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Die Kunst der Woche: Das funktionslose Ding

Дата публикации: 05-05-2026 07:30:00

Ob mit Fett auf Glas oder Öl auf Leinwand: Im Projektraum „schon“ wie auch bei Vivian Zhang in der Galerie Max Hetzler geht es um den Shift zur Abstraktion. mehr...

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Ob mit Fett auf Glas oder Öl auf Leinwand: Im Projektraum „schon“ wie auch bei Vivian Zhang in der Galerie Max Hetzler geht es um den Shift zur Abstraktion.

Bild einer Fensterscheibe, die vom Künstler Martin Doerr mit Industriefett beschmiert wurde Das Straßenbild wird optisch zerlegt wie bei einem kubistischen Gemälde: Martin Doerr in der Ausstellung „Value Shuttles. 1+1=3“

Foto: „schon“, 2026

Z iemlich weit weg vom gerade erst überstandenen Gallery-Sellerie-Weekend-Trouble, geradezu darüber erhaben ist der Projektraum „schon“. Nicht weit entfernt von der Storkower Straße liegt der sympathisch zwischen DDR und 90er Jahren hängengebliebene Ort, wo man vor einigen Jahren ein Reihenhaus-Suburbia hinter Friedrichshainer Mietskasernen fehlgeplant hat: eigentlich das Atelier des Malers Gunter Reski. In der Ausstellung „Value Shuttles. 1+1=3“ geht es zunächst radikal simpel zu.

Etwa bei den abstrakten Computergrafiken von Horst Bartnig, die auch ein unbekanntes Stück DDR-Kunstgeschichte zeigen. Auf einfachem Papier lagert Bartnig die Umrisse von Rechtecken zu wabernden Oberflächen übereinander und nebeneinander. Für seine Proto-KI-Kunst verwendete er 1985 Hochleistungsrechner der DDR, mithilfe eines „Programmautors“, wie damals ein Informatiker bezeichnet wurde. In Kleinstarbeit hat Carla Nagel aus Formularen und anderen Amtsausdrucken die Buchstaben ausgeschnibbelt und aus ihrem Kontext herausgelöst. Neu auf Papier geklebt, formen sie florale Muster, werden zur schönen Oberfläche.

Auch die Aluminiumröhren oder Scharniere verlieren ihre Funktion, hat Hans-Christian Lotz sie einmal in dem Format eines mittelgroßen Gemäldes angeordnet. Jetzt sind die industriellen Materialien nur noch nutzloses Objekt der ästhetischen Betrachtung, des Kant’schen „interesselosen Wohlgefallens“.

Die Ausstellungen

schon: „Value Shuttles. 1+1=3“. Mit Horst Bartnig, KP Brehmer, Martin Doerr, Hans-Christian Lotz, Carla Nagel und Suse Weber. Schreinerstr. 16, Fr. 16-19 Uhr, bis 29. Mai

Galerie Max Hetzler: „Field Conditions“. Vivian Zhang. Goethestr. 2/3, Di. – Sa. 11 – 18Uhr, bis 27. Juni

Wie ein kubistischer Zeichentrickfilm

So klein die Ausstellung ist, sie trifft ein großes Thema der Kunsttheorie, geht es hier doch um die Verschiebungen von Funktion zu Funktionslosigkeit, vom Konkreten zum Abstrakten. Martin Doerrs Raumintervention funktioniert darin hervorragend: Er hat auf das Schaufenster mit Industriefett ein geometrisches Muster geschmiert. Alles, was sich hinter dem Fenster auf der Straße abspielt, wird dadurch optisch zerlegt, als liefe ein kubistischer Zeichentrickfilm an der Fensterscheibe ab.

Gemälde von Vivian Zhang Authentische, dekonstruierte Blume: Vivian Zhang: „Tectonic Burst“, 2026, Acryl und Öl auf Leinen

Foto: Jack Hems; © Vivien Zhang, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.

Einen Shift vom Konkreten zum Abstrakten macht auch Vivien Zhang in der Galerie Max Hetzler. Hier aber mit farbintensiver, kontrastreicher Malerei. Man muss schon einen gewissen Mut aufbringen, so kitschig geltende Motive wie Blumen und Schmetterlinge derart aufs große Format zu ziehen. Sie sehen aus wie mit Photoshop zusammencollagiert, sind voller Glitches. Zhang nutzt auch solche Vorlagen. Auf die Leinwand überträgt sie jedoch alles per Hand – mal aquarellig verschwommen, mal scharf voneinander abgesetzt.

Herkunft, Identität und Authentizität – auf Zhangs Gemälden sind es keine klaren Dinge

Und so führt die in London lebende Künstlerin schon formal zur Frage nach Original und Fälschung, um die es hier auch inhaltlich geht. Denn die dargestellten Blüten gelten in bestimmten Geografien als heimisch, dienen zur Identifikation mit einem Ort, obwohl man sie manchmal nur von Fotos her kennt.

Die Schmetterlinge hingegen sind migrierende Arten, die das Muster ihrer Flügel an die neue Umgebung anpassen können. Herkunft, Identität und Authentizität – auf Zhangs Gemälden sind es keine klaren Dinge.

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