Eine Keksfabrik, ein Restaurant und Kreuzfahrten ins All: Die Spielewelten an diesem Wochenende sind ziemlich ungewöhnlich. Wir haben einige Kandidaten für den MinD-Spielepreis ausprobiert.
Lebach · Eine Keksfabrik, ein Restaurant und Kreuzfahrten ins All: Die Spielewelten an diesem Wochenende sind ziemlich ungewöhnlich. Wir haben einige Kandidaten für den MinD-Spielepreis ausprobiert.
30.08.2026 , 10:24 Uhr
Bei den Expertenspielen des MinD-Spielepreises ging es am Mittag ins Weltall. In Galactic Cruise versuchten die Spielenden, ihre Weltraumkreuzfahrten an den Mann oder die Frau zu bringen.
Foto: Benedict HeckWir stehen in unserer Keksfabrik. Eine Maschine produziert Teigkleckse, daneben entstehen Zuckerstangen. Ein Koch siebt Zuckerguss, spielt Golf – sofern linke, platzbesetzende Maulwürfe den Golfplatz nicht gekapert haben – und gönnt sich nach Feierabend ein Bier. Die Keksfabrik ist der Einstieg in ein Spiel – und damit in unsere Suche nach dem diesjährigen Sieger des MinD-Brettspielpreises.
Sarah legt einen roten Knopf auf den Tisch. „Der startet die Selbstzerstörung unserer Fabrik.“ Sie platziert ihn neben einer Dynamitstange. „Falls das Finanzamt kommt und unsere Bücher sehen will“, lachte ich. Was wie das Drehbuch zu einem absurden Film klingt, ist in Wahrheit das Brettspiel Wilmot’s Warehouse. Gemeinsam erfinden wir Geschichten, um uns die abstrakten Plättchen zu merken. Bei uns beginnt alles mit einer Keksfabrik.
Jasmin erklärt ein weiteres Plättchen zu unserem Logo. Wir sind uns schnell einig, dass es ziemlich hässlich ist. Auf einem schwarzen Spielfeld mit 49 Kästchen legen wir insgesamt 35 Plättchen verdeckt ab. Danach haben wir fünf Minuten Zeit, Kundenkarten den passenden Motiven zuzuordnen. Es ist wie Memory, nur dass manche Karten Motive zeigen, die gar nicht ausliegen. Unsere Keksfabrik holt die volle Punktzahl. Der freie Markt ist erobert; dass andere Fabriken Insolvenz anmelden, ist offenbar Teil des Systems. In einer späteren Runde wurde aus unserer Keksfabrik eine Vogelscheuchenfabrik. Unter Donald Trumps Leitung produzierten wir Vogelscheuchen mit Sombreros.
Viel Zeit, über die Folgen unseres wirtschaftlichen Erfolgs nachzudenken, bleibt allerdings nicht. Während wir die Plättchen wieder in die Schachtel räumen, wartet schon das nächste Spiel. Denn wir sind an diesem Wochenende nicht nur zum Zeitvertreib zusammengekommen. Wir sollen urteilen.
Der MinD-Spielepreis ist der Brettspielpreis des Vereins „Mensa in Deutschland“ (MinD). Vereinsmitglieder testen die nominierten Spiele und geben anschließend ihre Bewertung ab. Dafür werden in ganz Deutschland verteilt einzelne Spielewochenenden organisiert. Auch unsere Runde im Saarland ist Teil dieses großen Ausprobierens, Vergleichens und Urteilens. Was uns gerade noch als Keksfabrik beschäftigt hat, muss sich nun gegen die nächste Spielidee behaupten.
Meine Mitspielenden und ich probieren uns durch die Kategorie „Kurze Spiele“. Als Nächstes steht Chaosteria auf dem Tisch. Schon als Kind habe ich in der Küche meiner Eltern gern als Kellner ein fiktives Restaurant betrieben. Jetzt kann ich den Kellner-Beruf noch einmal im echten Leben ausprobieren. Also zumindest als Brettspiel.
