„Öffentliche Angriffe“ und die Trauer um ihre Stieftochter waren am Ende zu viel für Bärbel Bas: Die 58-Jährige tritt als SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin zurück. In einer Erklärung machte sie dafür auch den Koalitionspartner Union verantwortlich.
Meinung · „Öffentliche Angriffe“ und die Trauer um ihre Stieftochter waren am Ende zu viel für Bärbel Bas: Die 58-Jährige tritt als SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin zurück. In einer Erklärung machte sie dafür auch den Koalitionspartner Union verantwortlich.
12.10.2026 , 13:00 Uhr
Bärbel Bas (SPD), zurückgetretene Bundesministerin für Arbeit und Soziales und SPD-Parteivorsitzende, bei einer Sitzung ihrer Bundestagsfraktion.
Foto: Kay Nietfeld/dpa/Kay NietfeldEs gab Anzeichen, dennoch ist der Schritt am Montagmorgen überraschend: SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas zieht sich von beiden Ämtern zurück. Bereits seit Ende September hatte Bas an keinem öffentlichen Termin teilgenommen. Anfang vergangener Woche sagte sie erneut Termine ab. Hintergrund ist der Tod ihrer Stieftochter.
Nun ist die Spitzenpolitik ein harter Job, der wenig Persönliches zulässt. Das weiß auch Bas, die bereits als Bundestagspräsidentin ein hohes Amt ausübte. Doch die Angriffe der letzten beiden Wochen gegen sie als Ministerin, auch aus der CDU, haben sie massiv getroffen.
Nun wirft sie hin, gibt auch ihr Parteiamt zurück. Sie war als große Hoffnungsträgerin der Partei, besonders der Parteilinken, gestartet. Sie sah sich aber, ebenso wie ihr Co-Chef Lars Klingbeil, über den Sommer massiven Anwürfen aus der eigenen Partei ausgesetzt. All das wurde ihr zu viel. Ihr Schritt verdient Respekt.
Der Rücktritt von Bas ist jedoch ein weiterer Schlag für die schwarz-rote Koalition. Das CDU-Präsidium befindet sich gerade in einer zweitägigen Klausur, Kanzler Friedrich Merz und sein Kurs sind in der CDU weiter massiv umstritten. Und in der SPD hat man sehr genau wahrgenommen, dass auch der Kanzler und sein Umfeld mit Kritik an der SPD in der Regierung nicht immer hinter dem Baum hielten.
Nun ist es gut, dass es bereits einen Nachfolger an der Spitze des Arbeitsministeriums gibt: Alexander Schweitzer kennt sich mit hohen Ämtern aus, der 53-jährige Jurist war von 2024 bis 2026 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hatte mit der SPD die Landtagswahl im März dieses Jahres allerdings verloren. Er wird sich schnell einarbeiten müssen, viel Zeit bleibt ihm nicht, die Sozialreformen drängen.
Nun kann, wenn es gut läuft, Bas‘ Rücktritt auch eine Chance bedeuten. Rückzüge sind immer auch ein Neuanfang. Wenn Klingbeil dies in der Partei klug nutzt, gelingt es vielleicht, die unseligen Personaldiskussionen zum Verstummen zu bringen, zumal, wenn die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, nun doch Parteichefin werden sollte. Merz wiederum schätzt Schweitzer. Es wäre jetzt am Kanzler, seine Regierung in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Menschlich jedoch ist der Rückzug von Bas tragisch.
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