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General-Briefing: Was Japan mit der Sicherheit in Europa zu hat

Дата публикации: 09-10-2026 20:00:39

General a.D. Bühler lenkt den Blick auf geo-strategische Gemeinsamkeiten von Japan und Europa. Auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs empfiehlt er Kooperation.

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Cover des Podcasts: Was tun, Herr General? / Hintergrund KI-erzeugt

AUDIO: Podcast "Was tun, Herr General?" #375 – Warum Japan für Europas Sicherheit wichtig ist (29 Min)

Was tun, Herr General? Das Briefing

Stand: 09.10.2026 22:00 Uhr

Japan gehört wie kaum ein anderes Land im Fernen Osten zum politischen Westen. Darum lohnt es, aus Deutschland auch einen sicherheitspolitischen Blick dorthin zu werfen und auf die Lage zwischen China und Taiwan. Auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, denn spätestens seit dem Kriegseintritt Nordkoreas sind Europa und indopazifischer Raum verbunden. Was tun, Herr General? Das Briefing.

von MDR AKTUELL

Vor einer Woche hat Japan einen mutmaßlich führenden Kopf der russischen Hackergruppe "Qilin" an nordrhein-westfälische Ermittler überstellt. Der 28 Jahre alte Russe war in Tokio festgenommen und ausgeliefert worden, obwohl zwischen Japan und Deutschland kein Auslieferungsvertrag besteht. Am Montag dieser Woche hat Moskau "Gegenmaßnahmen" wegen der Sanktionen angekündigt, die Japan analog zu denen der EU wegen des Ukraine-Kriegs gegen Russland verhängt. Und jetzt prüft Japan die Lieferung von "Patriot-Abfangraketen an die Ukraine.

Japan ist (k)ein Randthema

Nicht nur dieser drei aktuellen Nachrichten zeigen, dass Japan zwar für viele in Deutschland sicherheitspolitisch ein Randthema sein mag, das aber ein Irrtum sein kann. Das sagt zumindest Ex-Nato-General Erhard Bühler im MDR-AKTUELL-Podcast "Was tun, Herr General?", denn er sieht Japan in einer ganz ähnlichen strategischen Zeitenwende wie Deutschland, wenn auch unter deutlich mehr Druck.

Ein Grund für Japans Umdenken: Nordkorea und seine Kooperation mit Russland

Doch während in Deutschland darüber oft eher abstrakt diskutiert werde, trainierten die Japaner den Umgang mit Krisen ganz praktisch in Schulen, Betrieben und im Alltag, sagt Bühler. Und für ihn ist das mehr als eine kulturelle Besonderheit – vielmehr ein Hinweis darauf, dass Japan auf die Bedrohung durch China, Russland und Nordkorea deutlich entschlossener reagiert, als es noch vor wenigen Jahren zu erwarten gewesen wäre.

Die Konsequenz, die Japans Regierung aus dieser Lage zieht, ist, dass die Armee gestärkt werden muss, um Krieg um Taiwan und Japan durch Abschreckung zu verhindern. Erhard Bühler | Was tun, Herr General? #375

So verringert Japan seine seit 1945 geübte sicherheitspolitische Zurückhaltung, wobei laut Bühler vor allem China den Blick auf Abschreckung und Verteidigung dort verändert habe, neben Zweifeln auch an der Verlässlichkeit der USA.

  • Laut Bühler sieht Japan drei sicherheitspolitische Herausforderungen: China, Russland und Nordkorea, mit China als zentrale Bedrohung.
  • Grund seien vor allem der militärische Ausbau der chinesischen Marine- und Nuklearfähigkeiten und die Bedrohung der Demokratie in Taiwan.

Japan verabschiedet sich demnach von seinem "Nachkriegs-Pazifismus", weil sich sein strategisches Umfeld fundamental verändert habe. Das sei aber kein Sonderfall, sondern Teil einer globalen Entwicklung, in der Demokratien, die von einer stabilen Weltordnung lange profitierten, wieder stärker in Abschreckung investieren.

