Extreme Hitze und historische Ernteausfälle bringen die Kartoffelindustrie in Bedrängnis – mit spürbaren Folgen für Verbraucher und Gastronomen.
Stand: 15.10.2026, 16:51 Uhr

Extreme Hitze und historische Ernteausfälle bringen die Kartoffelindustrie in Bedrängnis – mit spürbaren Folgen für Verbraucher und Gastronomen.
Berlin – Der Blick in die Pommes-Schale an der Imbissbude oder in die Tiefkühltruhe des Supermarktes offenbart derzeit ein ungewohntes Bild. Die Fritten sind kürzer, oft dünner und der Preis für das beliebte Kartoffelprodukt zieht spürbar an. Deutschland schlittert in eine handfeste Pommes-Krise. Extreme Wetterbedingungen, anhaltende Hitzephasen und eine schrumpfende Anbaufläche haben die deutsche Kartoffelernte einbrechen lassen. Für die landwirtschaftlichen Betriebe wie auch für die verarbeitende Industrie spitzt sich die Lage dramatisch zu.
Historischer Ernteeinbruch auf den KartoffelfeldernDie offiziellen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zeichnen ein düsteres Bild für die laufende Saison. Mit einer geschätzten Gesamtmenge von nur rund 10,4 Millionen Tonnen unterschreitet die diesjährige Kartoffelernte den mehrjährigen Durchschnitt um deutliche 13 Prozent. Berichte des Statistischen Bundesamts (Destatis) verdeutlichen das Ausmaß des Schadens noch konkreter, wie Spiegel Online analysiert. Im Vergleich zum starken Vorjahr ist die Erntemenge demnach um fast ein Viertel eingebrochen.
Verantwortlich dafür ist ein Zusammenspiel aus klimatischen Extremen und strukturellen Veränderungen. Lange Trockenperioden und Rekordtemperaturen im Sommer haben das Wachstum der Knollen massiv gehemmt. Hinzu kommt, dass die Landwirte die Anbaufläche für Kartoffeln im Vergleich zum Vorjahr um gut elf Prozent verringert haben. Das Zusammenspiel aus weniger Fläche und spürbar geringeren Hektarerträgen, die laut n-tv von 46 Tonnen auf knapp 39 Tonnen absackten, hat zu einer extremen Verknappung des Rohstoffs geführt.
Das logistische Dilemma der FrittenindustrieFür die Hersteller von Pommes frites und anderen Kartoffelprodukten ist dieser Ernteeinbruch ein logistischer Albtraum. Das Hauptproblem liegt dabei nicht nur in der reinen Quantität der geernteten Kartoffeln, sondern vor allem in deren Beschaffenheit. Das Magazin WELT spricht bereits von einer „Krise von nationaler Tragweite“, da für lange, optisch ansprechende Pommes frites zwingend große, langgestreckte Kartoffelknollen von Industriesorten benötigt werden.
Durch den akuten Wassermangel und die Hitze sind die Knollen auf den Feldern in diesem Jahr jedoch schlicht zu klein geblieben. Nach Informationen der Rundschau für den Lebensmittelhandel warnt der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) bereits vor erheblichen Engpässen. Wenn die Großknollen fehlen, können ferner die Maschinen in den Fabriken nicht wie gewohnt ausgelastet werden.
Preisexplosion und Existenzsorgen im ImbissDie Verknappung des Angebots schlägt sich unmittelbar auf den Märkten nieder. Da die Nachfrage der Industrie unverändert hoch bleibt, schossen die Erzeugerpreise für Kartoffeln im August um über 60 Prozent in die Höhe. Während sich diese Teuerung im Einzelhandel bei verarbeiteten Tiefkühlprodukten aufgrund langfristiger Lieferverträge noch nicht vollends bemerkbar macht, kommt der Preisschock in der Gastronomie bereits ungebremst an.
An den deutschen Imbissbuden herrscht akuter Frittenfrust. Eine Video-Reportage von RTL West veranschaulicht den Alltag der Gastronomen, die vor einem großen Dilemma stehen. Sie müssen für die raren, großen Kartoffeln deutlich mehr im Einkauf bezahlen, können diese Kosten aber nicht eins zu eins an die Kundschaft weitergeben. Zudem klagen Betreiber darüber, dass Portionen mit kürzeren Pommes in der Schale optisch zusammenschrumpfen, was zu Unmut bei den Gästen führt. Das deutsche Pommes-Problem zeigt eindringlich, wie empfindlich Lieferketten und Gastronomiebetriebe selbst bei heimischen Grundnahrungsmitteln auf unvorhersehbare Ernteausfälle reagieren. (Quellen: BMEL, Destatis, Spiegel Online, n-tv, WELT, Rundschau für den Lebensmittelhandel, Süddeutsche Zeitung, RTL West) (sts)
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