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«Wir leiden und feiern zusammen»: Mit seiner Mutter als Coach fährt Corsin Dion Lüthy an die Karate-WM

Дата публикации: 10-10-2026 03:00:00

Der 16-jährige Corsin Dion Lüthy aus Kirchdorf hat sich für die Junioren-WM in Polen qualifiziert. Seine Mutter Esther Andrea Lüthy begleitet ihn auf dem Weg zur Weltspitze – als Mami, Trainerin und Mentalcoach.

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Mit 16 Jahren an die Junioren-WM: Corsin Dion Lüthy aus Kirchdorf gehört zu den grössten Schweizer Nachwuchstalenten im Karate.Mit 16 Jahren an die Junioren-WM: Corsin Dion Lüthy aus Kirchdorf gehört zu den grössten Schweizer Nachwuchstalenten im Karate.

Bild: Valentin Hehli

Darum geht es
  • Der 16-jährige Corsin Dion Lüthy aus Kirchdorf hat sich erstmals für die Junioren-WM qualifiziert. Dort trifft er auf bis zu 18-jährige Konkurrenten.
  • Seine Mutter Esther Andrea Lüthy ist nicht nur sein grösster Fan, sondern auch Coach und Mentaltrainerin. Für sein tägliches Training hat sie sogar einen Raum ihres Studios umgebaut.
  • Neben dem Leistungssport absolviert Corsin ein vierjähriges Sport-KV. Sein Praktikum will er später im familieneigenen Carrosserie- und Lackiercenter Lüthi machen.

Eigentlich hätte Corsin Dion Lüthy an diesem Morgen mal etwas länger schlafen können. Wegen einer Weiterbildung der Lehrpersonen hat der 16-Jährige ausnahmsweise frei. Als wir ihn um 11 Uhr zuhause in Kirchdorf treffen, wirkt er etwas müde – und ziemlich zurückhaltend. Ein ganz normaler Teenager, könnte man meinen.

Doch dann streift Corsin für den Fotografen den Karateanzug des Schweizer U18-Nationalkaders über. Plötzlich ist die Müdigkeit wie weggeblasen, die Zurückhaltung fällt von ihm ab. Aufrecht steht er da, schaut mit festem Blick in die Kamera, während er seine Posen zeigt. Hier ist er in seinem Element.

Fast täglich trainiert Corsin im Gesundheits- und Fitnessstudio «purevitality» seiner Mutter Esther Andrea Lüthy. In den Regalen stehen zahlreiche Pokale. Die Familie wohnt direkt nebenan, im Anbau befindet sich das familieneigene Carrosserie- und Lackiercenter, in dem Corsin später auch sein Berufspraktikum absolvieren will. Den Gruppenraum ihres Studios hat seine Mutter auf die WM hin extra zum Trainingsraum für ihn umfunktioniert.

Corsin Dion Lüthy im Trainingsstudio seiner Mutter. Der 16-Jährige tritt bei der WM in Polen gegen Athleten an, die bis zu zwei Jahre älter sind.Corsin Dion Lüthy im Trainingsstudio seiner Mutter. Der 16-Jährige tritt bei der WM in Polen gegen Athleten an, die bis zu zwei Jahre älter sind.

Bild: Valentin Hehli

Denn am 15. Oktober beginnt der bisher grösste Wettkampf seiner Karriere: Im polnischen Bielsko-Biala tritt er erstmals an einer Junioren-WM an.

Schon als Kind lieber ein Einzelkämpfer

Zum Karate kam Corsin durch seinen sechs Jahre älteren Bruder Gian Andrin, der im nahegelegenen Kampfsportcenter Siggenthal trainierte. Corsin schaute zu und wollte unbedingt mitmachen. Er sei schon damals «ein extremes Duracellhäsli» gewesen, erinnert sich Esther Andrea Lüthy. Mit sechs durfte er endlich anfangen.

Eigentlich wollte Corsin auch Fussball spielen, am liebsten als Goalie. «Ich bin eher ein Einzelkämpfer», sagt er über sich. Schon als kleiner Bub sei für ihn klar gewesen: «Ich will den Pokal alleine mit nach Hause nehmen.»

Auf diesen musste er im Karate nicht lange warten. Bei seinem ersten Turnier in Basel stand er gleich im Final. Corsin und sein damaliger Trainer Valentino Di Lascia glaubten, er sei Zweiter geworden. Erst bei der Siegerehrung merkten sie: Corsin hatte gewonnen.

Mit 16 Jahren an die Junioren-WM: Corsin Dion Lüthy aus Kirchdorf gehört zu den grössten Schweizer Nachwuchstalenten im Karate.Mit 16 Jahren an die Junioren-WM: Corsin Dion Lüthy aus Kirchdorf gehört zu den grössten Schweizer Nachwuchstalenten im Karate.

Bild: Valentin Hehli

Di Lascia erkannte früh sein Potenzial und liess ihn in den Leistungsstützpunkt Aargau im Karate Do Brugg ziehen, als es Zeit für den nächsten Schritt war. «Dafür bin ich Vale sehr dankbar», sagt Corsin. Heute gehört er seit fünf Jahren dem Nationalkader an. In der U16-Kategorie schaffte er es in der Disziplin Kata bis auf Rang sechs der Weltrangliste.

Top 10 im Kata, Top 20 im Kumite: Anlässlich von Corsin Dion Lüthys EM-Teilnahme im Februar 2026 auf Zypern entstand dieses Poster von KarateDo Design.Top 10 im Kata, Top 20 im Kumite: Anlässlich von Corsin Dion Lüthys EM-Teilnahme im Februar 2026 auf Zypern entstand dieses Poster von KarateDo Design.

