Sportmarketing-Experte Raphael Brinkert erklärt bei Absolut Fussball, warum Michael Olises Bad-Boy-Image kaum schadet – und der FC Bayern gut daran tut, ihm seine Freiheiten zu lassen.
Stand: 23.09.2026, 16:10 Uhr
Sportmarketing-Experte Raphael Brinkert erklärt bei Absolut Fussball, warum Michael Olises Bad-Boy-Image kaum schadet – und der FC Bayern gut daran tut, ihm seine Freiheiten zu lassen.
München – Michael Olise ist auf dem Platz unbestritten Weltklasse – abseits davon sorgt er immer wieder für Stirnrunzeln. Zuletzt fiel der Franzose mit lustlosen Interviews, extravaganten Outfits und einer demonstrativen Gleichgültigkeit gegenüber medialen Erwartungen auf. Raphael Brinkert, Deutschlands meistausgezeichneter Sportmarketer und Gründer der Agentur BrinkertLück, die Kunden wie UEFA und DFB betreut, kennt solche Charaktere.

Im exklusiven Interview mit Absolut Fussball ordnet er ein, was Olises Verhalten für den FC Bayern bedeutet – vermarktungstechnisch, sportlich und intern. Sein Fazit: Solange die Leistung stimmt, ist das Bad-Boy-Image kein Problem, sondern fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.
Brinkert: Olise ist ein Kontrast zu den linearen FußballertypenWie bewerten Sie das Auftreten von Michael Olise? Diese lustlosen Interviews etc...
Auf dem Platz absolute Weltklasse, abseits vom Platz außergewöhnlich. Michael Olise ist bekannt dafür, dass er wenig vom Trubel abseits des Spiels hält. Diesen Weg geht er konsequent, was auch mit seinen Erfahrungen in der Jugend und mit den Medien zu tun haben wird. Die zweifache Ausbootung aus einem Nachwuchsleistungszentrum der Premier League, die öffentliche Geschichte um sein nichteheliches Kind – das sind Themen, die prägen können, gerade in jungen Jahren.
Das bedeutet?
Seine Reaktion ist eine konsequente Trotzreaktion. Mister Nonchalant wird er ja gern genannt. Aber allein, dass die ganze Fußballwelt darüber spricht, zeigt, dass er wieder so ein Typ mit Ecken und Kanten ist, was man gut finden kann, worüber man schmunzeln kann, oder was man ihm auch zur Last legen kann.
Hat der FC Bayern ein bisschen Angst, ihm Kontra zu geben, um den Spieler nicht zu vergraulen?
Absolut. Die Bundesliga hat aktuell zwei absolute Weltstars: Harry Kane als Vorzeigeprofi und Michael Olise als Bad Boy. Der FC Bayern kann die aufsteigende Weltmarke Olise nicht vollumfänglich nutzen, das ist ein Handicap in der Vermarktung, aber solange er spielt, wie er aktuell spielt, dürfte das allen Beteiligten egal sein.
Glauben Sie, dass Olise das total egal ist?
Ich bin fest überzeugt, dass er sehr, sehr gut verdient in München und dass er auch ohne zusätzliche Werbeverträge wunderbar leben kann.
Das heißt, er hat es eigentlich gar nicht nötig, eine Marke zu kreieren?
Olise ist als Fußballer in der Öffentlichkeit per se eine Marke. Sein Verhalten macht dieses Bad-Boy-Image noch einmal stärker, was gerade in jüngeren Zielgruppen eine hohe Attraktivität verzeichnet. So ist er auf seine Art und Weise ein Kontrast zu den linearen Fußballertypen. Der FC Bayern tut gut daran, ihm die Freiheit im Rahmen des Möglichen zu lassen – auf und neben dem Platz.
Schadet Olises Verhalten dem FC Bayern ein bisschen hinsichtlich Sponsorenakquise?
Der FC Bayern, das ganze “Mia san Mia”, funktioniert als Gemeinschafts-, nicht als Individualmarke. Sponsoringverträge sind oft über viele Jahre geschlossen. Olise ist einer von knapp 30 Spielern, wovon mehr als die Hälfte Nationalspieler ist. Der FC Bayern verfügt über so viele starke Charaktere, da stellt man Olise eher in die zweite, dritte Reihe bei Werbespots, oder man nutzt ihn gar nicht. Aber das sind ohnehin meist Kollektivverträge. Von daher ist das eigentlich kein großes Problem.
Wie sollte der FC Bayern mit so einem Spieler umgehen? Bis jetzt wird er immer ein bisschen geschützt, aber ich kann mir vorstellen, dass intern gesagt wird: „Okay, öffne dich mal“ oder „Es wäre schön, wenn er ein bisschen mitspielen würde“.
Ein Problem wird es dann, wenn seine Leistung nicht stimmt. Im Moment ist diese jedoch konstant Weltklasse. Mit seiner Attitüde setzt sich Olise jedoch selbst unter enormen Leistungsdruck. Solange sein Verhalten im Rahmen des Vertretbaren ist und nicht das Kollektiv beschädigt, wird der Verein jedoch immer ein bis zwei Augen zudrücken. Und da machen beide Seiten gerade alles richtig.
Das heißt, solange er seine Leistung bringt, kann er machen, was er will?
Ganz wichtig: Er ist ein Grenzgänger im öffentlichen Bereich, nicht im sportlichen – weder in der Kabine, noch beim Training, noch beim Spiel. Auch hört man von seinen Mitspielern nichts Negatives. Er hat eben nicht wie Thorsten Legat seinerzeit auf sich aufmerksam gemacht, als der sich die Hose auf dem offiziellen Mannschaftsfoto bis unter die Achseln gezogen hat.
Ist es denn so, dass wenn Real Madrid anklopft, die sich auch angucken, wie er sich verhält, und dann sagen: „So einen eigenwilligen Charakter, den holen wir uns nicht ins Boot“? Oder glauben Sie, dass das keine Rolle spielt?
Ich bin überzeugt, dass dieses Bad-Boy-Image an vielen Stellen sogar eine hohe Attraktivität im globalen Fußball hat. Kylian Mbappé ist jetzt auch kein leichter Charakter. Vinícius Jr. genauso wenig. Die Leistung steht im Vordergrund. Mit dem Bad-Boy-Image kann man spielen, damit kann man kokettieren. Daher wird es bei der Leistung, die er aktuell abruft, keinen potenziellen Käufer über die Maßen tangieren.
Mit seinem Bad-Boy-Image fühlt sich die jugendliche Zielgruppe angesprochen, aber social-media-mäßig blockt er auch alles ab...
… aber das heißt ja nicht, dass nicht über ihn gesprochen wird. Das Gegenteil ist der Fall, wie auch unser Gespräch zeigt. Viele nutzen ihre Social-Media-Kanäle, um Werbepartnern gerecht zu werden. Er verzichtet auf Werbepartner und ist dennoch eine der stärksten und attraktivsten Fußballer-Marken im Weltfußball.
Er fällt auf dem Platz mit Leistung auf – und abseits des Platzes mit seinem Verhalten und seinen Outfits...
Ich finde es bedenklich, wenn zweit- und drittklassige Spieler eine Attitüde an den Tag legen. Bei absoluten Weltklasse-Spielern muss man damit umgehen können, das ist auch eine Frage der Vereinsqualität. Michael Olise ist der Antiheld abseits des Platzes, aber der Held auf dem Platz. Er setzt sich selbst unter diesen enormen Leistungsdruck, performt aber. Solange er diese Mischung findet, hat damit kaum ein Fan, Sponsor oder Verantwortlicher ein Problem.