Smartphones sind unbestreitbar nützlich, heißt es an der Herderschule in Esslingen. Da Handys aber auch erhebliche Risiken für Kinder bergen, gibt es dort nun einen Elternpakt.
Smartphones sind überall in den Schulen. Manchmal sogar schon bei Grundschülerinnen und -schülern. Deswegen können sich Eltern an der Herderschule in Esslingen seit dem laufenden Schuljahr verpflichten, den freiwilligen Elternpakt "Erst Smart. Dann Phone." zu unterschreiben. Darin heißt es: "Ich entscheide mich dafür, dass mein Kind bis zum Ende der Grundschulzeit kein eigenes, internetfähiges Smartphone und keine Social-Media-Accounts bekommt." Das gelte generell - also auch für den privaten Bereich außerhalb der Schule.
Region Stuttgart
In Stuttgart platzt ein Prozess, weil ein Schöffe im Gericht gedaddelt hat. In Brandenburg soll ein Handy-Verbot an Schulen kommen. Was ist wo erlaubt? Ein Überblick.
Keine Smartphones: Zustimmung bei Eltern und SchülernNahezu alle Eltern der knapp 60 Erstklässler haben unterschrieben. Die Schulleitung spricht von 98 Prozent Zustimmung. Die Idee zu der freiwilligen Selbstverpflichtung hatte die Elternbeiratsvorsitzende Eva Paulik. Bei einer Infoveranstaltung habe sie bei vielen Eltern offene Türen eingerannt. Väter und Mütter hätten Sätze gesagt wie: "Toll, dass Sie das machen", "Endlich traut sich mal jemand" oder "Wir unterstützen Sie da.".
Plochingen
Für rund 30 Schülerinnen und Schüler in Plochingen gilt fürs neue Schuljahr: Das Smartphone bleibt zu Hause. Lehrerinnen und Eltern erhoffen sich einen Schutzraum für die Kinder.
Auch bei den Schülerinnen und Schülern scheint die Zustimmung groß. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der neunjährige Tim hat zum Beispiel beobachtet, dass "wenn einer ein Handy in der Hand hat, wollen alle draufgucken. Dann ist es wie so eine ganze Traube auf dem Schulhof." Den Viertklässler stört das, denn die Pause sei "eigentlich zum Springen und Toben" da. Ähnlich geht es Hasan. Der Zehnjährige findet es "blöd", wenn sich Mitschüler auf dem Schulhof um ein Handy versammeln, statt zum Beispiel Basketball spielen.

Schon bisher waren an der Herderschule in Esslingen Handys im Unterricht verboten. Sie mussten während des Unterrichts und der Pausen in einer Box verschlossen sein. Der jetzige Elternpakt geht weiter und betrifft auch die Freizeit der Kinder. Elternbeiratsvorsitzende Eva Paulik verweist auf die Gefahren, die von Smartphones und anderen internetfähigen Endgeräten ausgehen können: "Gewaltvideos, pornografische Sachen, sexuell anzügliche Dinge - das sollten Kinderaugen einfach nicht sehen."
Cybermobbing ist komplett unfair.
Doch die Gefahr kommt nicht nur von außen, auch Mitschülerinnen und Mitschüler können zu Tätern werden: Thema Cybermobbing. Die neunjährige Liana erklärt es so: "Dass man eine Person im Internet schlecht dastehen lässt, mobbt und alle sehen das. Die Person fühlt sich dann schlecht." Hasan sagt: "Cybermobbing mag ich überhaupt nicht. Einfach eine Gruppe zu bilden, um eine Person fertig zu machen, das ist doch komplett unfair." Er gibt zu bedenken: "Wie würde man sich selber fühlen, wenn man das Opfer wäre?"
Schulleiterin: Handynutzung ist nicht grundsätzlich verbotenDie Kinder der Herderschule können - selbst wenn ihre Eltern den Pakt unterschrieben haben - in ihrer Freizeit Handys nutzen. Allerdings kein eigenes und nicht unkontrolliert, sagt Schulleiterin Margarete Teuscher. Zum Beispiel von den Eltern freigeschaltete Lern-Apps könnten sehr positiv sein.
Einen besonders großen Vorteil der Elternverpflichtung sieht die Schulleiterin darin, dass sich Eltern "verbünden" und ihr Kind nicht sagen kann: "'Aber der und die haben ein Handy und ich habe keins.' Das geht nicht, wenn 98 Prozent eines Jahrgangs hinter diesem Pakt stehen und die Kinder alle kein Handy haben. Dann ist das keine Diskussion."
Es wird nicht kontrolliert, ob das Smartphone dabei istDie Teilnahme am Elternpakt ist freiwillig. Das heißt, es gibt keine Sanktionsmöglichkeiten. Eva Paulik formuliert es so: "Da das anonym und vollkommen freiwillig ist, können wir das nicht überprüfen, ob das wirklich von jedem Elternteil durchgezogen wird. Aber die Hoffnung ist da, dass alle gemeinsam zusammenhalten." Der Elternpakt wurde zum jetzigen Schuljahr eingeführt. Während bei den jetzigen Erstklässlern fast alle Eltern zugestimmt haben, sei die Beteiligung in den höheren Klassen geringer, so die Schulleitung.
Baden-Württemberg
Das Kultusministerium BW hat Empfehlungen für Schulen ausgesprochen, um ein Handyverbot möglich zu machen. "Endlich", sagt ein Lehrer, "unfair" - ein Schüler. Ein Stimmungsbild
Unterdessen hat die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart ihre Unternehmen zu einem möglichen Handyverbot befragt. Hintergrund sind Pläne der baden-württembergischen Landesregierung für ein landesweites Handyverbot an Schulen ab dem Schuljahr 2027/28. Die Angaben der Unternehmen decken sich dabei weitgehend mit denen der Grundschule in Esslingen.
Immer mehr Kinder haben immer früher ein SmartphoneSo sehen Unternehmen bei einem Handyverbot vor allem die Chance, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht weniger abgelenkt seien und sich besser konzentrieren könnten. Viele erwarten außerdem, dass Jugendliche wieder mehr direkt miteinander sprechen würden und es seltener Streit wegen Fotos, Videos, sozialer Medien oder Cybermobbing gebe.
Kinder surfen immer früher im Internet und sind oft täglich online. Das ist das Ergebnis der Studie „Kindheit, Internet und Medien“.
Kinder sind immer früher im Internet und viele von ihnen besitzen - immer früher - ein eigenes Smartphone. Das ist das Ergebnis der Studie "Kindheit, Internet und Medien" (KIM). Sie wird alle zwei Jahre durchgeführt. Seit der jüngsten Erhebung, die im Jahr 2024 durchgeführt wurde, habe sich der Trend, dass Kinder immer früher Zugang zu internetfähigen Geräten hätten, eher noch zugenommen, heißt es bei der Landesanstalt für Medien auf SWR-Anfrage.
46 Prozent der Kinder besitzen ein eigenes Smartphone - mit starkem Altersgefälle: Bei den 6- bis 7-Jährigen sind es 11 Prozent, bei den 12- bis 13-Jährigen 79 Prozent. Viele von ihnen würden soziale Medien wie WhatsApp (73 Prozent wöchentlich), TikTok (42 Prozent) oder Instagram (25 Prozent) nutzen, so die Zahlen der KIM-Studie 2024. Und dabei ist WhatsApp erst ab 16 Jahren.
Baden-Württemberg
Eine Expertenkommission empfiehlt ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13. Die Bundesfamilienministerin will das umsetzen. Baden-Württemberg signalisiert Unterstützung.
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