Weniger Staat, mehr Wohlstand: Das war einmal das Versprechen des heutigen Bundeskanzlers. Warum Friedrich Merz zu diesen Wurzeln zurückkehren sollte. Ein Kommentar von Thorsten Alsleben.
Stand: 15.10.2026, 16:43 Uhr
Weniger Staat, mehr Wohlstand: Das war einmal das Versprechen des heutigen Bundeskanzlers. Warum Friedrich Merz zu diesen Wurzeln zurückkehren sollte. Ein Kommentar von Thorsten Alsleben.
Der Autor, gelernter Journalist und seit 2023 Geschäftsführer des arbeitgeberfinanzierten Thinktanks „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), ist ein leidenschaftlicher Advokat für den freien Markt. Den nachfolgenden Text schrieb er für eine Print-Edition von The European, die auf dem Frankfurt Finance & Future Summit am 21. und 22. Oktober in Frankfurt vorgestellt wird. Bei dem Treffpunkt der Finanz- und Realwirtschaft unter dem diesjährigen Titel "Get stronger, Europe" ist Thorsten Alsleben am Donnerstag Redner zum Thema "Zeit zu wenden! Für einen echten Reformkurs in der Wirtschaftspolitik."
Content-PartnerschaftDieser Artikel entstand in Kooperation mit The European.
Die Industrie schrumpft, die restliche Wirtschaft stagniert und der Staat wächst. Die Folgen sind sinkende Steuereinnahmen, steigende Sozialausgaben und hohe öffentliche Defizite. Viele Bürger spüren bereits Wohlstandsverluste, andere fürchten sie. Das stärkt politische Ränder, erschwert stabile Mehrheiten und macht Reformen noch unwahrscheinlicher. Ein Teufelskreis.

Die politische Linke antwortet darauf mit Forderungen nach noch mehr Staat, höheren Steuern und stärkerer Umverteilung. Und die Union?
Sie könnte die Antwort ausgerechnet in einem Buch ihres Bundeskanzlers finden: „Mehr Kapitalismus wagen“. Es ist 18 Jahre alt, aber die Thesen sind aktueller denn je. Der Autor Friedrich Merz sagte, an Werkschließungen und Arbeitsplatzabbau sei nicht der Kapitalismus schuld, sondern im Gegenteil ein übergriffiger Staat, der den Kapitalismus einenge – also ziemlich genau das, was die Bundesregierungen nach 2005 gemacht haben. Seine auch. Er würde – wäre er nicht Kanzler – bei einer Neuauflage des Buches sicherlich das teure Rentenpaket I aus dem letzten November als Beispiel anführen oder das Tariftreuegesetz, das die meisten Mittelständler faktisch von Aufträgen des Bundes ausschließt, oder die geplante Erhöhung der oberen Steuersätze.
Der Kapitalist Merz war überzeugt, dass Freiheit, Wohlstand und Gerechtigkeit zusammengehören, und Gerechtigkeit nicht durch Einschränkung von Freiheit und Wohlstand für Unternehmen und Leistungsträger erzwungen werden kann.
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Die Wissenschaft gibt ihm recht: Mehr Markt hilft gegen ArmutDie Wissenschaft gibt ihm Recht: Der Zusammenhang zwischen Marktwirtschaft, Wohlstand und sinkender Armut gehört zu den am besten belegten Ergebnissen der Wirtschafts- und Entwicklungsforschung. Laut Weltbank lebten 1950 noch 60 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut, heute sind es etwa 10 Prozent. Die Hauptursache: robustes Wirtschaftswachstum vor allem in kapitalistischen Staaten.
Dieses entsteht durch Investitionen, Innovationen und steigende Produktivität. Unternehmen schaffen bessere Produkte und Dienstleistungen, Löhne steigen und damit auch der Lebensstandard. Die Folgen: mehr Bildung, geringere Kindersterblichkeit, höhere Lebenserwartung und meist auch bessere Umwelt- und Sozialstandards. Mehr Kapitalismus ist zugleich die wirksamste Öko- und Sozialpolitik.
Was der Autor Merz noch wusste, scheint der Kanzler Merz vergessen zu haben. Umso mehr müssen diese einfachen Zusammenhänge, die evident und nicht widerlegbar sind, wieder in den öffentlichen Diskurs gebracht werden: vom Bundeskanzler, von jedem marktwirtschaftlichen Politiker, von Medien. Man muss den Mut haben zuzulassen, dass Leute erfolgreicher und damit auch reicher werden, weil davon am Ende alle profitieren. Sozialneid ist die Basis für sozialen Abstieg. Kapitalismus für Wohlstand und soziale Sicherheit. (von Thorsten Alsleben)
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