Bild: zvg

Nach dem Wechsel zu den U18-Junioren musste er sich neu nach oben arbeiten. Zwei Turniersiege und die höchste Selektionspunktzahl seiner Kategorie brachten dennoch das WM-Ticket für Polen. «Das war mein grösstes Ziel für dieses Jahr.»

Zwei bis vier Minuten, in denen alles sitzen muss

Dort gehört Corsin mit 16 Jahren zu den Jüngsten, die Teilnehmer sind bis zu 18 Jahre alt. Besonders stark seien Athleten aus Japan, den USA, Ägypten, der Türkei, Spanien oder Italien. «Ich will mein Bestes geben, alles zeigen, was ich gelernt habe, und möglichst viele Runden gewinnen.»

Seine Mutter wird ihn nicht nur als Mama und grösster Fan begleiten. Sie ist neben den Nationaltrainern sein persönlicher Coach und seine Mentaltrainerin. «Wir leiden und feiern zusammen», sagt Esther Andrea Lüthy.

Ein eingespieltes Team: Esther Andrea Lüthy begleitet ihren Sohn Corsin nicht nur als Mutter, sondern auch als persönlicher Coach und Mentaltrainerin.Ein eingespieltes Team: Esther Andrea Lüthy begleitet ihren Sohn Corsin nicht nur als Mutter, sondern auch als persönlicher Coach und Mentaltrainerin.

Bild: zvg

Corsin startet im Kata. Dabei zeigt er allein und ohne direkten Gegner eine festgelegte Abfolge von Karate-Techniken. Bewertet werden Präzision, Kraft, Schnelligkeit, Kontrolle und Ausdruck. Ein Wackler kann bereits entscheidend sein. Corsin vergleicht das mit einem Sturz beim Eiskunstlauf: Im Kumite, dem Freikampf, könne man noch aufholen. «Beim Kata dauert der Auftritt zwei bis vier Minuten – dann muss man abgeliefert haben.»

Im Kumite erreichte er an der diesjährigen EM den Viertelfinal. Beide Disziplinen auf diesem Niveau zu betreiben, sei aber selten. «Irgendwann werde ich mich entscheiden müssen», ist Corsin bewusst. Seine nächsten Ziele sind die U18-EM 2027 in Armenien und in drei Jahren der Sprung in die Elite.

Die Mutter muss auch loslassen

Sein Alltag ist auf den Leistungssport ausgerichtet. Corsin absolviert ein vierjähriges Sport-KV an der Sport Academy Zürich und trainiert täglich, oft zweimal – in Brugg, zu Hause oder mit dem Nationalkader. Ferien und lange Wochenenden nutzt er für Trainingscamps bei seinen internationalen Trainern in Italien und Spanien.

Viel Freizeit bleibt nicht. Freunde in der Region trifft er selten, dafür hat er durch den Sport Freundschaften auf der ganzen Welt geschlossen. Auf Reisen vermisst er vor allem seine beiden elfjährigen Katzen.

Dass Esther Andrea Lüthy einmal selbst Karate-Coach werden würde, war dabei alles andere als geplant. Mit der Sportart hatte die 51-Jährige ursprünglich nichts am Hut. «Über meine Söhne wuchs ich da einfach hinein.» Inzwischen ist sie zertifizierter «World Karate Coach».

Heute müsse sie ihre Rollen klar auseinanderhalten. «Beim Training und an Turnieren bin ich sein persönlicher Coach.» Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis zwischen Coach und Athlet: «Als er kleiner war, hörte Corsin meist auf meine Meinung.» Heute diskutieren sie auch mal darüber, welche Kata-Wahl die richtige ist. Ihr Sohn müsse zunehmend eigene Entscheidungen treffen.

Ein eingeschworenes Duo: Corsin Dion mit seiner Mutter und Trainerin Esther Andrea Lüthy an der WKF Youth League in Porec.Ein eingeschworenes Duo: Corsin Dion mit seiner Mutter und Trainerin Esther Andrea Lüthy an der WKF Youth League in Porec.

Bild: zvg, Gokhan Taner/Karate Insights

Mit 16 ist Corsin zudem körperlich mitten in der Entwicklung. Sein Körper verändert sich stark, Bewegungsabläufe müssen deshalb immer wieder angepasst werden. Er müsse seinen Körper neu kennenlernen und Geduld haben, wenn etwas nicht mehr gleich funktioniere wie zuvor.

Ein eingeschworenes Duo: Corsin Dion an der WKF Youth League in Porec auf dem Tatami, seine Mutter und Trainerin Esther Andrea Lüthy in der Coaching-Box.Ein eingeschworenes Duo: Corsin Dion an der WKF Youth League in Porec auf dem Tatami, seine Mutter und Trainerin Esther Andrea Lüthy in der Coaching-Box.

Bild: zvg/Fabienne Abu Wahib

Über den gemeinsamen Weg mit seiner Mutter spricht Corsin mit grosser Dankbarkeit: «Ich weiss, wie viel sie für meinen Traum gibt und von ihrem eigenen Leben zurückstellt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.»

Gemeinsam auf Tour zu sein, mache ihm viel Freude. Erfolge gehörten genauso dazu wie Niederlagen und Enttäuschungen. «Auch wenn man als Einzelsportler auf dem Tatami steht, braucht man ein kleines Team im Rücken, auf das man sich zu 100 Prozent verlassen kann.»

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