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Wer jetzt baut, sollte Hitze und Starkregen mitdenken

Дата публикации: 13-08-2026 09:39:00

Außenliegender Sonnenschutz, gute Dämmung und Rückstausicherung können Schäden verhindern. Entscheidend ist, an den richtigen Stellen anzusetzen.

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Außenliegender Sonnenschutz, gute Dämmung und Rückstausicherung können Schäden verhindern. Entscheidend ist, an den richtigen Stellen anzusetzen.

Ich werde meistens gerufen, wenn der Schaden schon da ist. Wasser im Keller nach einem Sommergewitter, Schlafzimmer unterm Dach, die im August nicht unter 28 Grad kommen. Das muss nicht sein. Wer heute baut oder saniert, kann sein Haus mit überschaubarem Aufwand gegen die beiden neuen Gegner rüsten: die Hitze und das Wasser.

Als Bausachverständiger sehe ich seit einigen Jahren dieselben zwei Schadensbilder immer häufiger. Gebäude, die im Sommer zur Sauna werden, und Gebäude, die einem Starkregen nichts entgegenzusetzen haben. Beides ist Folge eines Baustandards, der für ein Klima gemacht wurde, das es so nicht mehr gibt.

Tobias Beuler ist Bausachverständiger, mehrfacher Spiegel-Bestseller-Autor („Bau keinen Scheiß“) und YouTube-Host. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

2024 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, und die Starkregen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Kanalisation an ihre Grenzen kommt. Die gute Nachricht: Für beide Probleme gibt es klare, bezahlbare Antworten. Ich sortiere sie nach den beiden Gegnern.

Die Hitze draußen halten, bevor sie drin ist

Der wichtigste Satz zum Hitzeschutz lautet: Wärme abwehren ist zehnmal einfacher, als sie später wieder herauszubekommen. Eine Klimaanlage bekämpft das Symptom und treibt die Stromrechnung. Kluges Bauen setzt vorher an:

  • Sonnenschutz gehört nach außen: Das ist die mit Abstand wirksamste Einzelmaßnahme und die, bei der am meisten falsch gemacht wird. Ein außenliegender Sonnenschutz, also Rollläden, Raffstores oder Markisen, hält einen Großteil der Sonnenenergie ab, bevor sie überhaupt durch die Scheibe kommt. Innenliegende Jalousien oder Plissees bringen dagegen wenig, weil die Wärme da schon im Raum ist und nur noch hin und her reflektiert wird. Wer nur ein Budget für eine Maßnahme hat, steckt es in außenliegende Verschattung an der Süd- und vor allem an der Ost- und Westseite. Die Morgen- und Abendsonne heizt flach ein und wird oft unterschätzt.
  • Dämmung wirkt in beide Richtungen: Viele denken bei Dämmung nur an den Winter. Eine gute Dämmung von Dach und oberster Geschossdecke hält im Sommer die Hitze genauso draußen, wie sie im Winter die Wärme drinnen hält. Gerade das ungedämmte oder schlecht gedämmte Dachgeschoss ist der klassische Hitzestau. Wenn Sie ohnehin sanieren, ist die Dämmung der Bauteile, die der Sonne am stärksten ausgesetzt sind, doppelt sinnvoll.
  • Speichermasse und Nachtlüftung nutzen: Massive Bauteile aus Beton, Ziegel oder Kalksandstein puffern Wärme und geben sie zeitverzögert ab. In Kombination mit konsequenter Nachtlüftung, also Querlüften in den kühlen Stunden zwischen 22 und 6 Uhr, kühlt das Haus über Nacht aus und startet morgens mit einem Vorsprung in den nächsten heißen Tag. Tagsüber bleiben die Fenster dann geschlossen. Genau umgekehrt, als es die meisten machen.
  • Den Dachüberstand großzügig planen: Wer neu baut oder das Dach ohnehin saniert, sollte den Dachüberstand vergrößern. Ein weit vorgezogenes Dach wirkt wie ein großer Schirm: Es hält den Regen vom Gebäude fern und schützt zugleich die Fassade vor der Sonne, sodass sie sich weniger aufheizt. Zwei Fliegen mit einer Klappe, und genau deshalb steht dieser Punkt zwischen den beiden Gegnern. Wo das Dach eng an der Wand endet, prasselt der Regen direkt auf die Fassade und die Mittagssonne trifft ungebremst auf die oberen Fenster. Ein großzügiger Überstand nimmt beidem die Wucht.
  • Helle Oberflächen und Begrünung: Helle Fassaden und Dächer reflektieren Sonnenlicht, dunkle schlucken es. Schon die Farbwahl macht einen messbaren Unterschied. Noch mehr bringt Grün: Ein begrüntes Flachdach oder eine Fassadenbegrünung kühlt durch Verdunstung, schützt die Bauteile und speichert nebenbei Regenwasser. Damit sind wir beim zweiten Thema, denn hier greifen Hitze- und Wasserschutz ineinander.

