Paul Bettany kehrt als Roboter-Avenger zurück – in dieser soliden, aber uninspirierten Fortsetzung von WandaVision.
Stand: 13.10.2026, 18:35 Uhr
Paul Bettany kehrt als Roboter-Avenger zurück – in dieser soliden, aber uninspirierten Fortsetzung von WandaVision.
Alles Schlechte muss einmal ein Ende haben – zu diesem Schluss ist offenbar Marvel gekommen. Das spektakulär mittelmäßige Abenteuer VisionQuest auf Disney+ markiert das Auslaufen eines weitgehend desaströsen Versuchs, den Erfolg seiner Superheldenfilme auf den kleinen Bildschirm zu übertragen.
Content-PartnerschaftDieser Artikel von Ed Power entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Die Serie, in der Paul Bettany erneut den fliegenden, ständig von Ängsten geplagten Maschinenmenschen Vision spielt, steht dafür, dass Marvel und Disney ihren Superheldenschrank ausräumen. Mit Ausnahme der dritten und letzten Staffel von Daredevil: Born Again und des neu angekündigten Zodiac sind auf absehbare Zeit keine neuen Realserien geplant. Die Gleichgültigkeit des Publikums hat etwas bewirkt, das selbst die mächtigsten Schurken der Galaxis nicht vermochten: Sie hat das „MCU“ – zumindest vorerst – von unseren Fernsehbildschirmen verbannt.

Das Marvel-Universum auf dem kleinen Bildschirm war nicht durchweg furchtbar. Doch je mehr Disney versuchte, aus diesem erschöpften Gaul noch das Letzte herauszuprügeln, desto tiefer sank die Qualitätskontrolle. Vor diesem Hintergrund ist VisionQuest ein unerwartetes Comeback in der 90. Minute. Die Serie ist nicht durchweg grauenhaft und deutlich besser als die schlechtesten Marvel-Serien, von denen die meisten im kollektiven Vergessen verschwunden sind und nie wieder einen Gedanken wert sein werden.
Vision lebt wieder – und wird von seiner Vergangenheit eingeholtBettany hat sichtlich Lust, wieder Vision zu spielen, eine Kreuzung aus Christopher Reeves Superman und einem iPhone mit schwächelndem Akku. Marvel-Fans werden sich erinnern, dass die Figur vor einigen Filmen getötet wurde. Dank einiger Superheldentricks ist er jedoch zurück, wobei Bettany eine per Kopieren und Einfügen geschaffene Nachbildung des Originals spielt. Er lebt in Edinburgh – oder zumindest in einer Hollywood-Postkartenversion davon, in der alle in wunderschön ausgeleuchteten, eingeschossigen Häusern wohnen.

Die örtliche Kultur wird dort durch die zufällige Begegnung mit einer Dose Irn-Bru heraufbeschworen. Während Vision lustlos seinem Job als Barkeeper nachgeht, verfolgen ihn Erinnerungen an seine große Liebesgeschichte mit seiner Avengers-Kollegin Wanda Maximoff. Diese Romanze nahm ein schlimmes Ende, als Vision starb und eine verzweifelte Wanda ihn wieder zum Leben erweckte. Erzählt wurde das in der besten Marvel-Fernsehserie: dem von David Lynch beeinflussten WandaVision.
Zu allem Überfluss hat Vision auch einen Sohn (Ruaridh Mollica). Die wahnsinnig gewordene Wanda hat ihn aus interstellarem Schleim heraufbeschworen, doch inzwischen ist er quicklebendig und irrt verwirrt durch London. Als wäre das nicht genug, um seine Schaltkreise durcheinanderzubringen, wird Vision auch noch von einem Attentäter namens Paladin (Todd Stashwick) verfolgt. Der ist trotz seiner offensichtlichen Unfähigkeit irgendwie zum international tätigen Auftragsmörder geworden: Jeder Versuch, Vision umzubringen, endet katastrophal.
Starke Darsteller, schwaches SuperheldendrehbuchPaladin hat eine lakonische Assistentin, gespielt von Diane Morgan, deren unerschütterliche komödiantische Kräfte in der blendenden Strahlung dieses schwerfälligen Comic-Drehbuchs zu nichts zusammenschrumpfen. Jeder Schauspieler hat sein Kryptonit. Für Morgan mit ihrem trockenen Humor ist es aufgeblasenes Marvel-Fernsehen. Außerdem bedient sich VisionQuest schamlos bei Pixars Alles steht Kopf: Bettanys Held bekommt eine Gruppe elektronischer Stimmen, die in seinem Kopf in einem simulierten Haus leben und unterschiedliche Aspekte seiner Persönlichkeit verkörpern.
Dazu gehören Orla Brady als Visions gesellige Seite und James D’Arcy als sein persönlicher Sicherheitschef sowie ein wunderbarer James Spader, der als digitaler Geist von Visions bösem Schöpfer Ultron zurückkehrt. In den Filmen ist Ultron ein computergenerierter Roboter. Aus Gründen der Handlung – und des Budgets – kehrt er jedoch in menschlicher Gestalt zurück, mit einem prächtigen Bart und einem schicken Zylinder.

Bettany und Spader sind ganz offensichtlich die Einzigen, die hier Spaß haben – Morgan ganz gewiss nicht –, und ihre gemeinsamen Szenen knistern vor kumpelhafter Chemie. Doch gerade in diesen Passagen fühlt sich VisionQuest am wenigsten wie eine Marvel-Serie an, was offensichtlich das Problem ist, vor dem der Streamingdienst steht. Man kann großartige Schauspieler auf den Bildschirm bringen. Doch wenn man ihnen ein drittklassiges Superheldendrehbuch aufbürdet, können sie nur begrenzt abheben. VisionQuest startet am Mittwoch, 14. Oktober, auf Disney+.
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