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Nach Abschiebung: Altenpflegehelfer Kijera darf nach Deutschland zurück

Дата публикации: 16-10-2026 15:14:41

Nach fast drei Jahren darf Sedia Kijera voraussichtlich wieder nach Kirchheim am Neckar zurückkehren. Ein Unterstützerteam und ein Anwalt haben sich für den Gambier eingesetzt.

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Im Februar 2024 wurde der in Deutschland zum Altenpflegehelfer ausgebildete Sedia Kijera in sein Herkunftsland Gambia abgeschoben. Fast drei Jahre lang kämpften Unterstützer und eine Freundesgruppe für seine Rückkehr nach Deutschland. Kijera kaufte sich in der Zwischenzeit eine Hühnerfarm in Gambia und wurde dort bereits mehrfach überfallen und angegriffen. Jetzt kam der Wendepunkt: Womöglich kann Kijera bereits Ende Dezember wieder zurück nach Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg).

Abschiebung, Haft und Abschied

Sedia Kijera flüchtete 2014 aus Gambia nach Deutschland, machte eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer und lernte Deutsch. "Hochmotiviert, äußerst freundlich, immer wissbegierig", beschreibt Daniela Lehmann, die Leiterin des Pflegeheims, Kijera. Dennoch wurde vom Justizministerium eine Abschiebung im Dezember 2023 gegen ihn eingeleitet. "Es war ein großer Verlust", sagt Lehmann über ihren "super Mitarbeiter und guten Azubi".

Sedia Kijera im Porträt auf seiner Hühnerfarm.

In Gambia ist Sedia Kijera aufgewachsen. Der gelernte Altenpflegehelfer lebte rund zehn Jahre in Deutschland, bevor er nach Gambia zurück musste. Sicherer Hafen Kirchheim, Johan Schwarzkopf

Kijera wollte nicht zurück nach Gambia, sein Vater war bereits verstorben, seiner Familie ging es wirtschaftlich dort sehr schlecht. Weil Kijera nicht ausreisen wollte, kam er in Abschiebehaft nach Pforzheim. So lange, bis er freiwillig zurück nach Gambia fliegen wollte. Im Februar 2024 war es so weit. Für Lehmann war das alles nicht begreifbar: "Eigentlich lief alles, und er hat sich immer ordentlich verhalten."

Während der Haft kam Götz Schwarzkopf von der Kirchheimer Ortsgruppe "Sicherer Hafen" auf Kijera zu - das Bündnis unterstützt Geflüchtete. Schwarzkopf war auch dabei, als Kijera vom Stuttgarter Flughafen zurück nach Gambia flog. Mit einem Unterstützerteam hat er sich seither für Kijera eingesetzt und alles versucht, sodass Kijera wieder zurück nach Deutschland kommen kann. Es sollte ein langer Prozess werden.

Zurück in Gambia: Kijera kauft sich eine Hühnerfarm

Wieder zurück in Gambia, wurde Kijera laut seinem Unterstützer Schwarzkopf überfallen, bevor er überhaupt zu Hause ankommen konnte. In den nächsten Wochen hat der 31-jährige Kijera sich von seinem Ausbildungsgehalt ein kleines Grundstück gekauft und dort eine Hühnerfarm aufgebaut, um sich, seine Mutter und zwei Schwestern zu versorgen. "Er ist eine tolle Persönlichkeit, die mit vielen, vielen Niederlagen schon umgegangen ist und sich immer wieder aufgestellt hat", sagt Götz Schwarzkopf. Immer wieder wurde Kijera überfallen und angegriffen - einfach, weil er jetzt mehr habe als die anderen aus seinem Heimatort, sagt Schwarzkopf.

Sedia Kijera füttert seine Hühner auf einer Farm in Gambia.

