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+++ Deutschland-Gipfel +++: Wildberger: „Wir haben ein Umsetzungsproblem, aber wir haben auch ein Erkenntnisproblem“

Дата публикации: 07-10-2026 15:57:00

Ökonom Felbermayr kritisiert Deutschlands Transformationstempo +++ Merz kritisiert erneut Pläne für Berliner Linken-Regierung +++ Verfolgen Sie die wichtigsten Ereignisse hier live.

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Deutschland-Gipfel: Wildberger – „Wir haben ein Erkenntnisproblem“ Live-Blog Ökonom Felbermayr kritisiert Deutschlands Transformationstempo +++ Merz kritisiert erneut Pläne für Berliner Linken-Regierung +++ Verfolgen Sie die wichtigsten Ereignisse hier live.

Martin Knobbe (l.) und Karsten Wildberger: Der stellvertretende Chefredakteur des Handelsblatts spricht auf dem Deutschland-Gipfel mit dem Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Foto: Marc-Steffen Unger / Handelsblatt

Damit endet das Interview mit dem Minister. Dies war der letzte Programmpunkt des Deutschland-Gipfels.

Wildberger zur digitalen Wallet: „Kann noch was draus werden“

Zu dem Zeitplan rund um die WalletID sagt der Minister: „Was sie am Anfang kann, ist mir weniger wichtig, als das, was sie über Zeit kann. Ich kann sie herunterladen, installieren, Ausweis und Führerschein hochladen und nach ein paar Wochen auch ein Lichtbild.“ 40 Unternehmen seien beim Start dabei, sie sei zudem europäisch anschlussfähig. „Kann noch was draus werden“, sagt er.

Wildberger zu KI: „Wir kämpfen gerade darum, dass wir am Tisch sitzen“

Es geht nun um das Thema KI und Europas Wettbewerbsfähigkeit. „Wir kämpfen gerade darum, dass wir am Tisch sitzen“, sagt Wildberger. Er wolle sich nicht vorstellen, auf der Speisekarte zu sein. Wenn es um Europas Chancen bei KI ginge, müsse man auf die verschiedenen Schichten schauen. Wildberger sagt: Bei industrieller KI sei Deutschland vorne mit dabei, auch Black Forest Lab nennt er als Positivbeispiel. „Bei Sprachmodellen robben wir uns an den Tisch ran“, sagt er.

Wildberger spricht Erfolge bei Bürokratieabbau an – und wirft Zeitplan auf

Der Minister für Digitales spricht dann über seine Erfolge. Auf EU-Ebene gehe es voran, auch bei Berichtspflichten für Unternehmen habe sich viel gedreht. Bis 2028 sollen viele Berichtspflichten wegfallen. „Das ist jetzt ein wirklich großes Thema, das wird auch mal rumpeln. Darauf sind wir vorbereitet, aber wir ziehen das jetzt durch.“ Schneller gehe die Transformation nicht. Es sei kompliziert.

Wir haben ein Umsetzungsproblem, aber wir haben auch ein Erkenntnisproblem. Karsten Wildberger

Wildberger: „Es wäre eine Katastrophe, wenn wir jetzt keine Stabilität finden“

Jetzt spricht Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Im Bezug auf den Krisengipfel nach den Landtagswahlen im Osten findet Wildberger klare Worte: „Es kommt gerade etwas ins Rutschen. Und das macht mir einfach große Sorge“, sagt er. „Wir alle können Dinge lernen oder anders machen – und die müssen wir auch gemeinsam anders machen.“

„Es geht um etwas sehr Großes und das muss uns allen die Energie geben“, sagt er. Der Applaus, den er für seine Rede bekommen habe, sei ihm egal. Es hieß im Nachgang, er habe mehr Applaus bekommen als der Kanzler. Es bringe nichts, jetzt nur zu meckern. „Wir müssen auch etwas gestalten“, sagt er. „Es wäre eine Katastrophe, wenn wir jetzt keine Stabilität haben.“ Er gehe aber davon aus, dass das alle verstanden haben.

