Neue EU-Regeln sollen Greenwashing verhindern. Firmen klagen über kurze Fristen und unverkäufliche Ware, Verbraucherschützer begrüßen strengere Siegel.
Nachhaltigkeitsversprechen
Greenwashing-Regel: Firmen in VerpackungsnotStand: 28.09.2026 12:53 Uhr
Seit Sonntag gelten strengere EU-Regeln gegen Greenwashing auf Verpackungen. Unternehmen warnen vor hohen Kosten und unverkäuflicher Ware. Verbraucherschützer begrüßen, dass Nachhaltigkeitsversprechen und Siegel künftig besser belegt werden müssen.
von Antonia Hirschmann, MDR AKTUELL
Philip Siefer von der Firma Einhorn ist verzweifelt. Er hat sein Unternehmen mit der Idee gegründet, Kondome und Tampons nachhaltig herzustellen. Ausgerechnet die neue EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Greenwashing bringe sein Unternehmen nun in Schwierigkeiten.
Der Verlust für uns ist riesig. Das sind immer noch 80.000 Euro Warenwert. Es ist richtig viel Geld für ein kleines Unternehmen. Philip Siefer, Firma Einhorn
Nach Angaben von Siefer sitzt Einhorn auf rund 600.000 Tampons, die nun nicht mehr verkauft werden dürfen. Grund seien die Verpackungen: Dort wirbt das Unternehmen mit Begriffen wie "fair", "feministisch" und "fairstainable".
Wenn ich nachhaltig draufschreibe, muss auch erklärt werden, was nachhaltig bedeutet. Philip Siefer, Firma Einhorn
Die einzelnen Begriffe sind unproblematisch. Aber durch die neue EU-Richtlinie müssen Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen künftig erklärt und belegt werden, erklärt Siefer. Unter den Begriffen müsse als stehen, was sie genau bedeuten: "Wenn ich nachhaltig draufschreibe, muss auch erklärt werden, was nachhaltig bedeutet. Dieser riesige Text müsste jetzt auf der Packung stehen."
Doch genau diese Erklärungen fehlen auf den Verpackungen. Sie müssen deshalb neugestaltet werden.
Unternehmen kämpfen mit kurzen UmstellungsfristenVor allem die kurze Frist mache den Unternehmen zu schaffen, sagt Julia Hentsch vom Markenverband: "Viele Unternehmen sind tatsächlich am Kämpfen, denn die Umstellungsfristen sind faktisch knapp bemessen."
Die Umsetzung der Richtlinie sei in Deutschland Mitte Februar 2026 veröffentlicht worden. Erst ab diesem Zeitpunkt hätten die Unternehmen gewusst, was sie beachten müssen, erklärt Hentsch.
Das Justizministerium sieht das anders. Unternehmen hätten seit dem Beschluss der Richtlinie auf EU-Ebene 2024 für die Umstellung genug Zeit gehabt.
Vernichtung vieler Produkte?Als Lösung schlägt das Ministerium beispielsweise das Überkleben veralteter Angaben oder Aushänge in den Geschäften vor. Das funktioniert jedoch für einige Produkte nicht, erklärt Siefer von Einhorn: "Der Handel hat auch sehr schnell gesagt, dass diese Ware nicht mehr genommen wird."
Der Handel habe bereits ab Mitte des Jahres nur noch EMCO-konforme Ware verlangt. Überklebte Produkte würden etwa von Drogerien häufig als B-Ware eingestuft und nicht angenommen. "Das heißt, wir können nicht einfach nachbessern", sagt Siefer.
Es wird Unternehmen geben, die es nicht mehr schaffen, die Produkte in den Handel zu bringen beziehungsweise vorproduzierte Verpackungen aufzubrauchen. Julia Hentsch, Markenverband
Mit diesem Problem sei Einhorn nicht allein, sagt Julia Hentsch vom Markenverband: "Es wird Unternehmen geben, die es nicht mehr schaffen, die Produkte in den Handel zu bringen beziehungsweise vorproduzierte Verpackungen aufzubrauchen." Der Markenverband fürchtet, dass es zur Vernichtung dieser Produkte kommt.
Irreführende Siegel nun verbotenDie neuen Regeln betreffen nicht nur Werbeaussagen auf den Produkten. Auch Grafiken, die wie offizielle Siegel aussehen, aber keine sind, dürfen künftig nicht mehr genutzt werden. Von Firmen selbst geschaffene Siegel müssen außerdem geprüft und zertifiziert sein.
Bisher kann sich der Verbraucher häufig nicht darauf verlassen, dass ein Siegel hält, was es verspricht. Verbraucherzentrale Sachsen
Die Verbraucherzentrale Sachsen begrüßt diesen Schritt: "Bisher kann sich der Verbraucher häufig nicht darauf verlassen, dass ein Siegel hält, was es verspricht. Das soll künftig besser werden. Wenn ein Siegel auf einem Produkt zu sehen ist, sollte es ein zertifiziertes Siegel sein, auf das man sich verlassen kann."
Die neue Regelung macht Produkte zwar nicht automatisch nachhaltiger. Sie kann aber dafür sorgen, dass Verbraucher besser verstehen, was tatsächlich hinter den Versprechen auf der Verpackung steckt.
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