Der 31-jährige Sedia Kijera füttert die Hühner auf seiner Farm in Gambia. Seit fast drei Jahren wartet er darauf, wieder zurück nach Deutschland einreisen zu dürfen. Sicherer Hafen Kirchheim, Johan Schwarzkopf

In der Zwischenzeit haben die Unterstützer um Schwarzkopf Anwälte engagiert und alle Möglichkeiten ausprobiert, um eine Rückreise Kijeras nach Deutschland zu ermöglichen. Schwarzkopf telefonierte mit den Verantwortlichen aus dem Justizministerium: "Man kriegt die Zeit und auch die Möglichkeit zu sprechen, und das finde ich klasse." Doch erstmal bleibt alles erfolglos. Ein Arbeitsvisum wird abgelehnt. Kijera muss in Gambia bleiben.

Wegen Marihuana-Konsum zur Ausreise verpflichtet?

Als Grund für Kijeras Ausreisepflicht nennt das baden-württembergische Justizministerium gegenüber dem SWR: "Allerdings lag aufgrund der strafrechtlichen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe ein Ausweisungsinteresse vor." Was konkret damit gemeint ist, weiß Götz Schwarzkopf: Kijera habe sich anfangs in Deutschland in der Sammelunterkunft mit Freunden zum Kiffen getroffen. Nach einer verdeckten Ermittlung wurde er dazu genötigt, zu unterschreiben, dass er Handel mit Marihuana betrieben habe. Obwohl er laut Schwarzkopf nur konsumiert habe.

"Wir wissen, dass sich die Gesetzeslage ja geändert hat, was Rauschgiftkonsum anbelangt. Sprich, er wäre heute gar nicht mehr bestraft worden", sagt Schwarzkopf. Zusätzlich zur Strafe blieb der Eintrag im Bundeszentralregister 15 Jahre lang bestehen. Deshalb sei Kijera schließlich trotz Pflegerausbildung und Fachkräftemangel abgeschoben worden, sagt Schwarzkopf.

Kijera muss 35.000 Euro für Einreise zahlen

Erst jetzt kam der Wendepunkt, wie Sedia Kijera nach Deutschland zurückkehren kann: ein außergerichtlicher Vergleich. Für die 78-Tage Abschiebehaft seien laut Justizministerium rund 35.000 Euro an Kosten entstanden. "Er hätte auch im 3-Sterne-Hotel nächtigen können, 78 Tage lang. Warum das so teuer ist, keine Ahnung", sagt Schwarzkopf. Sobald die 35.000 Euro jedoch überwiesen sind, dürfe Kijera wieder einreisen und in Deutschland bleiben. Kijera könne das alleine nicht stemmen, wolle sich aber an den Kosten beteiligen, soweit es ihm möglich sei. Schwarzkopf sammelt deshalb Spenden für ihn und ist optimistisch: "Wir haben fast die Hälfte."

Was dann mit dem Geld passiert, weiß Schwarzkopf nicht: "Werden dort neue Abschiebehaftgefängnisse mitfinanziert oder die [Europäische Grenz- und Küstenwache] Frontex?" Das baden-württembergische Justizministerium antwortet dem SWR: "Gezahlte Abschiebungskosten werden als Einnahmen des Landes verbucht. Sie erhöhen haushaltsrechtlich die für Rückführungskosten vorgesehenen Mittel."

Weihnachten in Deutschland für Kijera?

Schwarzkopf will das Geld Ende November ans Regierungspräsidium überweisen und hofft, dass Kijera noch im Dezember mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland reisen kann: "Es wäre natürlich schon schon megastark, wenn wir da miteinander Weihnachten feiern könnten." Jetzt ist die Freude nicht nur bei Schwarzkopf und dem Unterstützungskreis "Sicherer Hafen" groß, sondern laut Schwarzkopf auch bei Kijera selbst: "Sedia hat sich riesig gefreut und konnte dann nächtelang nicht schlafen, weil er halt total aufgeregt war. Also er hat, glaub ich, noch weniger dran geglaubt als wir hier."

In Deutschland freuen sich laut Pflegeheim-Leiterin Lehmann "viele, viele Menschen": Kollegen und Bewohner, die Kijera noch kennen, "sind bis heute noch an ihm interessiert und fragen nach". Wenn Kijera dann im Dezember wiederkommen sollte, wäre auf jeden Fall wieder eine Stelle für ihn frei, sagt Lehmann: "Wir könnten ihn gerade supergut wieder gebrauchen."

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