Bei dem Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv kommt es im Cockpit zum Kampf. Der Co-Pilot versucht, gewaltsam das Flugzeug unter seine Kontrolle zu bringen. In letzter Minute gelingt es, seinen Plan zu vereiteln. Eine Rekonstruktion.
Bei dem Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv kommt es im Cockpit zum Kampf. Der Co-Pilot versucht, gewaltsam das Flugzeug unter seine Kontrolle zu bringen. In letzter Minute gelingt es, seinen Plan zu vereiteln. Eine Rekonstruktion.
01.10.2026, 17.58 Uhr
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Seit dem Start in Dubai sind gut zwei Stunden vergangen, als der Flydubai-Flug FZ1073 nach Tel Aviv am Mittwoch abrupt an Höhe verliert. Passagiere schreien in Panik, während die Boeing 737 Max in den Sturzflug geht. Fluggäste berichten später von einem Moment der Schwerelosigkeit wie in einer Achterbahn. Flugdaten bestätigen, dass die Maschine in nur einer Minute um 17 400 Fuss (5300 Meter) absackt. Kurz steigt sie wieder an, bevor sie erneut an Höhe verliert und sich schliesslich stabilisiert.
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In den vorderen Reihen der Kabine hören sie Schreie aus dem Cockpit, dann öffnet sich die Tür. Mehrere israelische Passagiere versuchen, ins Cockpit zu gelangen, doch stossen sie dabei auf Widerstand. Der Grund: Hinter der Tür liegt blutüberströmt der indische Pilot Smit Machchhar. Sein Co-Pilot hat ihm mit einem Messer oder einem anderen scharfen Objekt schwere Verletzungen an Kopf und Händen zugefügt. Machchhar hat es gerade noch geschafft, die Tür zu entriegeln, bevor er zusammengebrochen ist.
Der Passagier Yaniv Hayun, der mit ins Cockpit eindringt, berichtet später dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, der Co-Pilot habe versucht, die Steuerinstrumente zu zerstören, um das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Hayun habe ihn in den Schwitzkasten genommen und aus dem Cockpit gezerrt. Dann habe er das Flugzeug am Steuerknüppel hochgezogen, wie er es in einer Fernsehshow gesehen habe, sagt Hayun. So habe sich das Flugzeug stabilisiert.
X/Manniefabian
Zwei andere Piloten der Airline, die mit an Bord sind, übernehmen daraufhin die Kontrolle des Flugzeugs. Mehrere Passagiere helfen, den Co-Piloten zu überwältigen und mit Kopfhörerkabeln und Kabelbindern zu fesseln. Unter ihnen ist der Zahnarzt Shota Musaev. Er hilft, den verletzten Piloten notdürftig zu versorgen. Musaev sagt später, der Pilot habe Schnitte an Kopf und Händen gehabt – diese seien fast komplett durchtrennt gewesen – und viel Blut verloren. Pilot und Co-Pilot wurden während des Fluges im Bereich zwischen Cockpit und Kabine versorgt.
Trotz Schäden am Heck landet das Flugzeug sicher in TabukUm 8 Uhr 31 sendet das Flugzeug laut der Plattform Flightradar24 das allgemeine Notfallsignal 7700, sieben Minuten später dann den Transpondercode 7500, der einen unrechtmässigen Eingriff signalisiert. Zu diesem Zeitpunkt ist das Flugzeug noch über Saudiarabien nahe der Grenze zu Jordanien. Ein Kampfjet der saudiarabischen Luftwaffe steigt auf, da eine Entführung befürchtet wird. Auch aus Israel werden Jets geschickt, doch drehen sie ab, bevor sie Saudiarabien erreichen. Nach einer Schlaufe über Jordanien kehrt die Boeing nach Saudiarabien zurück.
Obwohl die Boeing bei dem abrupten Sturzflug das Seitenruder im Heck fast komplett verloren hat, gelingt es den beiden Ersatzpiloten, die Maschine auf dem internationalen Flughafen von Tabuk im Nordwesten von Saudiarabien zu landen. Um 9 Uhr 45 ist Flug FZ1073 wieder sicher am Boden, und die Passagiere und Crewmitglieder können aufatmen. Der Pilot Machchhar wird schwer verletzt ins Spital gebracht, während der gefesselte Angreifer den saudiarabischen Behörden übergeben wird.
Netanyahu würdigt den indischen Piloten Machchhar als «wahren Helden», der das Leben der mehr als 170 Menschen an Bord gerettet habe. Obwohl schwer verletzt, habe sich der Pilot zur Wehr gesetzt, die Tür zum Cockpit geöffnet und so Passagieren und Crewmitgliedern ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen und eine Katastrophe zu verhindern. Hätte Machchhar nicht die schusssichere Tür geöffnet, wäre es tatsächlich kaum möglich gewesen, von aussen ins Cockpit einzudringen.

Israelisches Aussenministerium / Reuters
Machchhar stammt aus Mumbai und arbeitet seit 2022 für Flydubai. Laut indischen Medienberichten hatte er zunächst Textilwirtschaft studiert, um die Textilfirma der Familie zu übernehmen, sich aber mit 19 entschieden, Pilot zu werden. Nach der Ausbildung in Neuseeland heuerte er bei der indischen Billigfluggesellschaft Spicejet an, für die er elf Jahre lang arbeitete, bevor er zu Flydubai wechselte. Dort ist er für die Ausbildung anderer Piloten mit zuständig. Mit 9750 Flugstunden ist er ein erfahrener Pilot. Zuletzt lebte er mit seiner Familie in Dubai.
Über den Angreifer ist wenig bekannt. Es wurde bisher nur mitgeteilt, dass er omanischer Staatsbürger sei. Er soll streng religiös sein. Eigentlich dürfen in Israel nur Piloten landen, die aus Ländern stammen, die mit Israel diplomatische Beziehungen unterhalten. Bei Oman ist dies nicht der Fall. Israel prüft daher nun, ob die Fluggesellschaft Flydubai aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gegen die Regeln verstossen hat. Alle Flüge der Airline nach Israel wurden nach der Beinahe-Katastrophe am Mittwoch ausgesetzt.
Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauern an. Die staatliche Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate mahnte, die Hintergründe seien noch unklar, und warnte vor «voreiligen Spekulationen». Neben einem Terroranschlag ist auch ein Suizidversuch des Co-Piloten denkbar. Es wird erwartet, dass der Angreifer in Kürze von Saudiarabien an die Vereinigten Arabischen Emirate überstellt wird, da das Flugzeug von dort stammte.
In Indien wird der Pilot Machchhar derweil als Held gefeiert. Indiens Premierminister Narendra Modi lobte seinen Mut und seine Geistesgegenwart, die geholfen habe, in Israel einen ähnlichen Anschlag wie am 11. September 2001 zu verhindern und viele Menschenleben zu retten. Sein Handeln habe alle Inder stolz gemacht, erklärte Modi. Die indische Botschaft in Riad teilte mit, Machchhar sei im Spital in Tabuk in Behandlung, sein Zustand sei stabil. Seine Angehörigen sind laut Medienberichten an seiner Seite.
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