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Das Wasser gehört in den Boden, nicht in den Keller

Beim Starkregen gilt eine ähnliche Logik. Sie wollen das Wasser vom Gebäude fernhalten und dort versickern lassen, wo es fällt, statt es der überlasteten Kanalisation zu übergeben. Die Fachnormen, die DIN 1986-100 für die Regenentwässerung, rechnen längst mit selteneren, aber heftigeren Regenereignissen. Der Neubaustandard von vor 20 Jahren reicht nicht mehr.

  • Rückstauklappe und Rückstauebene – der billigste Lebensretter für den Keller: Wenn die Kanalisation vollläuft, drückt das Wasser zurück in die Leitungen und kommt über Toilette, Dusche oder Bodenablauf im Keller wieder heraus. Eine Rückstausicherung, also eine Rückstauklappe oder besser eine Hebeanlage für die Entwässerungsstellen unterhalb der sogenannten Rückstauebene, verhindert genau das. Das kostet im Vergleich zu einem vollgelaufenen Keller fast nichts und ist trotzdem in unzähligen Häusern nicht vorhanden oder seit Jahren nicht gewartet. Prüfen Sie das als Erstes.
  • Keller abdichten, Lichtschächte erhöhen: Oberflächenwasser sucht sich den tiefsten Punkt, und das ist oft der Kellereingang oder der Lichtschacht. Erhöhte Lichtschachtaufsätze, wasserdichte Kellerfenster und eine ordentliche Abdichtung, im Neubau bei drückendem Wasser die weiße Wanne aus wasserundurchlässigem Beton, halten das Wasser draußen. Achten Sie außerdem darauf, dass das Gelände rund ums Haus leicht vom Gebäude weg abfällt. Ein Gefälle zum Haus hin ist ein häufiger, teurer Planungsfehler.
  • Entsiegeln und versickern lassen: Jede zubetonierte Fläche schickt ihr Wasser in die Kanalisation. Wer Einfahrt und Wege wasserdurchlässig gestaltet, mit Rasengittersteinen, wassergebundener Decke oder Sickerfugen, und wer eine Versickerungsmulde oder eine Rigole im Garten anlegt, macht sein Grundstück nach dem Schwammstadt-Prinzip aufnahmefähig. Das Wasser versickert vor Ort, statt Ihren und den Keller der Nachbarn zu bedrohen. Eine Zisterne oder ein Gründach als Zwischenspeicher wirken in dieselbe Richtung und liefern im nächsten Hitzesommer Gießwasser.
Beginnen Sie mit Rückstausicherung und Sonnenschutz

Wenn Sie mich nach der Reihenfolge fragen: Prüfen Sie zuerst die Rückstausicherung, denn sie kostet wenig und verhindert den teuersten Einzelschaden. Investieren Sie dann in außenliegenden Sonnenschutz an Ost, Süd und West.

Nehmen Sie Dämmung, einen größeren Dachüberstand, Begrünung und Entsiegelung mit, wenn ohnehin gebaut oder saniert wird, dann sind sie am günstigsten. Klimaresilient zu bauen heißt nicht, ein Hightech-Haus zu errichten. Es heißt, das Wasser in den Boden zu lenken und die Sonne vor der Scheibe zu stoppen. Beides konnten unsere Großeltern schon, wir haben es nur verlernt.

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