Wilke sieht Potenzial für Geschäft mit Daten

Wilke spricht an, dass Wohlstand in Deutschland zwar fairer verteilt sei, aber Wohlstand in der Regel vererbt würde, nicht erarbeitet. In den USA sei das anders. Deutschland müsse hier einen Wandel vollziehen. Es fehle an den Unternehmen für morgen.

„Wir haben das Rennen rund um Chips und LLMs verloren“, sagt Wilke. Das Geschäft mit Daten habe aber große Chancen. Es fehle nur die Offenheit für neue Geschäftsmodelle. „Wir haben alles, um das nächste Wirtschaftswunder zu gestalten“, sagt sie. „Wir haben auch den Hunger“ – es brauche nur mehr Mut. 

Wilke: „Wir sind weltweit eines der unbeliebtesten Länder für hochqualifizierte Tech-Fachkräfte“

Nun spricht Maja Brankovic, stellvertretende Chefredakteurin bei der WirtschaftsWoche mit Gülsah Wilke, Partnerin und Leiterin DACH bei DN Capital. „Wir sind eines der unbeliebtesten Länder für hochqualifizierte Tech-Fachkräfte“, sagt Wilke. Sie seien laut Umfragen überfordert mit der Bürokratie in Deutschland. Auch die Sprachkenntnisse seien eine große Herausforderung. Das Dritte sei, dass nicht nur Fachkräfte kämen sondern auch Menschen. Von Jobs für den Partner bis hin zur Willkommenskultur fehle es Deutschland an vielen Stellen an attraktiven Angeboten.

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Gülsah Wilke Marc-Steffen Unger / Handelsblatt 

Das Panel ist beendet.

Fuchs-Schündeln: „Ich betrachte mit Sorge, dass Frankreich Probleme am Kapitalmarkt hat“

„Ich betrachte mit Sorge, dass Frankreich Probleme am Kapitalmarkt hat“, sagt Fuchs-Schündeln. Die Sorge vor einer weiteren Finanzkrise sei eine Herausforderung, die über einzelne Landesgrenzen hinweggehe. „Wir sollten unsere europäischen Partner unterstützen, wo es nur geht“, sagt sie. Die Stimmung sei auch deshalb risikoavers, weil Investoren derzeit nicht wüssten, wie sich die Finanzsituation entwickele.

Felbermayr: „Es ist klar, dass wir vor der Haustür große Wachstumspotenziale haben“

„Es ist klar, dass wir vor der Haustür große Wachstumspotenziale haben“, sagt er. Gleichzeitig gebe es immer ein Auf und Ab der Reformbereitschaft im Land, damit müsse man leben. Man müsse jedoch kulturelle Voreinstellungen modifizieren. Die Risikoaversion in Deutschland sei etwa zu hoch und verhindere Wachstum. Die Situation an den Märkten verunsichere Investoren.

Felbermayr: „Substanz ist gut, aber sie muss sich dauerhaft transformieren“

„Ich denke nicht, Substanz bedeutet, wir haben etwas geerbt“, sagt er. Es gehe stattdessen um das Potenzial, das Deutschland habe – aber dem man auch gerecht werden müsse. Einige Sektoren hätten schwierige Zeiten, doch in vielen Bereichen sei Deutschland gut aufgestellt.

„Substanz ist gut, aber sie muss sich dauerhaft transformieren“, sagt Felbermayr und das gehe langsamer  in den meisten OECD‑Staaten. Er bezieht sich auf Transformationen rund um Kündigungsschutz, Wohnungsmarkt, EU‑Einbindung. Zudem brauche es eine Zukunftsperspektive für Abgaben für die soziale Absicherung.

Blessing und Freise sind zuversichtlich: „Deutschland hat eine wunderbare Zukunft“

Dorothee Blessing, die Co-Head of Global Investment Banking bei J.P. Morgan ist, fordert einen Stimmungswechsel in Deutschland, der wieder Projekte hervorbringe, in die es sich zu investieren lohne. „Es mangelt nicht an Kapital. Es braucht Rahmenbedingungen und Projekte“, erklärt sie. Es verändere sich gerade etwas in der Stimmung in Deutschland. 

