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Konzertempfehlungen für Berlin: Die Muster sind angeschlagen

Дата публикации: 16-04-2026 09:43:00

Ein Festival feiert „Crippled Symmetries“, Julianna Barwick und Mary Lattimore nehmen Tempo raus, Bitchin Bajas gehen auf Reise und Sinopoli wird geehrt. mehr...

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Tim Caspar Boehme

Ein Festival feiert „Crippled Symmetries“, Julianna Barwick und Mary Lattimore nehmen Tempo raus, Bitchin Bajas gehen auf Reise und Sinopoli wird geehrt.

Julianna Barwick und Mary Lattimore stehen in schwarzen Kleidern auf einer grünen Wiese. Julianna Barwick und Mary Lattimore kommen mit ihrem Folk-Ambient diese Woche ins Silent Green

Foto: Rachael Cassells

M uster sind eigentlich etwas Regelmäßiges, sie gestatten aber Abweichungen. Der New Yorker Komponist Morton Feldman ließ sich in den Achtzigerjahren von den Ornamenten anatolischer Teppiche zur Komposition „Crippled Symmetry“ inspirieren. Dieses Spätwerk mit seinen Patterns, die sich wiederholen und dabei stetig verändern, nahm das Ensemble KNM Berlin zum Anlass für eine Reihe zum 100. Geburtstag Feldmans in diesem Jahr. Zum Auftakt im November hatten die Musiker zunächst Feldmans Stück aufgeführt, einen weiteren Vorgeschmack gab es beim Festival MaerzMusik.

Jetzt folgt, beginnend am Freitag, das dreitägige „Crippled Symmetries Festival“ in der Villa Elisabeth und der St.-Elisabeth-Kirche mit Beiträgen von heute. Darin geht es dem Ensemble um „Wiederholung, Variation, Kontextverschiebung und Neubefragung“, mit denen sich die Werke von Komponisten aus Südkorea, Taiwan, Malaysia, China, Peru, Mexiko, Argentinien, den USA, Slowenien, Griechenland, Deutschland und der Schweiz beschäftigen. Neben dem Ensemble KNM spielen die Cube Band aus Taiwan und das französische Ensemble 0 (Villa Elisabeth + St.-Elisabeth-Kirche, 17.-19. 4., Programm und Tickets: kammerensemble.de).

Um Wiederholungen geht es auch am Sonntag im Silent Green, wo die Sängerin Julianna Barwick und die Harfenistin Mary Lattimore ihr Album „Tragic Magic“ vorstellen. Barwick und Lattimore pflegen einen ähnlichen Ansatz: Sie loopen ihre Instrumente oder bearbeiten sie anderweitig elektronisch. Aus den so entstehenden Patterns machen sie etwas, das man „Folk Ambient“ nennen könnte, getragene, repetitive Songs mit übersichtlichen Zutaten. Ein wenig Sounds vom Synthesizer gibt Barwick hinzu, ohne es allzu dicht geraten zu lassen. Das Ergebnis hat etwas von Trauer und Trost in einem (Silent Green, 19. 4., 18.30 Uhr).

Weil dreimal Bremer Recht ist und es zum Thema passt, kommen, gleichfalls am Sonntag, noch mehr Wiederholungen, diesmal vom Trio Bitchin Bajas aus Chicago. Bei den oft langförmigen Epen, die Cooper Crain, Dan Quinlivan und Rob Frye mehr oder minder regelmäßig hervorbringen, meint man sich rasch auf Begriffe wie „Krautrock“ oder „Drone“ einigen zu können. Ihre psychedelisch-kaleidoskopartigen Klänge lassen aber weniger an Wiederbelebungen bewährter historischer Bestände denken als an behutsam-unbeirrbare Erkundungen. Es muss eben immer weitergehen (Arkaoda, 19. 4., 19 Uhr).

Ein Jubiläum steht diese Woche noch an: Am 20. April jährt sich zum 25. Mal der Todestag des Dirigenten Giuseppe Sinopoli. Der machte sich nicht allein als Interpret der Werke anderer einen Namen, sondern war auch selbst Komponist. Das Italienische Kulturinstitut Berlin veranstaltet zu seinem Gedenken die Reihe „Sinopoliana“, die am Montag im Meistersaal eröffnet wird. Die Pianistin Silvia Cappellini Sinopoli, seine Witwe, spielt mit weiteren Interpreten einige seiner kammermusikalischen Werke (Meistersaal, 20. 4., 19.30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich).

Tim Caspar Boehme

Tim Caspar Boehme Kulturredakteur

Jahrgang 1971, arbeitet in der Kulturredaktion der taz als Filmredakteur und stellvertretender Ressortleiter. Boehme studierte Philosophie in Hamburg, New York, Frankfurt und Düsseldorf. Sein Buch „Ethik und Genießen. Kant und Lacan“ erschien 2005.

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