Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Softwareentwicklung, sondern auch die Art und Weise, wie Fehler im Code aufgespürt werden. Ein neuer Bericht zeigt nun die konkreten Auswirkungen dieser Werkzeuge auf die IT-Sicherheit.
Die Google Threat Intelligence Group hat einen aktuellen Bericht zur Cybersicherheit veröffentlicht. Darin dokumentiert die Analyseeinheit eine Verdopplung der gemeldeten Softwareschwachstellen innerhalb weniger Monate.
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Im Januar 2026 registrierte Google noch 5.045 sogenannte Vulnerability Disclosures, während die Zahl im August bereits auf 10.740 anstieg. Wie der Bericht weiter ausführt, spielt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei dieser Entwicklung eine zentrale Rolle.
KI-Agenten finden veränderte FehlerprofileSicherheitsforscher:innen nutzen zunehmend autonome KI-Agenten, um komplexe Systeme auf Schwachstellen zu prüfen. Diese Werkzeuge decken strukturell andere Arten von Fehlern auf als herkömmliche Scanner.
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Laut der Analyse führen 50 Prozent der durch KI gefundenen Fehler zu einer Remotecodeausführung, bei der Angreifer:innen Code aus der Ferne ausführen können. Bei klassisch aufgespürten Lücken liegt dieser Anteil bei lediglich 26 Prozent.
Die Google-Einheit erklärt diesen Unterschied damit, dass Forschungsteams ihre KI-Werkzeuge gezielt auf kritische Infrastrukturen und Speicherfehler ansetzen. Die Systeme können tiefergehende logische Fehler in Programmiersprachen wie C identifizieren, die statische Analysetools übersehen.
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Die reine Anzahl der gemeldeten Schwachstellen wird laut dem Google-Bericht allerdings auch durch automatisierte Meldeprozesse beeinflusst. So verursachte allein der Begriff „Linux Kernel“ im laufenden Jahr rund 5.000 Einträge, ohne dass in diesem Zusammenhang eine einzige ausgenutzte Zero-Day-Schwachstelle registriert wurde.
Gleichzeitig sorgten konzentrierte Patch-Veröffentlichungen einzelner Anbieter für Spitzenwerte in der Statistik. Im August 2026 stammten 128 der als hochriskant eingestuften Schwachstellen aus den vierteljährlichen Updates des Technologieunternehmens Oracle aus dem US-Bundesstaat Texas sowie aus Netzwerktreiber-Advisories für Linux.
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Neben der reinen Entdeckung verändert sich auch die Ausnutzung der Schwachstellen durch böswillige Akteur:innen. Die Zahl der ausgenutzten Zero-Day-Lücken, für die es noch keine Fehlerbehebung gibt, stieg laut dem Bericht nur leicht von durchschnittlich acht auf elf pro Monat an.
Deutlich stärker wuchs hingegen die Ausnutzung von Fehlern mit hohem Risiko, sogenannten N-Days, die bereits bekannt und oft auch gepatcht sind. Hier stieg die Zahl der ausgenutzten Lücken von 28 im gesamten Jahr 2025 auf 75 zwischen Januar und August 2026.
Die Studienautor:innen vermuten, dass Angreifer:innen große Sprachmodelle einsetzen, um Produktversionen und Patch-Informationen automatisiert abzugleichen. Auf dieser Basis lassen sich bekannte Schwachstellen schneller in funktionsfähige Exploits umwandeln.
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Die Angriffe konzentrieren sich dabei weiterhin auf Perimeter-Appliances und exponierte Unternehmensdienste. Edge-Gateways stellen laut der Analyse einen primären Vektor für den initialen Zugriff dar.
Mehr als 65 Prozent der ausgenutzten Schwachstellen an diesen Netzwerkrändern fielen in die Kategorien mit hohem oder kritischem Risiko. Angreifer:innen zielen dabei primär auf unauthentifizierte, öffentliche Verwaltungsschnittstellen ab, um die blinden Flecken von Unternehmenssoftware auszunutzen.
KI-Infrastruktur als eigenes ZielDer Google-Bericht beleuchtet zudem Schwachstellen in der KI-Infrastruktur selbst. Von Januar 2025 bis August 2026 zählte die Analyseeinheit in diesem Bereich 2.076 gemeldete Fehler.
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Über 1.500 dieser Meldungen entfallen allein auf das laufende Jahr, wobei Orchestrierungs-Frameworks wie Langflow etwa die Hälfte der Fälle ausmachen. Diese visuellen Workflow-Builder beinhalten oft Knotenpunkte zur Codeausführung, die durch gezielte Eingaben manipuliert werden können.
Inferenz-Server im Fokus der Angreifer:innenWie Siliconangle berichtet, nutzen Angreifer:innen hier Techniken wie Prompt-Injections, um über die Systeme Schadcode einzuschleusen. Darüber hinaus verzeichnete Google 212 Meldungen zu Inferenz- und Serving-Software wie vLLM und Ollama.
Fast ein Viertel dieser Fehler ließ sich auf unauthentifizierte Programmierschnittstellen oder fehlerhafte Anfragenfälschungen auf der Serverseite zurückführen. Bislang hat die Google Threat Intelligence Group jedoch noch keine Zero-Day-Ausnutzung dieser KI-Infrastruktur beobachtet.
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Wenn Schwachstellen in KI-Middleware ausgenutzt werden, geschieht dies zumeist bei Systemen, die ungeschützt aus dem Internet erreichbar sind. In einem Fall dokumentierte das kalifornische Cybersicherheitsunternehmen Sysdig einen autonomen Ransomware-Angriff, der über eine ältere Schwachstelle in Langflow eindrang.
Solche zentralisierten KI-Gateways stellen eine doppelte Bedrohung dar. Einerseits legen kompromittierte Systeme Schnittstellenschlüssel und private Datenströme offen, andererseits dienen sie als initialer Ankerpunkt, um seitwärts in interne Cloud-Umgebungen einzudringen.
Neues Vorgehen beim Patch-ManagementAus den gesammelten Daten leitet die Analyseeinheit konkrete Empfehlungen für IT-Abteilungen ab. Das klassische, unpriorisierte Massen-Patching ist den veränderten Zeitabläufen demnach nicht mehr gewachsen.
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Stattdessen rät das Unternehmen dazu, Fehlerbehebungen auf Basis aktueller Bedrohungslagen zu priorisieren. Ein gezielter Schutz an den Netzwerkrändern bilde dabei die betriebliche Grundlage.
Softwareanbieter sollten zudem eigene KI-gestützte Code-Reviews durchführen, bevor sie Produkte ausliefern. Dadurch ließe sich das Wachstum der öffentlich gemeldeten Schwachstellen langfristig eindämmen.