„Aufbruchsstimmung“, nennt Philipp Freise das. Er ist Co-Head of European Private Equity bei KKR. Zum einen finde ein Generationenwandel bei den Familienunternehmen statt. Gleichzeitig habe Deutschland mehrere Phasen in einer lähmenden Stimmung verbracht. Aber darauf folgte immer eine Phase des Aufbruchs. Deutschland habe Substanz, auf der man aufbauen müsse. Man müsse Substanz und Stimmung zusammenbringen. „Dann hat Deutschland eine wunderbare Zukunft“, sagt er.

Auf dem nächsten Panel sitzen Dorothee Blessing (Co-Head of Global Investment Banking  bei J.P. Morgan), Gabriel Felbermayr (Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung), Philipp Freise (Co-Head of European Private Equity bei KKR) und Nicola Fuchs-Schündeln (Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität Frankfurt).

Merz beschwert sich über „Bashing“ durch Medien

Auf die Frage, worüber Merz als Kolumnist für Wirtschaftswoche oder Handelsblatt schreiben würde, sagt der Kanzler: „Ich würde schreiben: Hören Sie doch mal auf mit dem Bashing der Bundesregierung und des Kanzlers.“ Stattdessen würde er dazu aufrufen, über Positives zu berichten. Damit endet der Auftritt von Friedrich Merz.

Merz zu Sachsen-Anhalt: „Ziemlich großes Entsetzen“

Der Kanzler zeigt sich bestürzt darüber, dass sich Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt nicht an Absprachen gehalten hätten. Es sei aber unklar, wer außerhalb der AfD für den Kandidaten der rechtsextremen Partei gestimmt habe. Merz hält allerdings auch eine „False-Flag-Operation“ des BSW oder Teilen der Linken für möglich. Aber auch Zustimmung einzelner CDU-Vertreter schließt er nicht aus.

Dennoch müsse sich die Bundesregierung nun fragen, was sie tun könne, damit sich so etwas nicht wiederhole. Es sei die gemeinsame Aufgabe der Gesellschaft, „Angriffe“ von den Rändern abzuwehren.

Merz betont erneut Bedeutung der Rentenreformen

Der Kanzler nennt die Rentenreform „vielleicht die wichtigste innenpolitische Reform“. Sie zeige, dass die Parteien bereit seien, die gesetzliche Rente um eine Aktienkomponente zu erweitern. Damit könnten große Teile der Arbeitnehmerschaft am Kapitalmarkt teilnehmen und ein Teil des Geldes bleibe für Investitionen im Land.

Er rechnet dennoch mit schwierigen Verhandlungen in der Koalition und im Parlament. Im Frühjahr 2027 sollten alle Reformen auch durch den Bundesrat sein, das Kabinett solle sie „zumindest in groben Zügen“ schon bis Weihnachten beschließen.

Merz will „das Gute sehen“

Der CDU-Chef sagt, er wolle alles dafür tun, einen positiveren Blick auf das Land zu richten und sich politisch dafür einzusetzen. In einigen Jahren wolle er sagen können: „Es waren verdammt harte Zeiten, aber es hat sich gelohnt.“ Damit beendet der Bundeskanzler seine Rede. Jetzt stellen die beiden Chefredakteure von WirtschaftsWoche und Handelsblatt Ihre Fragen.

Merz: „Geben wir dem Land eine Chance“

Der Kanzler nimmt nach einer Aufzählung politischer Ideen nun auch die Bürger in die Pflicht. „Es kommt auf uns alle an“, sagt er und betont, dass Reformen nicht immer einen Verlust bedeuteten. So sei etwa die Rentenreform dazu gedacht, das Alterssicherungssystem zu erhalten und zu stärken. „Wir machen das für die nächste und die übernächste Generation“, sagt Merz. Man dürfe Kinder und Enkel nicht überlasten und müsse ihnen Chancen eröffnen. 

