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Kimmich ist unter Klopp nicht länger unantastbar

Дата публикации: 29-09-2026 15:24:00

Joshua Kimmich steht in der DFB-Auswahl einmal mehr in der Kritik: Der Kapitän sei zu alt und zu langsam. Was ist dran? Die Analyse.

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Joshua Kimmich steht in der DFB-Auswahl einmal mehr in der Kritik: Der Kapitän sei zu alt und zu langsam. Was ist dran? Die Analyse.

Wenn man ein Symbolbild für die anhaltende Talfahrt der deutschen Nationalmannschaft sucht, ist man schnell bei Joshua Kimmich. Der Start in die Ära Jürgen Klopp unterstreicht dabei: Unantastbar ist der DFB-Kapitän nicht mehr.

Kimmichs traurige DFB-Titelausbeute

Zunächst ein Blick auf die Fakten: Mit 116 Länderspielen steht er auf Platz sieben der ewigen DFB-Bestenliste. Als einer von nur 14 Spielern hat er eine dreistellige Länderspielsammlung – im Gegensatz zu seinen 13 Kollegen hat er aber nie mindestens einmal die Welt- oder Europameisterschaft gewonnen.

Der 31-Jährige hingegen holte nur einen „Mini-Titel“, den Confed Cup 2017 – damals als einziger Bayern-Profi, weil er im Verein unter Carlo Ancelotti nur zweite Wahl war. Im Jahr zuvor war er mit einem Großteil der Weltmeister von 2014 bei der EM im Halbfinale ausgeschieden.

Doch danach ging es bergab mit der DFB-Auswahl, mit Ausnahme des EM-Viertelfinals 2024 scheiterte das einstige Erfolgsteam bei vier der fünf Turniere frühzeitig und meist kläglich. Immer dabei: Joshua Kimmich.

Joshua Kimmich 2017 mit seinem bis heute einzigen Pokal mit Deutschland

Joshua Kimmich 2017 mit seinem bis heute einzigen Pokal mit Deutschland Imago

„Der Kapitän ist das Gesicht von Deutschlands Krise“, schrieb nicht nur die „Zeit“ nach dem WM-Debakel im Sommer.

Kimmich kämpft nach erneutem WM-Desaster

„Für mich war es das härteste Ausscheiden. Es ist zum dritten Mal passiert, diesmal in einer anderen Rolle. Deshalb hat es mich noch stärker getroffen“, sagte Kimmich vor dem Neustart unter Jürgen Klopp:

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„Das kann man nicht rückgängig machen. Aber man kann dafür sorgen, dass es in Zukunft anders läuft. Darauf richte ich meine Energie und meinen Fokus. Wir werden alles dafür tun, den Menschen wieder Freude zu bereiten.“

Ans Aufhören dachte der alte und neue Spielführer nie, dafür bedeutet ihm die Nationalelf viel zu viel. Doch dass die Wende auch unter Klopp kein Selbstläufer wird, ist spätestens seit dem auf allen Ebenen enttäuschenden 0:1 am Sonntag gegen Griechenland klar.

Das große Tempodefizit

Auch Kimmich stand danach einmal mehr in der Kritik. Weil er zwar ähnlich wie im Verein permanent am Ball war (152 Kontakte, 128 Pässe), aber mit Ausnahme eines Steilpasses zur Großchance von Karim Adeyemi zu häufig das Spiel verlangsamte, statt es schnell zu machen.

„Mit seinem Tempodefizit ist Kimmich im Kloppschen Ideal-Fußball keine Idealbesetzung“, analysierte der „Kicker“.

Das zeigte auch die Statistik: Von Pässen mit Raumgewinn kamen nur sechs von 19 an (31,5 Prozent), von Pässen in den Strafraum gerade mal zwei von elf (18 Prozent).

Joshua Kimmich im Spiel gegen Griechenland

Joshua Kimmich im Spiel gegen Griechenland Imago

Ein gefundenes Fressen für Kimmichs Kritiker, allen voran Mario Basler, der schon seit Jahren kein gutes Haar am Münchner lässt.

„Kimmich hat jedes Mal, in jedem Spiel gefühlt die meisten Ballkontakte, aber weil er auch überall hinrennt“, meinte der Ex-Nationalspieler in seinem Podcast:

„Ich sage seit Monaten, wenn nicht sogar schon seit Jahren: Kimmich ist kein Weltklasse-Spieler. Der ist ein normaler Mittelfeldspieler, der aber gefühlt wieder alle Eckbälle, alle Freistöße, alles schießen will und überall rumhüpft. Und ich finde, da muss auch Jürgen Klopp in Zukunft eingreifen, weil der Fußball wird uns so nicht weiterbringen, wenn Kimmich den Ball durchs Mittelfeld dribbelt und das Spiel langsam macht.“

Ein hartes Urteil, das man nicht teilen muss, aber auch nicht komplett an der Realität vorbeigeht. Zumal Kimmich anhand der Negativserie der deutschen Mannschaft zumindest der generellen Kritik an der fehlenden Klasse kaum mehr widersprechen kann.

