Bluthochdruck schadet nicht nur Herz und Gefäßen. Eine Langzeitstudie zeigt nun, wie stark eine intensive Behandlung das Demenzrisiko senkt.
Bluthochdruck schadet nicht nur Herz und Gefäßen. Eine Langzeitstudie zeigt nun, wie stark eine intensive Behandlung das Demenzrisiko senkt.
Ein zu hoher Blutdruck macht sich oft jahrelang kaum bemerkbar. Währenddessen wirkt die Belastung jedoch auf Gefäße im ganzen Körper – auch auf jene, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen. Neue Langzeitdaten legen nun nahe, dass Bluthochdruck das Risiko für Demenz erhöhen kann: Menschen mit intensiv gesenktem Blutdruck erkrankten innerhalb von sieben Jahren seltener an Demenz.
Die Zahlen stammen aus dem China Rural Hypertension Control Program, dessen Langzeitergebnisse auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology vorgestellt wurden. Insgesamt nahmen 33.995 Menschen mit Bluthochdruck aus 326 ländlichen Gemeinden in China teil. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 63 Jahren. Nach sieben Jahren hatten 8,85 Prozent der intensiv Behandelten eine Demenz entwickelt. In der Gruppe mit üblicher Versorgung waren es 10,55 Prozent. Auf 1000 Menschen gerechnet entspricht das rund 89 statt 106 Demenzfällen.
Die Hälfte der Gemeinden erhielt eine intensive Betreuung. Speziell geschulte Gesundheitskräfte konnten Blutdruckmedikamente nach einem festen Behandlungsschema beginnen und anpassen. Hausärzte überwachten die Versorgung. Angestrebt wurde ein systolischer Blutdruck unter 130 mmHg und ein diastolischer Wert unter 80 mmHg. Die Teilnehmer erhielten außerdem Beratung sowie vergünstigte oder kostenlose Medikamente.
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Vier Jahre lang lief diese intensive Behandlung. Anschließend beobachtete das Team die Teilnehmer drei weitere Jahre ohne aktive Intervention. Nach insgesamt sieben Jahren war der systolische Blutdruck in der intensiv behandelten Gruppe gegenüber dem Ausgangswert durchschnittlich um 17,6 mmHg gesunken. In der Vergleichsgruppe betrug die Senkung lediglich 2,4 mmHg. Das Demenzrisiko lag relativ 15 Prozent niedriger. Auch kognitive Einschränkungen ohne Demenz traten um 13 Prozent seltener auf.
Wurde Bluthochdruck diagnostiziert, können in Absprache mit einem Arzt Medikamente helfen. Dazu zählen unter anderem ACE-Hemmer, Sartane, Kalzium-Antagonisten und Beta-Blocker. Um normale Blutdruckwerte zu erreichen, hilft außerdem:
1. regelmäßig körperlich aktiv seinSchon etwa 7000 Schritte am Tag senken laut Experten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. Besonders empfohlen wird eine Mischung aus Ausdauertraining wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen und regelmäßigem Krafttraining. Wichtig ist vor allem, Bewegung dauerhaft in den Alltag einzubauen – etwa über feste Routinen oder kleine Ziele.
2. gesund ernährenEine gesunde Ernährung besteht vor allem aus frischen, möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten. Experten raten außerdem dazu, Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel sowie zu viel Salz und Fleisch zu reduzieren und ausreichend Wasser zu trinken. Besonders nachhaltig wirkt eine Ernährungsweise, die Sie langfristig umsetzen können ist – etwa die sogenannte mediterrane Ernährung mit viel Pflanzenkost und hochwertigen Ölen.
3. Stress abbauenChronischer Stress belastet Körper und Psyche und kann langfristig Herz, Immunsystem und Schlaf schädigen. Hilfreich sind feste Erholungsrituale, regelmäßige Bewegung, bewusste Pausen und Achtsamkeitsübungen. Sie helfen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen. Auch ausreichend Schlaf sowie bewusst eingeplante Zeit für sich selbst gelten als wichtige Schutzfaktoren gegen dauerhaften Stress.
„Bluthochdruck ist als beeinflussbarer Risikofaktor für Demenz bekannt, doch es gibt bislang nur begrenzte Langzeitbelege dafür, dass eine Blutdrucksenkung Demenz auf Bevölkerungsebene verhindern kann“, erklärte Studienleiter Yingxian Sun vom First Affiliated Hospital der China Medical University.
Allerdings bedeutet eine relative Risikoreduktion von 15 Prozent nicht, dass 15 von 100 behandelten Menschen eine Demenz vermeiden. Der absolute Unterschied zwischen beiden Gruppen betrug 1,7 Prozentpunkte. Anders ausgedrückt: Von 1.000 Menschen erkrankten innerhalb von sieben Jahren rechnerisch rund 17 weniger an Demenz. Die Ergebnisse gelten zunächst für Erwachsene ab 40 Jahren mit unkontrolliertem Bluthochdruck in ländlichen Regionen Chinas.
Dass dieselbe Behandlung Herz und Gefäße schützt, war bereits zuvor bekannt. Eine 2023 im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichte Auswertung umfasste ebenfalls die 33.995 Teilnehmer. Nach drei Jahren lag die jährliche Rate schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse bei 1,62 Prozent in der intensiv behandelten Gruppe. Unter der üblichen Versorgung waren es 2,40 Prozent.
Das Risiko für diese Ereignisse lag insgesamt rund 33 Prozent niedriger. Schlaganfälle traten relativ 34 Prozent seltener auf, schwere Herzschwäche 42 Prozent seltener. Beim Herzinfarkt betrug die Risikoreduktion 23 Prozent. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, sank um 30 Prozent. Auch die Gesamtsterblichkeit lag 15 Prozent niedriger. Niedriger Blutdruck trat allerdings häufiger auf: bei 1,75 Prozent der intensiv Behandelten gegenüber 0,89 Prozent in der Vergleichsgruppe.
Wie groß die Belastung durch Demenz bereits in vergleichsweise jungen Jahren ist, verdeutlicht eine weitere Auswertung aus dem „European Journal of Neurology“. Sie erfasste Menschen zwischen 40 und 64 Jahren in 204 Ländern und Regionen. Weltweit lebten 2021 demnach geschätzt 7,75 Millionen Menschen dieser Altersgruppe mit Alzheimer oder einer anderen Demenz. 1990 waren es 3,67 Millionen.
Auch unter Berücksichtigung der veränderten Altersstruktur nahm die Häufigkeit zu. Die altersstandardisierte Prävalenz stieg von rund 341 auf 364 Fälle je 100.000 Menschen. Für 2021 errechneten die Autoren außerdem rund 1,38 Millionen neue Erkrankungen. Rauchen, erhöhter Nüchternblutzucker und ein hoher Body-Mass-Index waren zusammen mit rund 1,06 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren verbunden. Diese Untersuchung beschreibt die weltweite Krankheitslast und liefert keinen Beleg für die Wirkung einer Blutdruckbehandlung.
Für Sun sprechen die aktuellen Langzeitdaten dafür, eine strukturierte Blutdruckbehandlung dauerhaft in die medizinische Grundversorgung einzubinden. „In dieser großen gemeindebasierten Untersuchung führte eine skalierbare Intervention durch nichtärztliche Gesundheitskräfte zu einer erheblichen Blutdrucksenkung und verringerte zugleich das Demenzrisiko“, fasst er die Ergebnisse zusammen.
Von Eva Schmitt
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