Vier Spiele, ein Sieg – aber über 40 Spieler, die sich Jürgen Klopp präsentieren durften. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer. Und klare Klopp-Kriterien.
Vier Spiele, nur ein Sieg – aber über 40 Spieler, die sich Jürgen Klopp im großen DFB- Casting präsentieren durften. Dabei bilden sich Gewinner und Verlierer heraus. Und klare Klopp-Einstellungskriterien.
Im Video: Klopp feiert trotz 0:0: „Bin sehr, sehr, sehr angetan“
Jürgen Klopp war verzückt. „Den ersten Schritt haben wir gemacht. Und als Fazit kann ich sagen: Damit bin ich super-happy. Ich hätte nicht gedacht, dass nach einer Woche mit dieser Gruppe so ein Fußball möglich ist“, sagte der Bundestrainer zum Abschluss des Nations-League-Viererpacks, dem 0:0 von Deutschland in Griechenland.
Vielleicht war Klopp mit dem Gesehenen so glücklich, weil im schwierigen Auswärtsspiel von Thessaloniki eine Hälfte lang echter Klopp-Fußball geboten wurde. Also: Fußball nach seinen Prinzipien. Später formulierte der 59-Jährige im RTL-Interview so etwas wie Einstellungskriterien für die DFB-Stars der Zukunft:
„Es geht um die Art und Weise, wie wir spielen. Wenn wir kollektiv so verteidigen wie heute, dann können die Jungs auf einmal kicken. Dass sie sich so darauf eingelassen haben, darüber bin ich echt glücklich. Das wird die Basis sein. Für jeden, der bereit ist, diese Art Fußball zu spielen, steht die Tür sperrangelweit offen.“
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Aus diesem Klopp-Gesetz leiten sich Gewinner und Verlierer des 44-Mann-Castings ab.
Torwart Jonas Urbig bestritt zwei Länderspiele ohne Gegentor, gegen Griechenland zeigte er eine spektakuläre Parade. Beim FC Bayern ist Urbig noch Azubi von Manuel Neuer, im Nationalteam erarbeitete sich der frühere Kölner schnell einen Status: Aus dem WM-Trainingstorwart wurde ein echter Kandidat für die Nummer eins. Das Duell mit Routinier Marc-André ter Stegen dürfte spannend werden.
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Von den jungen Herausforderern überzeugten neben Urbig besonders Mittelfeldmann Tom Bischof, Rechtsverteidiger Philipp Treu sowie der offensive Linksaußen Derry Scherhant; auch der regelmäßig berücksichtigte Bambasé Conté darf sich auf weitere Berufungen freuen.
Aleksandar Pavlovic beeindruckte im Zusammenwirken mit Bischof sowie Florian Wirtz, der sich deutlich verbessert präsentierte. In der Abwehrkette gefielen speziell Yann Aurel Bisseck, Malick Thiaw und Waldemar Anton, während sich Maximilian Mittelstädt auf der linken Seite zurückmeldete.
Als größter Verlierer des Klopp-Auftakts gilt DFB-Kapitän Joshua Kimmich, der nach zwei Partien gen Heimat entsandt wurde – obwohl er partout nicht wollte. Die Debatte gärt, obgleich Klopp sie kleinzuhalten versucht. Kimmich ist nicht mehr unantastbar.
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„Klopp hat ihn ein bisschen rausdelegiert“, sagte Ex-Kapitän Michael Ballack bei RTL. Torwart-Legende Oliver Kahn meinte, Kimmich hatte „das Pech, in Nationalmannschaften zu spielen, die nicht besonders erfolgreich waren. Für eine Führungsfigur wie Joshua ist es schon wichtig, dass die anderen zu ihm aufschauen. Dafür fehlen ihm diese Erfolge.“ Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bleibt Kimmich „gesetzt, wenn er die Leistung bringt“. Sind andere auf seiner Position aber stärker, „wird Kimmich es schwer haben“.
Dasselbe trifft – selbstredend in anderen Maßstäben – auf diverse DFB-Novizen zu. „Alle haben ihre Berechtigung, dabei zu sein. Jeder hat sich gezeigt“, bemerkte Klopp zwar. Allerdings spielten die Torhüter Noah Atubolu und Finn Dahmen ebenso keine Sekunde wie Max Rosenfelder, Ridle Baku, Finn Jeltsch und Felix Keidel.
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Zwei Minuten Einsatzzeit erhielt Vitaly Janelt, sechs waren es bei Hennes Behrens, zehn bei Yannik Engelhardt, 20 bei Mika Baur und unwesentlich mehr bei den eigentlich etablierteren Chris Führich (26) sowie Anton Stach (32).
Indes ersetzte Nadiem Amiri den kurzfristig ausgefallenen Jamal Musiala in den Niederlanden, hervortun konnte er sich nicht. Treu stach Josha Vagnoman im Quervergleich aus, Kevin Schade stand zweimal in der Startelf, fiel jedoch eher ab statt auf. Ohnehin waren drei Tore in vier Partien – von den Mittelfeldspielern Felix Nmecha, Bischof und Wirtz – kein Qualitätssiegel der DFB-Stürmer.
Bitte nicht falsch auffassen: Natürlich sind Figuren wie Baur oder Behrens keine „Verlierer“ im klassischen Sinn. Es geht allein um die Frage, wer wiederkommen darf, wenn das Aufgebot im November auf „23, 24 Spieler“ reduziert wird, wie Klopp mit Blick auf die nächsten Nations-League-Spiele gegen Serbien und die Niederlande sagte.
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Es sei lamentiert worden, dass der deutsche Fußball „im Keller“ sei und „kein Talent“ habe, sagte der Bundestrainer in Thessaloniki.
„Ich habe in zwei Wochen mit 44 deutschen Fußballspielern zusammengearbeitet, denen fehlt ganz sicher kein Talent. Wir können verschiedene Dinge besser, als man momentan glaubt. Das freut mich sehr, weil wir das Zeichen auch haben wollten. Wir möchten etwas verändern, wir möchten etwas anschieben – das habe ich auf jeden Fall gesehen.“
Er habe nun „ganz viele Alternativen auf Positionen“, ja einen „Pool“ an Akteuren, die möglicherweise noch mit Spielern aus der U21-Nationalmannschaft ergänzt werden könnten. Zudem mit Profis, die sich in den nächsten Wochen durch „tolle Leistungen“ in ihren Vereinen empfehlen können.
Der Anfang ist vollbracht. Jetzt wird sich zeigen, wer durch Klopps Raster fällt – und wer nicht.
„Leider fehlt Deutschland mal wieder ein Knipser“
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