Deutschland nur noch Mittelmaß – auch wegen Kimmich?

Deshalb gab er am Sonntag auch seinem einstigen Teamkollegen Bastian Schweinsteiger recht, dass Deutschland im Fußball nur noch Mittelmaß sei: „Das müssen wir so sagen. Eine Top-Mannschaft zeichnet aus, dass sie vermeintlich schwächere Gegner schlägt und die vermeintlichen Top-Teams schlägt. Wir haben die Niederlande nicht geschlagen und heute verloren.“

Doch an Kimmich allein liegt das natürlich nicht. Schließlich zeigt er beim FC Bayern seit Jahren im zentralen Mittelfeld als Antreiber und Ballverteiler seine Qualitäten. Aber vermutlich ist er aus mehreren Gründen in Vincent Kompanys System auch besser aufgehoben.

Tatsache ist seine fehlende Geschwindigkeit, weshalb er bei der WM als Außenverteidiger gegen schnelle Gegenspieler erhebliche Probleme hatte. Im Mittelfeld ist dieses Defizit jedoch am ehesten zu kompensieren, auch im Klopp-Fußball. Schließlich gewann der frühere Liverpool-Coach mit dem kaum schnelleren Fabinho im Zentrum die Champions League und die englische Meisterschaft.

Wie passt Kimmich ins Klopp-System?

Allerdings will Klopp in einem 4-3-3 statt wie bei Bayern einem 4-2-3-1 spielen, sodass Kimmich keinen Nebenmann mehr im defensiven Mittelfeld hat wie Aleksandar Pavlovic im Klub. Felix Nmecha jedenfalls war gegen Griechenland viel zu oft zu offensiv unterwegs, um Kimmich in der Rückwärtsbewegung helfen zu können. Und der dritte Mittelfeldspieler ist ohnehin in der Regel offensiv ausgerichtet.

Bleibt die Frage, ob Kimmich in der DFB-Elf wie schon als Rechtsverteidiger unter Julian Nagelsmann auch unter dessen Nachfolger nicht auf der Position spielen kann, auf der er sich am wohlsten fühlt und am stärksten ist. Und ob das dann in der Konsequenz dazu führen könnte, dass andere ihm seine Rolle im Mittelfeld streitig machen.

Felix Nmecha und Joshua Kimmich (v.l.)

Felix Nmecha und Joshua Kimmich (v.l.) Imago

So wie bei der WM etwa Nmecha und Pavlovic, zudem drängt auch U21-Kapitän und Klubkollege Tom Bischof nach sowie weitere Youngster wie die Premier-League-Profis Anton Stach und Vitaly Janelt.

„Welchen Plan hat Klopp mit Kimmich?“, fragte die „Süddeutsche Zeitung“ schon vor den Länderspielen und verwies darauf, dass er inzwischen der älteste Feldspieler im Kader ist. Dem nur ein Jahr älteren Matthias Ginter hatte Klopp trotz dessen Topform sinngemäß erklärt, er sei mit Blick auf die EM 2028 zu alt für die Nationalmannschaft.

Unersetzlich is Kimmich unter Klopp nicht mehr

Dass Kimmich nicht unersetzlich zu sein scheint, zeigt der Verzicht Klopps auf seinen Kapitän in den kommenden beiden Nations-League-Spielen, wobei die nächste Partie gegen Serbien auch noch in Kimmichs „Wohnzimmer“ stattfindet, in der Allianz Arena.

Doch offenbar konnte der Routinier seinen neuen Boss nicht umstimmen. „Ich hatte bis zuletzt ein bisschen gehofft, zu bleiben und wäre natürlich gerne geblieben“, gab Kimmich offen zu. Die ungewohnte Zuschauerrolle beim DFB sei „schwierig“ für ihn.

Im Gegensatz zu Basler halten andere Experten die Entscheidung für falsch. Er hätte ihn für alle Begegnungen nominiert, kritisierte Lothar Matthäus bei Sky: „Kimmich ist immer on fire. Er ist der absolute Leader dieser Nationalmannschaft.“

Allerdings sieht auch der Rekordnationalspieler ein entscheidendes Problem in Kimmichs Vita: „Er selbst hat bei Bayern den Unterschied ausgemacht, aber im DFB-Team bisher noch nicht.“

  • Dieser Text erschien zuerst auf ran.de

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