General a.D. Erhard Bühler bei MDR Aktuell

Experte

Erhard Bühler

General a.D. der Bundeswehr und Ex-Nato-General

Hybrider Druck statt offener Krieg

Trotz der Bedrohung glaubt Bühler nicht an einen bald ausbrechenden Krieg um Taiwan. Er sagt, viele seiner Gesprächspartner meinten, dass ein chinesischer Angriff kurzfristig eher unwahrscheinlich sei. Die eigentliche Gefahr liege demnach eher in einem länger anhaltenden Systemkonflikt mit hybridem Druck.

Unsere japanischen Gesprächspartner rechnen mehr mit Bedrohung, Propaganda, Informationskrieg, auch Cyberangriffen. Erhard Bühler | Was tun, Herr General? #375
  • Bühler: Japan wäre von einer Eskalation um Taiwan unmittelbar betroffen, geografisch, wirtschaftlich und politisch.
  • Unwahrscheinlich sei ein großer Angriff, weil das auch für China enorme ökonomische Kosten hätte und das Land auf Märkte im Westen angewiesen sei.
  • Bühler erwartet stattdessen eine Fortsetzung hybrider Einflussnahme und möglicherweise eine Strategie wirtschaftlicher Blockaden.

Bühler beschreibt hier weniger eine reale Kriegsgefahr als einen langfristigen Systemkonflikt, ähnlich dem Kalten Krieg der USA und der Sowjetunion, der aber nicht zwingend in einen militärischen Schlagabtausch münden muss.

Japan und Europa in einem Boot

Für Bühler sind Europa und der Indopazifik spätestens seit der russisch-nordkoreanischen Kooperation und der Unterstützung aus Nordkorea für den Ukraine-Krieg mit Waffen und Soldaten sicherheitspolitisch miteinander verbunden. Deshalb sollte Bühler zufolge der Taiwan-Konflikt nicht nur als ein regionaler in Asien gesehen werden, sondern in einem größeren Zusammenhang.

Ich denke, spätestens seit dem Kriegseintritt Nordkoreas auf der russischen Seite ist die Sicherheit des Euroraums mit dem indopazifischen Raum verbunden. Erhard Bühler | Was tun, Herr General? #375
  • Bühler nennt den Kriegseintritt Nordkoreas auf der Seite von Russland als entscheidend für strategische Kooperation, mit militärischem Wissenstransfer, von Kampferfahrung bis Raketen- und Nuklear-Entwicklung.
  • Deutschland und Japan sieht Bühler hier vor ähnlichen Herausforderungen: Bedrohung von außen, Abhängigkeit von freien Handelswegen und Unsicherheit über die langfristige Verlässlichkeit der USA.
  • Bühler erwartet dabei keinen klassischen gegenseitigen militärischen Beistand. Dafür seien Entfernungen zu groß und Ressourcen zu begrenzt. Seine Perspektive ist eher geo-strategisch: Europa und Japan könnten sich gegenseitig stärken auf technologischer und industrieller Basis und so auch im Bereich der Rüstung.

Fazit: Bühler sieht Europa und Japan als Teil eines strategischen Raums in einer weiter gefassten Bündnis-Logik. Und in der geht es demnach nicht um militärische Fähigkeiten allein, sondern auch darum, dass sich Demokratien in Europa und Asien gegenseitig krisenfest machen, auch durch sichere Lieferketten und Technologie.

MDR AKTUELL (ksc), mit AFP/CCTV

Vielleicht die nähere Zukunft: Mehr Austausch mit Japan auch von Schülern

Was tun, Herr General? Das Briefing.

Das Briefing entsteht aus dem MDR-AKTUELL-Podcast "Was tun, Herr General?". Im Podcast analysiert Tim Deisinger mit General a.D. Erhard Bühler die militärische Lage in der Ukraine und die Auswirkungen des Krieges auf Europa und die internationale Sicherheitspolitik.

Kontakt

Sie möchten eine Frage in den Podcast einbringen oder haben Feedback? Schreiben Sie der Redaktion an general@mdraktuell.de oder rufen Sie kostenfrei an unter 0800 637 37 37.

Rettungskräfte beseitigen Trümmer und suchen nach Menschen in einem Wohnblock, der von einer Rakete getroffen wurde.

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