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Deutschlands Pleitewelle spitzt sich zu: Bayern bei Zahl der Insolvenzen 2026 auf Rang zwei

Дата публикации: 15-10-2026 15:58:26

Weit über 1000 Firmenpleiten in Deutschland – alleine im September. Bayern ist in der „Rangliste“ der Insolvenzen weit oben zu finden. Das steckt hinter der Welle.

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Deutschlands Pleitewelle spitzt sich zu: Bayern bei Zahl der Insolvenzen 2026 auf Rang zwei

Stand: 15.10.2026, 17:58 Uhr

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Weit über 1000 Firmenpleiten in Deutschland – alleine im September. Bayern ist in der „Rangliste“ der Insolvenzen weit oben zu finden. Das steckt hinter der Welle.

Halle/Berlin – Deutschland erlebt 2026 eine Pleitewelle, die selbst erfahrene Ökonomen aufhorchen lässt. Im September zählte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 1666 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Ein Vergleich mit der Vor-Corona-Zeit verdeutlicht die Entwicklung: Da waren es im September durchschnittlich rund 900 Firmenpleiten.

Die Entwicklung kommt nicht aus dem Nichts: Corona hat die Reserven vieler Betriebe aufgezehrt. Danach traf ab 2022 der Ukraine-Krieg und seit diesem Jahr dazu der Iran-Krieg die Unternehmen mitten ins Mark. Aufgrund der ökonomischen Verwerfungen reagieren heute viele Betriebe besonders empfindlich auf jede Störung im Markt.

Immer mehr Werkshallen und Büros bleiben leer: Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist 2026 höher als im Vorjahr

Immer mehr Werkshallen und Büros bleiben leer: Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist 2026 höher als im Vorjahr. ©  IMAGO / Westend61

Wie ernst die Lage ist, zeigt der Blick auf die Statistik. Er wirft zugleich eine Frage auf, die Politik und Wirtschaft beschäftigt: Wie lange hält dieser Zustand noch an, und steht Deutschland das Schlimmste noch bevor? Die Antwort fällt vielschichtig aus, denn Zahlen und Erwartungen laufen nicht immer parallel.

Insolvenzen in Deutschland: Krise erzeugt Pleitewellen

Schon im ersten Quartal 2026 zählte das IWH 4573 Insolvenzen, so viele wie hierzulande seit über zwanzig Jahren nicht. Im zweiten Quartal stieg sie um neun Prozent auf 4996, den höchsten Stand seit 21 Jahren. Die Lage spitzte sich also weiter zu. Auch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schlägt Alarm. Im ersten Halbjahr 2026 zählte sie rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen, 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr, der höchste Halbjahreswert seit 2013.

Als Ursache nennt sie jahrelange wirtschaftliche Schwäche und gestiegene Kosten – das gilt besonders für den Energiesektor. Besonders besorgniserregend laut Experten: Zunehmend scheiden ehemals kerngesunde Industrieunternehmen aus dem Markt aus, wodurch wertvolles technologisches Know-how dauerhaft verloren ginge.

Insolvenzen im Ländervergleich: Wo es am härtesten trifft

Das Gefälle zwischen den Bundesländern ist deutlich. Laut IWH führt Nordrhein-Westfalen die Statistik mit 3341 Insolvenzen an, Bayern folgt mit 2125 Fällen auf Platz zwei. Auf Platz drei folgt Baden-Württemberg, mit 1669 Insolvenzen. Diese sind allesamt industrielle Schwergewichte mit Großkonzernen und vielen Mittelständlern. Laut Berechnungen des Kreditversicherers Allianz Trade stehen im Gesamtjahr 2026 deutschlandweit mehr als 200.000 Arbeitsplätze durch Firmenpleiten auf dem Spiel.

Die Pleitewelle beschränkt sich nicht auf die großen Wirtschaftsräume: Im dritten Quartal erreichten Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Thüringen neue Höchstwerte, wie das IWH mitteilt. Kaum eine Region bleibt verschont. Die Krise habe den gesamten Standort Deutschland erfasst, nicht nur einzelne Problemfelder. Besonders im industriellen Kern wie der Automobil- und Zuliefererbranche geht es rapide bergab: Fast ein Drittel aller westeuropäischen Großinsolvenzen entfällt inzwischen auf Deutschland.

Wirtschaft im Dominoeffekt: Wenn ein Kunde pleitegeht

Die Folgen reichen weit über die betroffenen Firmen hinaus. Wer Waren liefert, bevor er bezahlt wird, trägt das größte Risiko. Nehmen wir an, ein Zulieferer stellt 100.000 Euro für Bauteile in Rechnung. Kurz vor der Zahlung meldet der Kunde Insolvenz an. Löhne und Lieferanten müssen trotzdem bezahlt werden, das Geld aber bleibt aus.

Die Summen sind enorm. Laut Statistischem Bundesamt meldeten Gläubiger im Juni 2026 voraussichtliche Forderungen von rund 3,9 Milliarden Euro an. Die Aussichten auf Rettung? Gläubiger erhalten bei abgeschlossenen Verfahren im Schnitt lediglich 3,9 bis 6,2 Prozent ihrer offenen Forderungen wieder. Auch die Wirtschaft spürt den Druck: Im dritten Quartal erreichten die Insolvenzen von Finanz- und Versicherungsdienstleistern neue Höchststände.

Düsterer Trend: Sanierungen scheitern immer häufiger

Früher bot ein Insolvenzverfahren oft die Chance auf einen Neustart, doch die Voraussetzungen haben sich offenbar verschlechtert. Heute enden Verfahren immer öfter in der endgültigen Abwicklung. Zahlen der Restrukturierungsberatung Falkensteg belegen diesen drastischen Wandel:

Nach Insolvenz: Galeria am Marienplatz verkauft eine Reihe von Waren nicht mehr.

Bekannte Insolvenz in München: Galeria am Marienplatz verkauft seit Kurzem eine Reihe von Waren nicht mehr. © privat

Konnten im Jahr 2020 noch 57 Prozent der insolventen Großunternehmen (ab zehn Millionen Euro Jahresumsatz) saniert oder an Investoren verkauft werden, sank diese Rettungsquote zuletzt auf nur noch 32,1 Prozent. Für mehr als zwei Drittel der betroffenen Großbetriebe bedeutet die Zahlungsunfähigkeit demnach das endgültige Aus.

Firmenpleiten: Ist der Höhepunkt schon erreicht?

Die positive Nachricht: Es gibt vorsichtige Hoffnung. Im dritten Quartal sank die Zahl der Insolvenzen gegenüber dem Vorquartal um 2,3 Prozent. Zwar erwarten die Frühindikatoren des IWH, die zwei bis drei Monate vorauslaufen, für den aktuellen Monat Oktober weiterhin hohe Werte. Im vierten Quartal könnte sich die Lage insgesamt jedoch entspannen.

Entwarnung klingt anders. IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller erklärte zum zweiten Quartal: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt.“ Zum Jahresende erwartet er allerdings sinkende Fallzahlen bei den Firmenpleiten. Die Welle ebbt damit womöglich ab, verschwindet aber nicht. (Verwendete Quellen: IWH, Creditreform, Statistisches Bundesamt, Focus.de, Falkensteg)

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