Ein Schiffweiler suchte Gold und fand den Tod. Schuld soll der geheimnisvolle Schnallematz gewesen sein. Was hat es mit dem teuflischen Wesen wirklich auf sich?
Serie | Schiffweiler · Ein Schiffweiler suchte Gold und fand den Tod. Schuld soll der geheimnisvolle Schnallematz gewesen sein. Was hat es mit dem teuflischen Wesen wirklich auf sich?
27.09.2026 , 09:38 Uhr
Im Bereich des Mühlenbachs bei Schiffweiler wurde immer wieder nach einem Schatz gegraben. Die Sage von der Goldfalle spielte bereits auf das ältere Gerücht vom verborgenen Schatz an.
Foto: dpa/Harald Tittel1935 veröffentlichte der Sagensammler Lohmeyer eine Sage aus dem Raum Schiffweiler. Da er den Text im Dialekt niederschrieb, soll er hier ausführlich zitiert werden. Der Vetter Nickel, ein Mann aus Schiffweiler, besuchte Verwandte. „Iwe dämm Maie on Sproche is’m die Naacht of de Hals komm.“ Auf dem Heimweg, schon nahe Schiffweiler sah Nickel etwas funkeln. Als er näherkam, erblickte er eine Hecke, die wie Gold glänzte. „On of‘m Wä war’s net annrschder gewään, Stän on Stob, alles von Gold.“ Nickel bückte sich, um einen der Steine aufzuheben. „Baddauf! Do kridd er links on rechts e paar gelangt, daß’r Feijer im Schwooweland gesihn hat.“ Nickel wurde gestoßen, „daß’r of de Boddem schlaat wie e Sack.“ Benommen schwankte er schließlich nach Hause. „Drei Dach denno war der Vetter Nickel dod.“ Beim „Leiche-Ims“ fragten sich die Trauergäste, was den starken Mann umgebracht haben könnte. Eine alte Verwandte hatte eine Erklärung: „Ihr Leit, losse eich saan, der is kämm annere wie dämm Schnallematz in sei‘ Goldfall gang.“ Als Kind hatte die Frau gehört, dass der Schnallematz schon einmal einen Bauern aus Stennweiler mit der Goldfalle erwischt und „mitsamt seim Gefehrts metgeholl hat in die unnerscht Holl.“ Niemand hatte den Schnallematz je gesehen. Doch die alte Frau war sicher: „Herner hat‘r on e Pärdsfuß dezu.“
In dieser Geschichte sind mindestens zwei Erzählungen kombiniert worden. Die Geschichte von Nickel, der überall Gold sah und kurz darauf starb, kann durchaus auf eine wahre Begebenheit zurückgehen. Eine Sehstörung, bei der plötzlich alles gelb erscheint, ist als Xanthopsie bekannt. Sie kann Folge einer Vergiftung zum Beispiel mit Fingerhut oder mit Oleander sein. Solche Vergiftungen können zum Tod führen. Dass plötzlich alles gelbstichig gesehen wird, kann aber auch ein Symptom von Epilepsie sein. Dass Nickel glaubte, geschlagen zu werden, und schließlich bewusstlos zusammenbrach, mag man als epileptischen Anfall deuten.
Eine medizinische Erklärung allein greift aber zu kurz. Man muss die Sage von der Goldfalle im Zusammenhang mit anderen Geschichten aus Schiffweiler sehen. Diese sprachen von einem vergrabenen Schatz im Bereich Mühlenbach im Südwesten der Ortschaft. 1852 soll dort sogar nach einem Schatz gegraben worden sein. Zum Vorschein kam altes, vermutlich römisches Mauerwerk. Tatsächlich wurden in diesem Bereich immer wieder Reste römischer Besiedlung wie Ziegel entdeckt, angeblich auch Münzen. So erklären sich Gerüchte um eine ganze Stadt oder ein Kloster, die bei Schiffweiler gestanden haben sollen, aber angeblich in einem Krieg zerstört wurden. Ein geheimnisvolles Licht, das den Ort anzeigt, wo ein Schatz vergraben ist, soll sich nachts auch nordöstlich vom Ortskern Schiffweilers zeigen.
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Die Sage von der Goldfalle spielte bereits auf das ältere Gerücht vom verborgenen Schatz an. Die Sage präsentierte den Schatz als reine Illusion. Nickel fand kein echtes Gold. Es schien ihm nur, als seien wertlose Alltagsgegenstände aus Gold. Dass Nickel überall Gold sah, erklärte die Frau als teuflischen Trick. Die Illusion, dass man bei Schiffweiler Reichtümer finden könnte, kam vom Teufel. Der Schnallematz hatte Hörner und einen Pferdefuß: Offensichtlich war er der Teufel selbst. Der Teufel lockte immer wieder Leute in seine Goldfalle, wo er sie überfiel. Die Sage präsentierte den Teufel also als Verführer, der mit der Habgier der Menschen spielte, aber auch als brutalen Angreifer, der seine Opfer körperlich schädigte. Der plötzliche Tod Nickels und seine Halluzinationen wurden gedeutet, indem man sie in den Kontext der Schatzgeschichte stellte. Dann leitete man aus ihnen eine moralische Warnung vor teuflischer Verführung zur Habgier ab.
Schnallematz war ein sprechender Name, der dieses bösartige Wesen bereits charakterisierte. Vielleicht handelte es sich um eine Verballhornung von Schlamassel. Eine andere Deutung müsste eine Interpretation für das Wort Schnalle finden, das mit dem Vornamen Matz, also Matthias, kombiniert worden war. Das Wort Schnalle bezeichnete nicht nur die Gürtelschnalle. Es hatte im Sprachgebrauch des 18. und 19. Jahrhunderts mehrere Bedeutungen. Die Schnalle war alles, was etwas verschloss. Deshalb konnte Schnalle auch im Sinn von Falle verwendet werden. Schnalle konnte zudem Betrug bedeuten. Schnalle war auch ein derbes Schimpfwort für Prostituierte. Dann trüge der böse Schnallematz seine eigene Beschimpfung quasi schon im Namen. Welche Deutung zutrifft, lässt sich nicht mehr entscheiden. Für ein teuflisches Wesen war Schnallematz jedenfalls ein passender Name.
Für uns betont die Sage, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Tatsächlich kann der falsche Glanz sogar eine teuflische Falle sein. (lck)