Im Seniorenzentrum Sinzheim sorgt ein besonderer Sprachkurs für mehr Verständnis: Pflegekräfte aus aller Welt lernen die Grundlagen des Badischen, um Senioren besser zu verstehen.
Wie begrüßt man sich auf Badisch? Und welche besonderen Ausdrücke gibt es? Dialekte sind schon für deutsche Muttersprachler manchmal schwierig zu verstehen. Für Pflegekräfte aus anderen Ländern wird das dann umso mehr zu einer Herausforderung. Für alle Auszubildenden der Alten- und Pflegeheime der Curatio GmbH, die nicht mit der Muttersprache Deutsch aufgewachsen sind, wird deshalb ein Badisch-Sprachkurs angeboten. Am Donnerstag stand bei einem Kurs im Seniorenzentrum Sinzheim (Kreis Rastatt) wieder der Dialekt im Mittelpunkt.
Pflegekräfte verstehen nicht immer, was gemeint istIm Sprachkurs werden den Teilnehmenden Badisch-Grundlagen vermittelt. Wie sagt man guten Tag, guten Morgen oder gute Nacht auf Badisch. Wenn die Bewohner des Heims so angesprochen werden, dann freuen sie sich darüber, heißt es. Auch Senada Avdic möchte als Pflegekraft den Dialekt besser verstehen.

Sie kommt aus Bosnien-Herzegowina und ist seit 2019 in Deutschland. Seit 2021 arbeitet sie im Seniorenzentrum. Deutsch sprechen und verstehen klappt bei ihr mittlerweile sehr gut - aber manchmal hapert es noch an typisch badischen Wörtern. Als sie das erste Mal "Grumbiere", also Kartoffel, hörte, wusste sie nicht, was gemeint war. Einem Bewohner sei auch mal kalt gewesen, er habe einen "Teppich" gewollt. Zuerst habe sie gesagt, sie könne ihm keinen Teppich geben. Bis sie verstanden hat, dass eine Decke gemeint war.
Initiatorin: Kommunikation ist wichtig in der PflegeMan müsse sich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern verständigen können, sagt Marième Feßler-Ciernia. Sie ist Mit-Initatorin des Badisch-Sprachkurses. Pflegekräfte sollten Badisch zumindest ein wenig verstehen, sagt sie.
In der Altenpflege ist es wichtig, dass man sich mit den Bewohnern unterhalten kann.
Marième Feßler-Ciernia hat Projekte mit anderen Dialekten gesehen. Und da kam sie auf die Idee, einen Badisch-Kurs anzubieten. Zusammen mit ihrer Kollegin Tamara Albiez brachte sie den Sprachkurs auf den Weg.
Ein klassisches Beispiel ist der "badische" Fuß. Der geht vom Fuß bis zur Hüfte. Da ist es wichtig, zu wissen, wo sind die Schmerzen.

Der 100-jährige Alfons Dammert ist Bewohner des Seniorenzentrums Sinzheim. Er erzählt, dass man sich manchmal nicht verstehe und die Pflegekräfte öfter mal nachfragten. Das sei aber nicht verkehrt. Die 92-jährige Ella Albiez sieht es locker: "Dann erklärt man es halt nochmal."
Badisch ist schon schwer.
Pflegekräfte entwickeln durch den Badisch-Kurs das Gefühl für die Sprache und Heimat der Menschen, mit denen sie umgehen, betont Ewald Hall. Der Präsident des Historischen Vereins für Mittelbaden ist Dialekt-Experte und Referent des Kurses. Er betont, es gehe nicht darum, Badisch zu lernen. Vielmehr ein Gefühl zu bekommen, wie die Leute sprechen.

Eine Teilnehmerin sagt, sie habe viel gelernt. Zum Beispiel habe sie nicht verstanden, als eine Bewohnerin sagte: "Ich will nuss." Da musste sie erst nachfragen, um zu verstehen, dass die Frau rausgehen wollte.
Badisch-Sprachkurs wird von Helga Schulz-Zöller Stiftung unterstütztDas Projekt wird von der Helga Schulz-Zöller Stiftung aus Mainz gefördert. Die Stiftung unterstützt Sprachkurse in den Alten- und Pflegeheimen der Curatio GmbH mit 130.000 Euro. Dazu gehört auch der Badisch-Sprachkurs. "Nur so konnten wir das machen", betont Herbert Oeking vom Förderverein des Seniorenzentrums.
Ein Großteil der Pflegekräfte im Seniorenzentrum Sinzheim hat einen Migrationshintergrund. Deshalb werden neben dem Badisch-Sprachkurs auch Deutsch-Kurse angeboten. Alle neuen Azubis kommen aus unterschiedlichen Ländern.