Tabletten, Kapseln, Tropfen: Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel werden immer beliebter. Welche Präparate sinnvoll sind – und welche Sie sich sparen können.
Tabletten, Kapseln, Tropfen: Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel werden immer beliebter. FOCUS online erklärt, welche Präparate sinnvoll sind – und welche Sie sich sparen können.
Sie sollen das Immunsystem unterstützen oder die Knochen stärken, manche Hersteller versprechen sogar Schutz vor Infekten oder Heilung von Krebs: Vitaminpräparate erleben Marktstudien zufolge einen Boom. Nicht immer ist das nur Geldverschwendung – es kann auch gefährlich werden.
„Nur wenigen Verbrauchern ist klar, dass Nahrungsergänzungsmittel keine zugelassenen Arzneimittel, sondern Lebensmittel sind und deswegen von keiner Behörde auf Sicherheit und Qualität geprüft werden“, betont die Internistin Monika Rau vom Uniklinikum Würzburg im Gespräch mit dem „Spiegel“. Daher überwiege der Gedanke, man führe sich mit den Supplementen etwas Gutes zu. Es könne jedoch genau das Gegenteil der Fall sein.
„Untersuchungen ergeben regelmäßig, dass bei den auf dem Markt erhältlichen Produkten oft Inhaltsstoffe überdosiert sind“, warnt auch Verbraucherschützerin Sabrina Göddertz beim „Spiegel“. Häufig werde dabei die empfohlene Tagesdosis überschritten. Außerdem seien die Werbeversprechen teilweise unzulässig oder irreführend.
Als Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen sind folgende drei Mikronährstoffe:
Das „Sonnenvitamin“ ist wichtig für die Knochengesundheit, weil es die Einlagerung von Kalzium fördert. Es ist aber kaum in Lebensmitteln zu finden.
Der Körper kann Vitamin D selbst in der Haut bilden, wenn diese genug Sonnenlicht abbekommt. Dafür genügen schon täglich zehn Minuten draußen, selbst wenn der Himmel bedeckt ist.
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Kein Problem in leichter Sommerkleidung, aber an kalten Wintertagen wird es eng mit der Vitamin-D-Versorgung. In Deutschland reicht die Sonnenstrahlung von Oktober bis März physikalisch generell nicht aus, um Vitamin D in der Haut zu bilden. Um einem Mangel vorzubeugen, eignen sich Vitamin-D-reiche Lebensmittel wie Eier und fetter Fisch. Für Risikogruppen hingegen können nach ärztlicher Absprache Nahrungsergänzungspräparate sinnvoll sein.
Folat ist das einzige Vitamin, bei dem die Versorgung in Deutschland durch die Ernährung eher ungenügend ist. Als „Babyvitamin“ ist es besonders wichtig für Schwangere und Frauen, die schwanger werden möchten. Folsäure gehört zu den B-Vitaminen und ist essentiell für die Blutbildung, Zellteilung, und generell alle Wachstumsprozesse.
Folsäuremangel kann dramatische Folgen für das ungeborene Kind haben: Fehlbildungen vor allem an Wirbelsäule und Rückenmark, dem sogenannten Neuralrohrdefekt.
Folsäure steckt zwar in nennenswerter Menge in Keimen, grünem Gemüse und Hülsenfrüchten – das deckt aber selten den durchschnittlichen Tagesbedarf, schon gar nicht dem stark erhöhten in der Schwangerschaft. Also: Tabletten erlaubt bis notwendig.
Dieses Vitamin brauchen nicht alle Menschen als Nahrungsergänzungsmittel. Für die wachsende Gruppe der Veganer sind B12-Pillen aber notwendig, weil es das einzige Vitamin ist, das die komplett tierfreie Ernährung nicht mit pflanzlichen Lebensmitteln abdecken kann. Als wichtiger Baustein für die Zellteilung, Blutbildung und die Funktion des Nervensystems ist B12 unverzichtbar in der täglichen Vitaminversorgung.
Bis auf wenige Ausnahmen können Sie auf Vitamine in Tablettenform verzichten – sofern ein Arzt bei Ihnen keinen nachweislichen Mangel per Blutbild nachgewiesen hat. Hier sind die fünf, die am häufigsten konsumiert, aber von gesunden Menschen nicht gebraucht werden:
Alles, was sie enthalten, kann eine ausgewogene Ernährung liefern. Eine große US-Studie mit 39.000 älteren Frauen zeigte bereits vor einigen Jahren, dass die Pillenkonsumentinnen ein größeres Sterberisiko hatten als die Vergleichsgruppe, die keine Vitamintabletten schluckte. 2018 hat darüber hinaus eine Metaanalyse zahlreicher Studien zur Vitamin-Supplementierung nachgewiesen, dass diese keinerlei positive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Ekrankungen haben.
Die Zellschutzvitamine A, C und E bilden die wichtigsten Antioxidantien, auch Zellschutzvitamine genannt. Als Radikalefänger erfüllen die Vitamine eine wichtige Aufgabe im Organismus. Denn freie Radikale sind mitverantwortlich für Alterungsprozesse und die Entstehung von Krankheiten.
Obst, Gemüse und (gutes) Öl liefern diese Zellschutzvitamine aber eigentlich in ausreichender Menge. Als Nahrungsergänzungsmittel, besonders in hoher Dosierung, bekommen die Vitamine von Experten dagegen schlechte Noten: Konkret stellte eine Langzeituntersuchung vermehrt Lungenkrebs bei Rauchern fest, die Vitamin A oder die Vorstufe Betakarotin einnahmen. Außerdem weiß man, dass schon eine tägliche leichte Überdosierung des fettlöslichen Vitamins A Leber und Knochen schaden kann.
Vitamin C kann nicht vor Krankheiten schützen – nicht einmal vor Schnupfen, wie manche glauben. Den positiven Einfluss auf das Immunsystem haben Studien in den letzten Jahrzehnten immer wieder versucht nachzuweisen. Dagegen hat sich gezeigt, dass hohe Tagesdosen zu Nierensteinen führen können. Eine Supplementierung ohne einen nachgewiesenen Mangel macht deshalb keinen Sinn.
Für Vitamin E konnte der früher vermutete Krebsschutz nie nachgewiesen werden. Vielmehr hat eine Studie mit 36.000 männlichen Teilnehmern ein vermehrtes Risiko für Prostatakrebs gezeigt, wenn diese Vitamin-E-Kapseln schluckten. Bei dauerhaft hoher Dosierung kann es zu Störungen der Verdauung, Muskelkraft oder der Blutgerinnung kommen. Auch Vitamin E-Kapseln sind deshalb nicht zu empfehlen.
Lange Zeit hatte Niacin (Nikotinsäure) den Ruf, schützend auf Herz und Hirn zu wirken. Auch hier zeigte eine große Studie mit 25.000 Herzpatienten, dass die Dauereinnahme nicht zu weniger Herzinfarkten oder Schlaganfällen führte. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe entwickelten die B3-Konsumenten aber häufiger Leberprobleme und innere Blutungen.
Die Behörden prüfen Nahrungsergänzungsmittel – beispielsweise Vitaminpräparate – nicht wie Arzneimittel auf ihre Sicherheit und Qualität, bevor sie auf den Markt kommen. So kommt es bei diesen Pillen und Pulvern immer wieder zu Verunreinigungen.
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