Das böhmische Erzgebirge war Bergbauregion und litt unter Umweltverschmutzung. Heute zeigt sich ein dichter, kerngesunder Wald – ein Erfolgsbeispiel für Umweltschutz durch Politik.
Eine Wanderung auf dem Kammweg im böhmischen Erzgebirge
05.10.2026
6 Minuten

Böhmen bietet viele Wandermöglichkeiten, eine ist der Kammweg auf den Höhen des Erzgebirges, er führt nahe der Grenze zu Deutschland entlang.
Bevor es losging, stellte sich mir die Frage: Wie wird es dort aussehen? Was hat die Umweltverschmutzung vom Wald übriggelassen? Wird man durch Ödnis wandern, gespickt von den Zahnstochern abgestorbener Bäume? Um es gleich vorwegzunehmen: Die Sorgen sind unbegründet. Die Wanderwege sind bedacht von dichtem Grün, es ist eine helle Freude. Zumal in den böhmischen Mittelgebirgen den Wanderbegeisterten ein wunderbar organisiertes und bestens markiertes Wegenetz zu Füßen gelegt wird.
Eine Wandertour auf dem Kammweg bietet sich so an: Man reist in einen Ort mit Bahnanschluss, etwa nach Klösterle an der Eger. Der Ort heißt heute Klášterec nad Ohří, denn zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde nahezu die gesamte sudetendeutsche Bevölkerung vertrieben. So sollte der tschechoslowakische Nationalstaat wieder hergestellt werden. Alles Deutsche, auch die Namen, verschwand aus dem böhmischen Erzgebirge.
Vom Bahnhof aus wandert man am ersten Tag hinauf. Auf tschechischer Seite wirft sich das Erzgebirge steil und wild entgegen, aber oben öffnet sich ein Plateau, das nach Deutschland hin sanft abfällt. Hier oben klinkt man sich ein in den Kammweg, auf dem meistens nicht viele Wandersleute unterwegs sind.
So grün die Hügel heute auch sind: Das Erzgebirge, tschechisch Krušnohoří, ist keine Wildnis. Die Kulturlandschaft wurde seit Jahrhunderten bearbeitet und beackert. Um 1160 wurde Silber gefunden, das sogenannte „Berggeschrey“ setzte ein, lockte Projektoren und Glückssucher an wie beim Goldrausch in Nordamerika. Die Besiedelung wuchs massiv an, der Wald schwand. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit war das Gebiet zwischen Cheb im Westen und Ústí nad Labem im Osten eine der am dichtesten besiedelten Regionen Europas.
Das letzte Bergwerk, das auf böhmischer Seite in Betrieb war, ist die Grube Měděnec. Nach der Blütezeit im 16. Jahrhundert setzte im Dreißigjährigen Krieg der Niedergang ein. Der Erzabbau lohnte sich immer weniger. Und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden alle Erzbergwerke stillgelegt, da eine Förderung nicht rentabel war. Seit 2019 gehören große Teile des Gebiets zum grenzüberschreitenden UNESCO-Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Der Wanderweg führt am Stollen Štola Panny Marie Pomocné vorbei, kalte Unter-Tage-Luft weht hervor, lieber weiter auf die sonnige Hochebene und noch höher hinauf, zu einer Kapelle mit Rundumblick über die Vulkanlandschaft des böhmischen Mittelgebirges im Süden, über das Erzgebirge und zu einem großen Kohlekraftwerk in der Ebene, gespeist aus dem Braunkohletagebau der Region. Auch zu sehen ist ein Windpark, denn 2033 wird Tschechien den Braunkohlebergbau und die Kohleverstromung komplett beenden. Zum Energiemix des Landes gehören allerdings weiterhin zwei Kernkraftwerke. Die Regierung will die Kernenergie außerdem weiter ausbauen, geplant sind neue „Small Modular Reactors“, also Mini-Atomkraftwerke, in Südböhmen.
![]()
![]()
![]()
Hin und wieder trifft man auf den hervorragend markierten Wegen doch mal jemanden. Etwa vier junge Menschen aus Prag. Sie wandern einige Etappen auf dem „Czech Trail“, einem Fernwanderweg, der 2000 Kilometer rund um Tschechien herumführt und hier dem Kammweg folgt. Sie tragen eindrucksvoll große Rucksäcke, denn sie übernachten oft frei in der Natur. Sie sehen etwas mitgenommen vom Regen der vergangenen Nacht aus, aber strahlen über das ganze Gesicht. Auch beim nagelneuen Infokiosk in Sebastianberg mit Café und Toiletten sitzt eine junge Tschechin mit großem Rucksack. In der Nacht zuvor hat sie mit ihrem Tarp, einer einfachen Plane, auf einer Wiese geschlafen.