„Geben wir dem Land eine Chance“, sagt der Kanzler weiter. Die aktuellen Wachstumsaussichten seien gut, die Investitionen und Gründungen gingen nach oben, die Staatsausgaben wirkten wachstumstreibend. Führende Ökonominnen und Ökonomen hatten zuletzt darauf hingewiesen, dass das Wachstum 2026 und 2027 überwiegend auf die staatlichen Ausgaben zurückzuführen sein wird und es weiter strukturelle Wachstumsprobleme gibt.

Merz: „Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen“

Der Kanzler verteidigt die massiven Investitionen in die Bundeswehr und betont, dass die Folgen physischer und digitaler Angriffe massiv wären. Er sagt: „Ohne äußere Sicherheit ist alles nichts.“ Europa müsse ohne Hilfe der USA in der Lage sein, sich zu schützen.

Merz pocht erneut auf Ende der „Rente mit 63“

Friedrich Merz zählt nun auf, welche Reformschritte die Koalition aus Union und SPD bereits getan habe. Er betont im Streit um die Rentenreform, dass er das Ende der „Rente mit 63“ für gerecht und dringend notwendig halte. Am Abend treffen sich die Spitzen der Parteien zum Koalitionsausschuss, bei dem es auch um die Reformpläne der Regierung gehen wird.

Merz kritisiert erneut Pläne für Berliner Linken-Regierung

Der Bundeskanzler appelliert an die „Verantwortung“ von Grünen und SPD in Berlin, eine Berliner Landesregierung unter Führung der Linken zu verhindern. „Ich meine das sehr ernst“, sagt er. Gerade an einem Tag wie dem 7. Oktober, dem Jahrestag der Angriffe der Hamas auf Israel 2023, dürfe man sich nicht auf eine Koalition unter Führung der Linken einlassen. Merz sagte auch, dass er die AfD und die Linke nicht gleichsetzen wolle.

Merz: „Wer seine Stimme der AfD gibt, zerstört Glaubwürdigkeit“

Die Arbeit in einer Koalition unterschiedlicher Partner sei nicht immer einfach, aber das deutsche politische System sei nun einmal so angelegt. Extreme Kräfte, wie die AfD und das BSW, setzen die anderen Parteien und das System unter Druck.

Merz sagt weiter, dass die Wahl des Landtagspräsidenten der AfD in Sachsen-Anhalt nicht mit den Werten der CDU vereinbar sei. Es sei angesichts der geheimen Wahl nicht aufzuklären, wer genau der AfD zur Mehrheit verholfen habe. Doch: „Wer seine Stimme der AfD gibt, zerstört Glaubwürdigkeit“.

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Von links nach rechts: Horst von Buttlar (Wiwo-Chefredakteur), Friedrich Merz (Bundeskanzler), Andrea Wasmuth (Geschäftsführerin HMG), Sebastian Matthes (Handelsblatt-Chefredakteur) Marc-Steffen Unger / Handelsblatt 

Merz: „Pessimismus ist Zeitverschwendung“

Friedrich Merz sagt, dass „Pessimismus ist Zeitverschwendung“ ein gutes Motto für seine Politik sein könne. Deutschland stehe deutlich unter Druck: Jahrhundertealte Industrien kämpften um ihre Existenz, globale Abhängigkeiten würden erpresserisch ausgenutzt. Energie sei derzeit so teuer, weil in der Vergangenheit der Atomausstieg falsch eingeschätzt und das Potenzial von Erneuerbaren überschätzt worden sei. Hinzu kämen der Irankrieg und die Angriffe Russlands auf die Ukraine und seine Partner.

Merz sagt weiter, ungeregelte Migration habe dem Land über Jahre geschadet und die alternde Bevölkerung setze die Sozialsysteme unter Druck. „Das sind die Aufgaben, teilweise über Jahrzehnte aufgehäuft“, fasst Merz seine Analyse zusammen.

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