Gemäss der neuesten Armeeauszählung werden Ende des Jahrzehnts Soldaten fehlen. Die Situation könnte sich noch verschärfen, da zahlreiche Militärangehörige im Ernstfall doppelt gebraucht würden.
Gemäss der neuesten Armeeauszählung werden Ende des Jahrzehnts Soldaten fehlen. Die Situation könnte sich noch verschärfen, da zahlreiche Militärangehörige im Ernstfall doppelt gebraucht würden.
06.10.2026, 17.35 Uhr
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Dominic Favre / Keystone
Hat die Armee nun zu viele oder zu wenige Soldaten? Jedes Jahr, wenn die Armee ihre Köpfe zählt, wird diese Frage von neuem gestellt. Die Linke blickt skeptisch auf die Prognosen des Militärs: Seit Jahren weist die Truppe einen Überbestand aus und klagt doch über die Abgänge in den Zivildienst.
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Auch im neuesten Bericht, der am Dienstag publiziert worden ist, ist das der Fall. Zwar sei der Bestand mit 147 017 Mann derzeit «ausreichend», heisst es. Bis 2030 aber drohe ein Absacken auf unter 130 000 Soldaten. Der Grund ist vor allem eine Armeereform, welche die Dienstzeit verkürzt hat. 2028 und 2029 werden die letzten zwei Jahrgänge entlassen, die noch zwölf Jahre Dienst leisten müssen. Zudem schrumpft die Truppe durch vorzeitige Abgänge, «insbesondere in den Zivildienst»: Knapp 12 000 Männer werden jedes Jahr zu Zivildienstleistenden.
Armee äussert sich zurückhaltendRelevant für die Sicherheit des Landes ist jedoch nicht primär der Effektivbestand der Truppe, sondern der sogenannte Sollbestand: also diejenigen Personen, die im Ernstfall auch tatsächlich einrücken würden, damit die Armee ihren Auftrag erfüllen könnte. Denn faktisch können nicht alle, die in der Armee eingeteilt sind, im Verteidigungsfall ihren Tarnanzug anziehen, da sie auch im zivilen Leben sicherheitsrelevante Funktionen haben.
Die Armee rechnet in ihrem Bericht vor, dass bei einem Effektivbestand von 147 017 Soldaten rund 100 427 im Ernstfall einrücken würden. Das würde für den Sollbestand von mindestens 100 000 ausreichen. Anders sieht es aus, wenn der Effektivbestand tatsächlich auf unter 130 000 sinken würde: Dann könnten nur noch rund 88 800 Personen einrücken. Das wäre klar ein Unterbestand. Die Armee schreibt zu dieser Rechnung auf Anfrage nur, dass die «Möglichkeit» eines Unterbestandes ab 2030 bestehe und die Sicherung der Armeebestände eine «zentrale Herausforderung» bleibe.
Diese Herausforderung zeigt sich besonders auch in den eigenen Reihen, da sich in der Armee selbst Funktionen überschneiden. Dem Vernehmen nach analysiert die Armeespitze deshalb derzeit, wer im Ernstfall wo gebraucht wird – denn beim eigenen Personal ist dies bislang nicht klar geregelt. Die Armee zählt rund 3000 Berufsmilitärs, die etwa in der Ausbildung tätig sind oder Stäbe führen, sowie 6000 zivile Mitarbeitende. Die meisten von ihnen haben jedoch zugleich eine Milizfunktion und rücken regulär in Wiederholungskurse ein. Welche Rolle übernehmen sie im Ernstfall – die berufliche oder die militärische? Das muss erst definiert werden. Dasselbe gilt für weitere Personen, die in sicherheits- oder versorgungsrelevanten Bereichen tätig sind und gleichzeitig der Miliz angehören: In Schweizer Spitälern arbeiten beispielsweise rund 189 000 Vollzeitangestellte – wie viele von ihnen zugleich als Milizangehörige eingeteilt sind, ist nicht bekannt.
Neues Dienstmodell in PlanungDem gegenwärtigen Aderlass begegnet die Armee mit moderneren Strukturen, also flexibleren Ausbildungs- und Laufbahnmodellen. Doch seit Jahren betont sie, dass dies kaum reichen werde. Sie hofft auf Besserung mit dem neuen Dienstpflichtsystem, dem Parlament und Bundesrat 2025 zugestimmt haben. Es sieht eine Sicherheitsdienstpflicht vor: Der Zivildienst und der Zivilschutz sollen zu einem Katastrophenschutz zusammengelegt werden. Diese neue Organisation soll anschliessend auch die Armee entlasten, denn die Aufgaben des Zivilschutzes sollen ebenfalls stärker auf einen bewaffneten Konflikt ausgerichtet werden. So könnte der neu geschaffene Katastrophenschutz etwa Sanitätsaufgaben im Krisen- oder Konfliktfall übernehmen und dafür unterirdische Anlagen in Betrieb nehmen. Über das neue Dienstmodell wird das Volk befinden können. Bei einem Ja von Volk und Ständen soll es 2031/32 eingeführt werden.
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