Der historische Brunnen am Lindenwasen ist zurück an seinem Platz. Drei Pfahlbronner haben ihn mit viel Recherche, Handarbeit und einer Portion Hartnäckigkeit wieder zum Leben erweckt.
Stand: 04.10.2026, 09:34 Uhr

Der historische Brunnen am Lindenwasen ist zurück an seinem Platz. Drei Pfahlbronner haben ihn mit viel Recherche, Handarbeit und einer Portion Hartnäckigkeit wieder zum Leben erweckt.
Alfdorf. Am vergangenen Mittwoch (30.9.) war es so weit: Der kunstvoll verzierte neue Brunnentrog wurde am Lindenwasen aufgestellt und den ersten Probewasserlauf bestand er mit Bravour. Und damit ist ein Stück Pfahlbronner Ortsgeschichte wieder sichtbar – und vor allem wieder hörbar: Wasser plätschert dort, wo einst Menschen ihr Wasser holten und Vieh getränkt wurde. Am Samstag wurde der Brunnen nun eingeweiht.
Spurensuche in alten UnterlagenRolf Schön kennt die Geschichte des alten Brunnens. Als Ortschronist ging er deshalb auf Spurensuche und wurde bei alten Unterlagen fündig. Besonders aufschlussreich sei eine Rechnung vom 1. November 1904. Darin wird ein „neuer Brunnen“ für 164,88 Mark ausdrücklich am Lindenwasen genannt und sei damit ein konkreter Beleg dafür, dass der Brunnen bereits damals zum Ortsbild gehörte.
Wie alt der Brunnen genau ist, lasse sich heute nicht mehr sagen, erklärt Schön. Sicher sei, dass er bereits vor mehr als hundert Jahren eine wichtige Rolle für die Pfahlbronner Wasserversorgung spielte, bevor das Wasser 1908 in die Häuser kam. Der Brunnen war aber nicht nur Wasserstelle, sondern auch ein Ort, an dem man sich traf und Neuigkeiten austauschte.
Initiative zur WiederbelebungDass dort heute wieder Wasser läuft, ist vor allem Hans Tränkle, Dieter Schäfer und Rolf Schön zu verdanken. Die Idee zur „Wiederbelebung“ hatte Tränkle. Ende 2023 stand zunächst allerdings nicht viel mehr als der verrostete Pumpenkörper.
Im Frühjahr 2024 ließen die drei die Pumpe von einem Spezialisten begutachten. Der Auslauf fehlte. Also begann die Suche nach einer möglichst originalgetreuen Lösung. Tränkle wurde dabei zum Brunnenfachmann und Rechercheur in Personalunion und war lange im Internet unterwegs, um Originalteile aufzutreiben. Selbst die passenden Lederdichtungen waren nicht ohne Weiteres zu bekommen.

Und dann tauchte plötzlich sogar das Original wieder auf: Bei einer radikalen Grünpflegeaktion fand sich der alte Auslauf im angrenzenden Gestrüpp. „Der war einfach da“, erzählt Schäfer schmunzelnd. Die restaurierte Pumpe schliffen und strichen die drei selbst. Gespeist wird der Brunnen aus einem rund acht Meter tiefen Brunnenschacht. Die drei Pfahlbronner machten sich daran, den alten Schacht zunächst wieder freizulegen und von Ablagerungen zu befreien.
Neuer Brunnentrog nach historischem VorbildAuch der neue Brunnentrog ist kein fertiges Stück von der Stange. Nach historischem Vorbild wurde er neu geschaffen und am Mittwoch aufgestellt. Das Relief darauf stammt ebenfalls von Tränkle. Aus Holz und Knetmasse fertigte er die „Positive“, daraus entstand anschließend die Negativform für den Gipsabguss.
Nur bei der Farbe holten sich die drei Männer Unterstützung. Den Limesturm, die Kühe vor dem Brunnen und die floralen Ornamente gestaltete die Pfahlbronner Künstlerin Michaela Hertelendy. So fügt sich der neue alte Brunnen auch optisch wieder in den Lindenwasen ein.
„Kein Trinkwasser“, stellt Tränkle klar. Die Wasserprüfung stehe noch aus, optisch und geschmacklich sei aber von einer sehr guten Qualität auszugehen. Für die drei Brunnenbauer ist aber ohnehin etwas anderes entscheidend: Nach rund zwei Jahren Arbeit steht der Brunnen wieder an seinem Platz.
Passend dazu wurde auch das gegenüberliegende Waaghäusle aus den frühen 1920er-Jahren noch einmal herausgeputzt und gereinigt. Ein bisschen Geschichte links, ein bisschen Geschichte rechts – und dazwischen sprudelt nun wieder der Brunnen.
Dank und Anerkennung für das EngagementBürgermeister Ronald Krötz zeigt sich begeistert über „das tolle Engagement von Herrn Tränkle, Herrn Schäfer und Herrn Schön, sowie den vielen weiteren Helfer im Hintergrund, die gemeinsam zum Gelingen der Restauration und Wiederherstellung des historischen Brunnens beigetragen haben“. Das Projekt zeige, was mit Herzblut, Identifikation für die Heimat und Tatkraft erreicht werden könne. Das Resultat könne sich nun wirklich sehen lassen. Krötz dankt allen Beteiligten für ihr „unbezahlbares Engagement“.

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