Im Zuge der Serie "Heimat vor Ort" geht es diesmal durch Alfdorf: Bürgermeister Ronald Krötz kennt die Schmuckstücke, aber auch die Baustellen seiner Gemeinde.
Stand: 27.09.2026, 18:26 Uhr

Im Zuge der Serie "Heimat vor Ort" geht es diesmal durch Alfdorf: Bürgermeister Ronald Krötz kennt die Schmuckstücke, aber auch die Baustellen seiner Gemeinde.
Alfdorf. Ronald Krötz muss nicht lange zögern. Den Startpunkt des „Heimat vor Ort“-Spaziergangs durch Alfdorf setzt der Bürgermeister am Marktplatz. „Weil hier die beiden Hütten unseres Hüttentreffs stehen.“ Sinnbild für das lebendige Miteinander, das Alfdorf auszeichnet.
Wo Alfdorf bautAuf dem kurzen Weg vom Rathaus zum Marktplatz zeigt der Blick nach rechts eine der großen Baumaßnahmen, die Alfdorf momentan vorantreibt. In der Seestraße erneuert die Gemeinde Kanal und Straßenaufbau. „Wir haben außerdem die energetische Sanierung in beiden Grundschulen abgeschlossen“, hebt der 51-jährige Krötz hervor. An der Schlossgartenschule gehe es noch weiter: Mit dem Umbau für die Ganztagsbetreuung und für die neuen Räume der Musikschule und des Musikvereins. Der Verein zieht vom „Haus der Musik" in die Schule.
Liegenschaften verkaufen
„Wir sehen da wirklich einen Mehrgewinn für den Verein, weil wir nach deren Bedarf umbauen“, sagt Krötz und geht auf die Pläne mit dem "Haus der Musik" ein: „Unsere große Herausforderung in Alfdorf ist, dass wir eine riesige Fläche haben, viele Teilorte und damit auch ganz viele Liegenschaften. Von der Anzahl müssen wir sukzessive runter, weil die uns enorm in den Finanzen runterdrücken.“ Gerade das Gelände an der Hauptstraße, auf dem das Haus steht, eigne sich wunderbar für den Verkauf an einen Investor, um dort Wohnraum zu schaffen.
Wohnraum schaffen ist ein Thema, das Alfdorf intensiv beschäftigt. Und das – wie viele andere Themen auch – im Gemeindeentwicklungskonzept festgehalten ist: „Ich bin sehr froh, dass wir uns damit Leitplanken für die kommunale Planung geschaffen haben.“
Viele private Bauplätze
Was in Alfdorf nicht ganz einfach sei: „Wir haben viele freie Bauplätze von Privatleuten.“ Und der Schultes könne jeden Einzelnen verstehen, der sagt, er behalte den Platz und brauche das Geld nicht. „Aber in der Summe tut das uns unheimlich weh.“ Die Verwaltung kommuniziere mit den Eigentümern – und konzentriert sich auf eigenen Grund und Boden: „Wir planen ein kleines Wohngebiet beim Feuersee.“
Im Herbst soll zudem eine Veranstaltung stattfinden, um Bürger über das Projekt "Tür auf" zu informieren. Dabei vermittelt die Caritas Mieter. „Zum Beispiel an ältere Menschen, die momentan allein wohnen. Vielleicht öffnet sich bei dem ein oder anderen dann eine Tür.“
Breitband bis in jedes Gehöft
Der Breitbandausbau sei ein riesiger Schritt für Alfdorf, fährt der Schultes fort. „2020, als ich gekommen bin, war da noch nichts. Und dann ging das relativ schnell mit dem geförderten Ausbau.“ Er sei stolz darauf, dass jedes Gehöft Glasfaser bekommen habe. Jetzt stehe noch ein privater Ausbau durch die Netcom an.
Auch beim Nahverkehr gehe es gut voran. „Am Pilotprojekt VVS Rider müssen wir dranbleiben.“ Die Taktung Lorch-Alfdorf-Schwäbisch Gmünd stündlich bedeute einen riesigen Schritt. „Und dass man von Schorndorf mit dem Bus nach Welzheim fährt und alle zwei Stunden nach Alfdorf fahren kann, auch in die andere Richtung.“
Wer als Autofahrer Alfdorf und Pfahlbronn durchquert, bekommt Tempo 30 vorgeschrieben. „Darüber sind nicht alle glücklich“, weiß Krötz. Das habe aus Sicht der Gemeindeverwaltung aber mit Sicherheit zu tun. „Wir hatten so viele Stellen, wo wir Tempo 30 wollten.“ Genehmigungsfähig sei das nur gewesen, wenn die gesamten Durchfahrten so beschildert werden.
Dirtpark ist Erfolg„Unser Vereinsleben bietet so viele Angebote für Kinder und Jugendliche – auch von den Kirchen.“ Ein 2025 realisiertes Projekt für die Altersgruppe finde sehr gut Zuspruch: „Der Dirtpark wird wirklich gut angenommen, das freut uns sehr.“ Einen Jugendraum gebe es in Alfdorf allerdings nicht. Pläne in diese Richtung, etwa über einen Jugendreferenten, seien der klammen Finanzsituation zum Opfer gefallen. „Wenn sich jemand findet, der eine Betreuung bieten möchte, suchen wir einen Raum und lösen das über die Ehrenamtlichenpauschale.“
Der gut gefüllte Sparstrumpf der Gemeinde hat Alfdorf vor Schlimmerem bewahrt. „Stand jetzt sind wir Ende des Jahres schuldenfrei, aber es ist klar, dass wir eine Neuverschuldung machen müssen, um unsere Maßnahmen zu finanzieren.“ Wie hoch genau? Da möchte der Schultes den anstehenden Haushaltsberatungen nicht vorgreifen. „Wir kritisieren, dass wir notorisch unterfinanziert sind, das geht allen Kommunen so.“
Intern sei die Verwaltung an der Digitalisierung dran. Prozesse sollen vereinfacht werden, um Mitarbeiter zu entlasten. „Wir haben seit 2020 einen Stellenzuwachs von dreieinhalb Mitarbeitern.“ Zum Beispiel eine Kollegin, die fürs Thema Bildung und Betreuung zuständig ist. „Das hatte vorher der Hauptamtsleiter mitgemacht, aber das lässt sich heutzutage nicht mehr leisten.“
Medizinische VersorgungAuch die ärztliche Versorgung habe die Gemeinde im Blick, sagt Krötz: „Wir haben uns sehr gefreut, dass das Medizinische Versorgungszentrum unsere Arztpraxis übernehmen wird.“ Allerdings sei das MVZ noch auf der Suche nach einem Arzt, der nach Alfdorf kommt. „Da waren wir am Anfang zuversichtlich, dass das schneller klappt.“ Krötz hält auch selbst die Augen und Ohren offen, sagt er: „Wenn sich jemand angesprochen fühlt, einfach melden!“
Nicht zuletzt habe Alfdorf „tolle Unternehmen“, nicht nur ZF Lifetec. „Da sind wir sehr breit aufgestellt, und das spüren wir auch bei der Gewerbesteuer.“ Die Gemeinde arbeitet an einer Erweiterung des Gewerbegebiets an der Boschstraße.
So steht's um ZF LifetecKrötz spricht an, dass es beim Unternehmen ZF Lifetec in letzter Zeit viel Unruhe gegeben habe. Auch Stellen wurden abgebaut. „Aus Gesprächen mit der Geschäftsführung oder mit dem Betriebsrat kann ich sagen, dass bei niemandem die Sorge besteht, dass der Standort an sich infrage gestellt wird. Die Angst müssen wir nicht haben.“
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