In der zweiten Runde von Wilmot´s Warehouse begann alles mit einer Vogelscheuche, die einen Sombrero trägt in der Mitte aller Plättchen.
Foto: Benedict HeckWir alle arbeiten in einem Restaurant, haben aber unterschiedliche Essenswünsche. Vor jedem von uns liegen fünf verdeckte Bestellkarten. Wir verraten einander unsere Wünsche und müssen anschließend die Gerichte aus der Tischmitte den richtigen Gästen bringen oder zurück in die Küche schicken. Wer sich irrt, riskiert, dass jemand anderes auf die Klingel haut und dafür Punkte bekommt.
Ich stelle fest, dass ich zum Glück nicht Kellner geworden bin. Jasmin findet das Spiel zu einfach, ich freue mich über meinen vorletzten Platz: „Immerhin nicht Letzter!“ Dann verschwindet die Chaosteria wieder in ihrer Schachtel. Der nächste Testkandidat wartet bereits.
Doch bevor das nächste kurze Spiel auf den Tisch kommt, machen wir einen Sprung – zwei Räume weiter. Im großen Wohnzimmer werden die komplexen Spiele gespielt, die beim MinD-Spielepreis eine eigene Kategorie bilden. Heute stehen Kreuzfahrten ins Weltall auf dem Programm.
Bei Galactic Cruise übernehmen die Spielenden hochrangige Abteilungsleitungen eines Raumfahrtunternehmens. Der Gründer und gleichnamige CEO sucht einen Nachfolger. Wer sein Amt übernehmen will, muss Schiffe bauen, Gäste anwerben und exklusive Reisen ins Weltall organisieren. Am Ende kann nur einer neuer CEO werden.
Von außen wirkt Galactic Cruise wie ein wahres Expertenspiel. Dieser Eindruck bestätigt sich spätestens dadurch, dass die Erklärung fast eineinhalb Stunden dauert. Durch die Partie führt Martin Brüning. Er ist Mitglied bei Mensa und extra aus dem Raum Essen angereist.
Bei Chaosteria führten wir gemeinsam ein Restaurant, aber jeder Spielende sammelt Punkte für sich selbst.
Foto: Benedict Heck„Ich reise nun schon einige Jahre zu den Testspielen der Nominierten ins Saarland“, erzählt er. Das Saarland sei für ihn besonders interessant, weil hier einige spieleaffine Menschen im Verein aktiv seien. Auch für die Verlage habe der Preis inzwischen an Bedeutung gewonnen. „Wenn sie gewinnen, drucken sie unser Logo oft auch auf die Verpackung“, sagt Brüning.
Die nominierten Spiele werden im Frühjahr festgelegt und ab April bei Spielewochenenden in ganz Deutschland getestet. Im Herbst, zu Allerheiligen, soll die Testphase enden und die Gewinner sollen feststehen. Organisator des MinD-Spielepreises ist Jochen Tierbach.
So viel Weltraum, so viele Regeln – und doch führt mich mein Weg bald wieder zurück in unser kleines Zimmer mit den kurzen Spielen. Dort wartet Next.
Bei Next bekommt jeder ein Start- und ein Schlusswort, die durch eine Assoziationskette verbunden werden müssen. Die anderen sehen nur das Startwort und die Anfangsbuchstaben der übrigen Begriffe und müssen die Kette mit wenigen Fehlern rekonstruieren.
Ich soll „Vogel“ mit „Nase“ verbinden. Nach kurzem Grübeln entscheide ich mich für: Vogel, Flügel, Körperteil, Geruch, Nase. Dabei merke ich, dass „Körper“ und „Gesicht“ vermutlich die besseren Begriffe gewesen wären – schließlich sehen die anderen bereits das „N“ von „Nase“. Trotzdem erraten sie meine Kette vollständig.
Auch andere Spiele werden an diesem Wochenende getestet: In Zenith geht es um die Vorherrschaft über Planeten, bei Take Time müssen Zahlenkarten schweigend in aufsteigender Reihenfolge abgelegt werden. Und in Speakeasy baut man sein eigenes Mafia-Business auf – inklusive Angeboten, die niemand ablehnen kann. (str)
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