrängt, wurde am Arm gepackt und es hieß: Raus, für dich ist der Abend vorbei“, erzählt Heike Stenger.
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Daraufhin hätte sie ebenfalls verbal ausgeteilt und sei dann zu Boden gerissen worden. „Andere Frauen, die das gesehen haben, wollten mir noch helfen, aber die hatten keine Chance.“ Sie und ihre Begleiter seien allesamt gewaltsam vor die Tür des Festzeltes gebracht worden. „Die Gruppe mit den Männern, die uns provoziert haben, blieb drinnen, wir Frauen wurden rausgeworfen. Für mich ist es schlimm, dass ich diese Form von Gewalt erleben musste. Das lasse ich so nicht auf mir sitzen“, sagt Heike Stenger. Noch vor Ort habe sie alles der Polizei geschildert, Anzeige erstattet und nun hoffe sie, dass Handy- und Videoaufnahmen ausgewertet würden und sie zu ihrem Recht komme.
Die Polizei, die beim Oktoberfest in Merchweiler dauerhaft vor Ort ist, weil Veranstaltungen dieser Größe – pro Abend kommen zwischen 2000 und 3000 Besucher – „störanfällig“ seien, bestätigt den Vorfall auf SZ-Anfrage. Laut Angabe eines Polizeisprechers sei es am Samstag zwischen beiden Gruppen zu verbalen Streitigkeiten gekommen, in deren Folge der Sicherheitsdienst eingegriffen hätte. Die Gruppe, zu der Heike Stenger zählte, sei vom Personal aus dem Zelt verwiesen worden, wobei mehrere Personen, auch vom Sicherheitspersonal, verletzt worden seien. Da die gesamte Situation auch vor dem Zelt „extrem aufgeheizt“ gewesen sei, hätte die Polizei der Gruppe einen Platzverweis ausgesprochen. Noch vor Ort sei es zu drei Strafanzeigen wegen Körperverletzung gekommen, sowohl vonseiten der Gruppe, als auch vonseiten des Sicherheitspersonals. Ansonsten haben es am ersten Wochenende des Oktoberfests „keine nennenswerten Vorfälle“ gegeben.
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Auch Max Geiger, Geschäftsführer des Veranstalters Alm-Events, betont, dass das erste Oktoberfest-Wochenende, wie auch in den Jahren zuvor, friedlich abgelaufen sei. Er selbst hätte zwar Kenntnis von dem Vorfall, sei aber kein Zeuge gewesen. „Das ist ein schwieriger Fall, und wir werden unser Bestmögliches tun, damit er aufgeklärt wird“, sagt Geiger gegenüber der SZ. Es sei selbstverständlich bedauernswert und nicht richtig, wenn Personen verletzt werden, sowohl im Falle von Gästen, als auch beim Personal. Mit dem Sicherheitsdienst, betont Geiger, arbeite sein Unternehmen schon seit Jahren sehr gut zusammen und noch nie sei es zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen.
Das sieht auch Michael Laggai, Inhaber des besagten Sicherheitsdienstes XXL-Sicherheitsservice, so. Zwar sei er vor Ort gewesen, zum Zeitpunkt des Vorfalls aber im Bühnenbereich, wo einer der Hauptacts des Abends, Isi Glück, kurz vor ihrem Auftritt stand. Laggai stellt sich schützend vor seine Mitarbeiter: „Wir sind ein zertifiziertes Unternehmen und seit 20 Jahren am Markt. Unsere Mitarbeiter sind alle geschult und nicht etwa irgendwelche Schläger“, so der Firmenchef. Bei dem Zwischenfall, sagt er, sei einer seiner Mitarbeiter derartig attackiert worden, dass dessen Sehne im Daumen gerissen sei.
Auch ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals, der namentlich nicht genannt werden möchte, bei dem Vorfall aber dabei war, wehrt sich dagegen, „dass wir hier als Schlägertrupp hingestellt werden“. Heike Stenger sei mehrfach gebeten worden, mit vors Zelt zu kommen, um dort „in Ruhe alles zu klären“. „Es ist immer unser Anliegen, zu deeskalieren. In dem Fall war es aber so, dass die Dame sich widersetzte und uns stattdessen verbal und auch körperlich attackierte.“ Er und ein weiterer Mitarbeiter hätten sie dann rechts und links in einen Griff genommen, „der es ermöglicht, Personen weitgehend schmerzfrei hinaus zu begleiten“ und aus dem Zelt geführt. Gegen den Vorwurf der Körperverletzung wehrt er sich entschieden. (cim)
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