![]()
![]()
![]()
Aber auch die Neuansiedler hätten es schwer gehabt, „sie wurden mit falschen Versprechungen hergelockt, weil die Kommunisten die Region neu bevölkern mussten“. Sie waren Slowaken aus dem Ausland, etwa aus Rumänien. Auch viele andere Orte des einst so dicht besiedelten Gebietes sind wüst gefallen. Einzelne hübsch renovierte Häuser fallen auf, aber überall gibt es mehr Ferienhäuser als Einheimische.
Wandern macht hungrigAber zum Glück gibt es immer wieder Einkehrmöglichkeiten, wie das Hotel Lesná. Es ist eines der wenigen erhaltenen Häuser der gleichnamigen Siedlung und schon seit über hundert Jahren ein Ausflugsziel. Einer der Vorteile beim Wandern ist: Man bekommt ordentlich Hunger und Durst, das braucht es auch angesichts der Speisekarte. Zu den wunderbaren böhmischen Knödeln wird geschnittene Fasanenbrust, Wildgulasch oder gleich eine ganze gebratene Ente serviert. Im Gastraum sitzen viele Deutsche. „Klar“, sagt der Wirt, „es ist nicht weit, und drüben in Sachsen gibt es keine richtigen Gaststätten mehr, nur noch Kebab und Pizza“. Wer nach dem Essen noch ein paar Schritte gehen möchte, kann sich im Lesná-Museum Fotos aus der alten Zeit ansehen.
![]()
Doch die größte Überraschung hier ist der Wald. Ein dichter, kerngesunder Mischwald, das unterschiedliche Grün breitet sich entlang des Wanderwegs und an Aussichtspunkten aus bis zum Horizont. Nur ein paar wenige dürre Nadelbäume ragen dazwischen empor, kein Vergleich zum Harz oder zum Böhmerwald. Zdeňka Šrédlová sagt, sie könne sich gut daran erinnern, dass es hier ganz anders aussah, als sie ein Kind war. „Durch den sauren Regen war alles tot, oft hing ein dichter, stinkender Nebel vom Kohleabbau über allen Orten.“ Doch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei alles besser geworden.
Fast der ganze Wald ist nur rund 30 Jahre alt, und so sind die sattgrünen Bäume im böhmischen Erzgebirge ein wunderbares Beispiel dafür, wie Politik die Umwelt schützen kann, wenn sie denn will: Die Schwefeldioxid-Emissionen wurden seit den 1990ern durch die Modernisierung von Kohlekraftwerken und den Ausbau erneuerbarer Energien um mehr als 90 Prozent reduziert. Die wenigen Baumleichen sind Silberfichten, auch Stechfichten genannt. Sie wurden nach dem Waldsterben in den 1990ern als Übergangslösung gepflanzt, da sie sowohl mit verseuchtem Boden als auch schlechter Luft gut zurechtkommen.
Schlechte Luft müssen Wandersleute nicht mehr befürchten. Tief durchatmen und die Lungen mit Waldluft füllen, das bietet neben allem anderen der böhmische Kammweg.
![]()
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | В лесах Карелии высадили свыше 32 тысяч хвойных деревьев | 0 | 14.17 | 01-10-2026 |
| 2 | В Татарстане в акции «Чистые леса» собрали 100 кубометров мусора | 0 | 10.4 | 07-10-2026 |
| 3 | В Кировской области незаконные рубки леса сократились в 4,5 раза ... | 0 | 13 | 29-09-2026 |
| 4 | В Татарстане подготовили 10 гектаров под лесосеменные плантации | 0 | 11.79 | 06-10-2026 |
| 5 | В Кировской области незаконные рубки леса сократились в 4,5 раза ... | 0 | 13.38 | 29-09-2026 |
| 6 | На еженедельной планерке рассмотрели развитие лесной отрасли. За последние 4 ... | 0 | 10.94 | 28-09-2026 |
| 7 | «Сохраним лес»: в Оренбуржье стартовала масштабная экоакция | 0 | 11.06 | 28-09-2026 |
| 8 | В ДНР регионы помогают возрождать леса | 0 | 12.5 | 30-09-2026 |
| 9 | Sperrung in der Waldau aufgehoben: Stadt gibt Weg der Artenvielfalt wieder frei | 0 | 5.62 | 23-09-2026 |
| 10 | A la découverte de la Forêt ancienne du Bois Grandjeu dans la Montagne Bourbonnaise avec le CEN Allier | 0 | 6.54 | 24-08-2026 |